Stuttgart 21 Bahn hat ein Planungsproblem

Konstantin Schwarz, 22.12.2012 08:00 Uhr
Stuttgart 21 verteuert sich voraussichtlich auf bis zu 6,8 Milliarden Euro. Schuld daran ist aus Sicht von Bahn-Vorstand Kefer auch das Eisenbahn-Bundesamt. Dessen „behördlicher Schwergang“ koste bis zu 400 Millionen Euro. Die Genehmigungsbehörde weist das entschieden zurück.

Stuttgart - Das Bahnprojekt Stuttgart 21 mit neuem Tief- und Flughafenbahnhof sowie 60 Kilometern neuer Strecke hat planerisch und finanziell Schlagseite. Der Bahn-Vorstand mit dem Vorsitzenden Rüdiger Grube und Technikchef Volker Kefer sieht eigene Fehler, die sie auf 1,1 Milliarden Euro beziffern. Beide sehen aber auch Kosten und Risiken von bis zu 790 Millionen Euro, für die Land und Landeshauptstadt verantwortlich seien. Und dann gibt es noch die Bonner Genehmigungsbehörde, das Eisenbahn-Bundesamt (Eba). Dessen „behördlicher Schwergang“ bei der Genehmigung der Baupläne und diverser Änderungen könne bis zu 400 Millionen Euro kosten, sagt Kefer.

Zurzeit, so der DB-Technikchef, lägen 31 nicht abgeschlossene Verfahren beim Eba. „Sie dauern länger als geplant“, so Kefer. Er bitte daher den Bund „das Personal beim Eba in Stuttgart aufzustocken“. Das sei „keine Kritik an den dortigen Personen“. Man werde „für jeden Stempel von Pontius zu Pilatus geschickt“, sagt Rüdiger Grube.

Der Eisenbahnexperte Professor Ullrich Martin von der Stuttgarter Uni pflichtet Kefer und Grube bei: „Das Ministerium muss für mehr Personal sorgen.“ Nach Angaben des SPD-Landtagsfraktionschefs Claus Schmiedel sind in der Behörde nur zwei Mitarbeiter für S 21 zuständig. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke stimmt in den Chor mit ein. Er sieht beim Eba eine „fahrlässige Mitverantwortung“ am S-21-Desaster.

Bundesamt korrigiert Kefers Zahlen

Die Kritik der Bahn ist nicht neu. Dass das Unternehmen sie nach außen und nun massiv vorträgt, allerdings schon. Das 1994 mit der Bahnreform gegründete Bundesamt genehmigt alle Neu- und Umbauten im Streckennetz und gibt als Sicherheitsbehörde für die Eisenbahnen in Deutschland auch die Fahrzeuge frei. Zuvor hatte das die Bundesbahn für sich selbst erledigt. Das Eba führt nun die Fachaufsicht. Im Fall des Falles könnten seine Mitarbeiter bei Fehlern in Haftung genommen werden.

Den Vorwurf, ein im Bummelzugtempo arbeitender Beamtenladen zu sein, weist das Bundesamt zurück. Außerdem korrigiert es Kefers Zahlen. „Derzeit sind elf Planänderungsverfahren für Stuttgart 21 anhängig und drei für die Neubaustrecke Wendlingen– Ulm“, teilt eine Sprecherin mit. Bei der Personalausstattung sieht die Behörde keinen akuten Handlungsbedarf. „Ungeachtet der allgemeinen Personalausstattung im Eba ist die des zuständigen Sachbereichs überdurchschnittlich und trägt der Bedeutung der dort bearbeiteten Großvorhaben Rechnung“, heißt es. Bei Bedarf greife man auf externen Sachverstand zurück, zum Beispiel bei Fragen zum Grundwasserschutz auf das Stuttgarter Amt für Umweltschutz. Um Stuttgart 21 kümmerten sich nicht nur Mitarbeiter in Stuttgart, sondern auch in der Zentrale in Bonn. Insgesamt zählt die Behörde rund 1050 Beschäftigte.

