Stuttgart 21 Architekt will Tiefbahnhof kürzen

Von Konstantin Schwarz 

Die Betonierarbeiten für  den neuen Tiefbahnhof haben begonnen Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Betonierarbeiten für den neuen Tiefbahnhof haben begonnenFoto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Deutsche Bahn will die Pläne für ihren Tiefbahnhof erneut ändern. Die im April 2015 genehmigten Fluchttreppen sollen verschoben werden. Der Stuttgarter Architekt Uwe Eggert plädiert dafür, das Bauwerk zu kürzen.

Stuttgart - Auch nach der 6. Planänderung und dem Beginn der ersten Betonierarbeiten für ihren Tiefbahnhof im Schlossgarten sieht die Bahn noch Verbesserungsbedarf. Mit der nächsten Umplanung sollen die erst im April 2015 je paarweise auf den vier Bahnsteigen platzierten Fluchttreppenhäuser an die beiden Bahnhofsenden geschoben werden. Damit würde wieder Platz auf den Bahnsteigen gewonnen.

Bei ihrer Umplanung sollte die Bahn nach Ansicht des Stuttgarter Architekten Uwe Eggert nicht nur die für den Notfall nötigen Treppenläufe verschieben, sondern einen größeren Eingriff wagen. Eggert hat dem Bahnhofsarchitekten Christoph Ingenhoven vorgeschlagen, die Bahnsteige um 34 auf 410 Meter zu kürzen.

Archtekt eggert beschäftigt sich seit Jahren mit S 21

Die mit einer Grasschicht kaschierte Betondecke des Tiefbahnhofs, die sich als etwa fünf Meter hoher Wall vom Bahnhofsturm bis zur Willy-Brandt-Straße durch den Schlossgarten zieht, könnte nach Eggerts Plänen ebenfalls gekappt werden, und zwar einschließlich der Verschiebung der weit aufragenden und vom Tiefbahnhof abgesetzten Eingangsschale an der Willi-Brandt-Straße um 175 Meter.

„Ich will dem Büro Ingenhoven keine Konkurrenz machen, der Entwurf bleibt auch mit dem Eingriff erhalten“, versichert der 75-jährige Architekt Eggert. Durch die Anpassung könnten aber an die 30 Millionen Euro gespart, lange Fluchtwege gekürzt und könnte der aufwendige Brandschutz vereinfacht werden.

Eggert, der in Großprojekten, vor allem Klinikbauten, bewandert ist, beschäftigt sich seit langer Zeit mit dem Bahnhof. Mit dem Architekturforum plädierte er zunächst für eine andere Lösung. Den Ingenhoven-Entwurf erkennt er aber längst an. Bereits 2010 bat er den damals neuen Bahn-Chef Rüdiger Grube bei einem Termin des Wirtschaftsrates um die bereits 1997 im Wettbewerb entstandenen Pläne der Düsseldorfer Architekten. Grube lieferte prompt.

Pläne wurden an die Bahn weitergeleitet

Eggert vertiefte sich in die Details und erkannte eine nicht notwendige „Überlänge“ des Bahnhofs. Eine Bahnsteiglänge von 410 Metern sei völlig ausreichend. Das Eisenbahn-Bundesamt (Eba) als oberste Genehmigungsbehörde bestätigt, dass als Mindestanforderung und „Regelbahnsteiglänge“ im Hochgeschwindigkeitsverkehr sogar 405 Meter ausreichen würden. Eggert ordnete auch die Fluchtwege neu und entschied sich, die Notausgänge am Nord- und Süd­ende der Station zu bündeln. Den Glas­eingang an der Willy-Brandt-Straße, der durch einen Tunnel mit dem Tiefbahnhof verbunden ist, rückte er, wie es Ingenhoven von Anfang an am Kiesinger-Platz gemacht hatte, direkt über den Bahnhofstrog.

Seine Überlegungen schickte Eggert bereits Anfang März 2015 an das Büro Ingenhoven. Von dort kam fünf Tage später eine förmliche Empfangsbestätigung: „Von unserer Seite beantworten wir unverlangt eingereichte Vorschläge nicht“, hieß es. Man habe die Pläne aber an die Bahn AG weitergereicht.

Im Verkehrskonzern wurden die Vorschläge offenbar genauer betrachtet. Sie wurden dort nicht als konstruktiv abseitig oder Störfeuer eines Projektgegners verworfen. Sie wurden vielmehr mit Hinweis auf den angepeilten Fertigstellungstermin abgelehnt. Fünf Jahre vor der Einweihung wolle man nicht mehr ändern, die neue Bauabwicklung könne man nicht mehr rechtzeitig bewerkstelligen, der Endtermin 2021 würde verfehlt, schrieb Projektchef Manfred Leger am 3. Juni 2015.

Monate später präsentierte die Bahn mit Ingenhoven eine Lösung für die ungeliebten Fluchttreppenhäuser auf den Bahnsteigen. „Unsere Idee mit den Notausgängen am Ende der Bahnsteige wurde abgekupfert“, erkennt Eggert ohne Groll. Der weitergehende Vorschlag, der einen künstlichen Erdhügel vermeide, wurde nicht aufgegriffen.

„Wir wollen die Bauarbeiten nicht verzögern, die Bodenplatte ist für unsere Reduktionen nicht relevant“, sagt Eggert in seinem Büro in Degerloch. Wenn die Bahn nun am Südausgang die Fluchttreppen anpasse, könnten mit der Umplanung dort auch gleich die Eingangssituation und damit das Stadtbild und Sichtachsen verbessert werden.

Im Stuttgart-21-Arbeitskreis hat die Bahn erklärt, die Fluchttreppenhäuser ­ändern zu wollen. Dazu liefen derzeit noch Berechnungen.

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