Stuttgart 21 Bahn: Pläne am Flughafen sind wirtschaftlich optimal

Von Konstantin Schwarz 

In der S-Bahn-Station sollen nach den Plänen der Bahn künftig auch Fern- und Regionalzüge halten. Foto: Leif Piechowski
In der S-Bahn-Station sollen nach den Plänen der Bahn künftig auch Fern- und Regionalzüge halten.Foto: Leif Piechowski

Die Bahn hat am Freitag ihre Pläne für den Anschluss des Flughafens bei Stuttgart 21 verteidigt. Der vorgesehene Bau erfülle die vertraglichen Leistungen. Dennoch werde es ein S-21-Spitzentreffen mit Vorstand Volker Kefer geben.

Stuttgart - Bis zum nächsten Treffen des Stuttgart-21-Lenkungskreises am 20. April soll die Entscheidung darüber gefallen sein, auf welche Weise die neue Schieneninfrastruktur am Flughafen gestaltet wird. Die Zeit wird knapp, die Fronten verhärten sich.

Die Bahn AG hat am Freitag mitgeteilt, dass eine neue eigene Untersuchung die Betriebsqualität der beantragte Fildertrasse „weiterhin als wirtschaftlich optimal“ bewerte. Man erfülle die Anforderungen „unter Beachtung und Abwägung aller im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zu berücksichtigen Belange“.

Die Untersuchung der Technischen Universität Dresden, die von der Stadt Leinfelden-Echterdingen dazu beauftragt worden ist, komme „im Wesentlichen zu den gleichen Ergebnissen“, so die Bahn. Der Gutachter selbst hatte unserer Zeitung zum Thema Qualität am Donnerstag eine ganz andere Einschätzung gegeben. „Lediglich bei der Bewertung der Ergebnisse unterscheidet sich die Stellungnahme der Universität von den deutschland- und konzerweit gültigen Vorgaben“, heißt es bei der Bahn kryptisch.

Sind damit die Verhandlungen, die der Bahn-Technikvorstand Volker Kefer mit Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann, Stuttgarts OB Fritz Kuhn (beide Grüne) und Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) am kommenden Freitag in Berlin über Varianten der Filderanbindung führen will, überflüssig geworden? Zieht die Bahn ihr Ding durch? Keinesfalls, man wolle den Gesprächen mit Kefer „nicht vorgreifen“, sondern sich weiter über das Thema Flughafenanschluss unterhalten, sagte ein Bahnsprecher aus Berlin auf Anfrage.

Im Rennen sind neben den Bahnplänen zwei Varianten. Die S-21-Gegner der Schutzgemeinschaft Filder setzten sich am Freitag in einer Podiumsdiskussion in der Filderhalle in Leinfelden für eine weitere ein. Sie sieht den Erhalt der heutigen Gäubahn durch Stuttgart mit Schleife zum Tiefbahnhof und den Umstieg von der Gäubahn auf die S-Bahn zum Flughafen in Vaihingen vor. Die S-21-Partner schließen dies aus.

Die DB will die Mischnutzung der heutigen S-Bahn-Gleise ab Rohr und der Station Terminal durch Fernzüge. Die Station am Flughafen würde so umgebaut, dass der S-Bahn nur ein von bisher zwei Gleisen bleibt..

Neben dem „Flughafenbahnhof plus“, der die Fernzüge aus der S-Bahn-Station heraushält, aber laut Bahn mehr als 224 Millionen Euro zusätzlich kosten würde, ist die Variante eines dritten Gleises in den Fokus geraten. Es läge unter der Flughafenstraße parallel zum S-Bahn-Terminal, wäre allein den Gäubahnzügen vorbehalten und könnte im Notfall S-Bahnen aufnehmen. Zusatzkosten: Rund 80 Millionen Euro.

Wolfgang Arnold, Vorstandssprecher der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) will die Varianten kommenden Dienstag vor den Stadträten im Technischen Ausschuss des Gemeinderates bewerten. „Aus verkehrlicher Sicht“, sagt Arnold, der Ältestenrat habe ihn darum gebeten, und er werde sich noch am Montag von der Bahn den letzten Planungsstand auch für die Alternativen holen. Die Fraktion SÖS/Linke-plus sieht in seinem Auftritt das Signal der Stadt, „den Geldbeutel ein bisschen zu öffnen“. Arnold sei „begeisterter S-21-Anhänger“, also Partei. Die Gegner fordern, das sein Vortrag von der Tagesordnung genommen wird.

Regionalpräsident Thomas Bopp hebt in der Variantendebatte immer wieder auf das Thema Zukunftsfähigkeit ab, weshalb sich die Region für eine andere als die Bahnplanung einsetze. „Die Variante mit dem dritten Gleis hat die meisten Bahnsteigkanten“, sagt Arnold, man könnte baulich eine spätere Erweiterung in Richtung Wendlingen schon jetzt vorsehen. Beim Vergleich könne man auch die jeweiligen Mehrkosten „nicht ganz vernachlässigen“.

Für die Schutzgemeinschaft wird auch am Dienstag im Rathaus die falsche Debatte geführt werden. Den alten würden nur „neue Murksvorschläge“ hinzugefügt.

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Kommentar zu Stuttgart 21 Transparenz durch Druck

Von 20. August 2016 - 6:00 Uhr

Die Zusammenarbeit zwischen Bahn, Baufirmen und Zoll klappt. Großer öffentlicher Druck zu Beginn der Arbeiten hat dazu geführt. Man würde sich wünschen, dass beim Großprojekt Stuttgart 21 überall solche Transparenz herrscht.