Als „Bauherrin gehalten, zu einem zügigen Verfahrensablauf beizutragen“

Erhebliches Nachbesserungspotenzial sieht die Bonner Behörde bei der Bahn selbst. Sie sei als „Bauherrin gehalten, zu einem zügigen Verfahrensablauf beizutragen“. Die Bahn bestimme den Ablauf der Genehmigungsverfahren für Stuttgart 21 „ganz wesentlich, weil sie die Qualität der Antragsunterlagen ebenso steuert wie ihre eigene Reaktionszeit auf erforderliche Nachbesserungen“. Das ist ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl.

Direkten Einfluss habe das Bundesamt nur auf „etwas mehr als zehn Prozent des Gesamtverfahrens“. Das Amt müsse gesetzliche Normen einhalten und zum Beispiel Betroffene anhören. Insgesamt seien „Fristen von mindestens einem Jahr zugrunde zu legen“. Da sei es „hilfreich, wenn alle Beteiligten, angefangen bei der Bahn, ihren Teil beitragen“. Grünen-Verkehrsminister Winfried Hermann fügt dem nur wenig hinzu: „Alle Verzögerungen bei Stuttgart 21 hat die Bahn selbst zu verantworten“, sagt er.

 
 
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Kommentare (120)
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Ibins Ist schon länger als 1 Jahr her
Wer sind ihre Experten bitteschön?
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Aufgeklärter Ist schon länger als 1 Jahr her
Danke fürs Gespräch. Damit beweisen Sie, daß Sie Ihre Behauptungen nicht beweisen können. Und mit dem „Punkt“ zeigen Sie an, daß Sie an einer sachlichen Diskussion nicht interessiert sind. Nun ja, ich merke mir das in Bezug auf weitere Diskussionen. Schön, daß Sie Ihre nackte Achillesferse gezeigt haben. – Oben bleiben!
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Tübinger Ist schon länger als 1 Jahr her
Auf die Zerstörung des Rosensteinparks durch zusätzliche Zulaufgleise, meterhohe Schallschutzwände im Neckartal und Abriss von dortigen Häusern, wie es bei K21 geplant ist, verzichten wir dafür sehr gerne und auf die Abakus-Berechnungen zur Kapazität seitens selbsternannter 'Experten' sowieso. dass der neue Bahnhof locker 49 Züge/Std. abwickelt, ist zweifelsfrei bewiesen. Punkt.
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Aufgeklärter Ist schon länger als 1 Jahr her
„Erstens stellt die Zahl 32 nur den erwarteten Zugverkehr zur Spitzenstunde dar und nicht den möglichen“. Ihnen ist aber hoffentlich bekannt, daß der Kopfbahnhof heute (auch mit vermurksten Gleisvorfeldumbau und weniger zur Verfügung stehender Gleise) 38 Züge abwickelt? Sie bestätigten hiermit PFV1.1, welches genau diese Kapaziät von 32 bis 34,5 Züge bei S21 als völlig ausreichend vorsieht. Sie behaupten zwar indirekt was von höher möglich. Können Sie uns das aber auch nachvollziehbar erklären? Prof. Schwanhäußer hat in seinen „Ergänzenden Untersuchungen“ Teil 3 eine Schmerzgrenze von 34,5 Zügen bei schon mangelhafter Betriebsqualität ermittelt. .......... Bester Lachbrüller des Tages: „Stattdessen lassen wir die Streuobstwiesen bei S21 im Umland unberührt und bauen ein ökologisches Stadtviertel mitten im Zentrum.“ ... Mit 1700 Stellplätzen für ECE, und weiteren für LBBW u. a.! .......... Ach ja, wo stehen denn die Streuobstwiesen, die bei S21 erhalten bleiben würden? Jedenfalls sind mal schon hunderte von Bäumen in der Nähe des Neckartors, Deutschlands schlimmste Feinstaub-Schmutzecke, gerodet und entfernt worden, weiter hunderte von Bäumen sollen im Rosenstein-Park vernichtet werden. Stuttgarts grünes U, erst 1993 im Zusammenhang mit der BUGA geschaffen, existiert dann so nicht mehr. .......... Eines könnte klar sein, daß für Stuttgart aufgrund der demografischen Rückentwicklung der Bevölkerungszahlen ein kleinerer Bahnhof genügen könnte. Aber dann sollte DIE BAHN NICHT BEHAUPTEN, dieser könne 49 Züge abwickeln, wenn dieser in Wirklichkeit eben nur für 32 Züge ausgelegt ist. Und für was brauchen wir denn auch noch für 10 Milliarden einen Rückbau der Kapazität, eine mehrfache Unterbrechung des Grünen U, die Riskierung des Mineralwassers, die Risiken von Hangrutschungen und und und? Das Geld wäre sinnvoller für die Renovierung des Kopfbahnhofs und bei Bedarf für eine kostengünstigere Erweiterung der Zulaufgleise angelegt. ........... Vielleicht begreift das auch mal ein Auswärtiger namens „Tübinger“, der ähnlich wie ein dahergelaufener Politiker aus Ludwigsburg oder aus Esslingen auch so toll mit Stuttgart meint. – Oben bleiben!
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Aufgeklärter Ist schon länger als 1 Jahr her
Eine schon längst widerlegte und daher langweilige Behauptung, welche vor Jahren von Herzilein-EB in die Welt gesetzt wurde: „Auf die Zerstörung des Rosensteinparks durch zusätzliche Zulaufgleise, meterhohe Schallschutzwände im Neckartal und Abriss von dortigen Häusern, wie es bei K21 geplant ist, ...“ Frage, an welchem Teil des Rosensteinparks sollte denn das passieren? Herzilein-EB schlug die Bartholdy-Allee vor, weil er keine Karten lesen konnte. Der grüne Bereich der Strecke interpretierte er darin, daß genau auf genannter Allee die Züge ihre eigene Trasse suchen sollten. In Wirklichkeit dachten die K21-Planer an eine grüne Überdeckelung der Eisenbahn-Trasse. .......... Ach ja, wegen Abriß von Häusern, gibt es da schon Pläne dafür? Wie lange wollen auch Sie uns mit diesen leeren und längst widerlegten Behauptungen weiterverdummen? .......... ... „verzichten wir dafür sehr gerne und auf die Abakus-Berechnungen zur Kapazität seitens selbsternannter 'Experten' sowieso.“ Wenn Sie die Aussagen von „wikireal“ meinen, gelten die eben so lange als wahr, solange die Bahn diese weder wissenschaftlich fundiert widerlegen kann noch gerichtlich und erfolgreich untersagen läßt. Dr. Engelhardt erwartet ja, daß die Bahn klagt. Sie wird es wohlweislich weiter aussitzen, da sie genau weiß, daß sie mit einer solchen Unterlassungsklage scheitern würde. .......... „... votiert und habe damit die Interessen des Steuerzahlers vertreten.“ So, so, mit ausufernde KOSTENEXPLOSIONEN und UNKALKULIERBAREN weiteren MILLIARDEN-RISIKEN nennen Sie „INTERESSENSVERTRETUNG DES STEUERZAHLERS“. Da gab es doch einen Stadtrat Conz, der ganz nach Ihrer Fason für S21 auch Billionen verschleudern würde. Nun ja, dem ist aus der Sicht des Steuerzahlers wirklich nichts mehr hinzuzufügen beim behaupteten BESTGEPLANTESTEN, BESTKALKULIERTESTEM BAHNPROJEKT ALLER ZEITEN. – Prost Mahlzeit und – Oben bleiben!
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