Stuttgart 21 Abriss des Südflügels ruht für Monate

Jürgen Bock, 04.04.2012 12:37 Uhr

Stuttgart - Eine falsche Baggerbewegung, und schon ist es passiert. Bei den Abrissarbeiten am Südflügel erwischt das schwere Gerät am 19. März nicht nur die Rückwand des Gebäudes, sondern auch eine eingebaute Stütze des Bahnsteigdachs. Am Gleis 16, kurz vor dem Prellbock, knickt der gläserne Dachvorhang ein und hängt über dem Gleis. Fahrgäste werden nicht verletzt, auch der bereitstehende Regionalexpress nach Aalen bleibt unbeschädigt. Der Zug kann den Hauptbahnhof noch verlassen, danach wird die Unfallstelle provisorisch gesichert und abgesperrt.

Und das bis heute. Denn besondere neue Erkenntnisse haben sich seit dem Zwischenfall nicht ergeben. „Die Arbeiten am Südflügel ruhen nach wie vor“, bestätigt eine Bahnsprecherin. Es habe eine Begehung des Geländes gegeben, das eingeknickte Dach sei abgestützt worden. Doch weil der genaue Schaden noch nicht klar sei, könne man derzeit die Abrissarbeiten am nur zum Teil geschleiften Südflügel aus Sicherheitsgründen nicht fortsetzen. Auch die Gleise 15 und 16 bleiben gesperrt. Zu großen Beeinträchtigung führe das aber nicht, so die Sprecherin. Betroffene Züge würden auf andere Gleise umgeleitet. Lediglich einige Minuten Verspätung könnten bei manchen Verbindungen entstehen.

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Gutachten wohl erst Anfang Mai

Nach Recherchen unserer Zeitung dürfte sich an diesem Zustand so schnell nichts ändern. Die Ermittlungen der Bundespolizei laufen noch. Bevor die nicht abgeschlossen sind, gilt eine Fortsetzung der Abrissarbeiten als unwahrscheinlich. „Derzeit ist ein Gutachter beauftragt. Wir erwarten ein Ergebnis nicht vor Ende April oder Anfang Mai“, sagt Cora Thiele, Sprecherin der Bundespolizeidirektion Stuttgart. In wie weit sich das auf die Abrissarbeiten auswirke, könne sie nicht sagen. Es ist aber kaum vorstellbar, dass sie wieder aufgenommen werden, bevor ein Ergebnis vorliegt.

„Wir brauchen einen belastbaren Stand der Dinge“, sagt die Bahnsprecherin. Zumal offen ist, zu welchen Schlussforderungen das Gutachten kommt. Der Abriss könnte also für Monate ruhen.

Völlig menschenleer ist die Baustelle dennoch nicht. Derzeit laufen die Vorbereitungen, um das Hallendach endgültig abzustützen. Dafür muss es angehoben werden. Um Platz dafür zu schaffen, wird sämtliches Abbruchmaterial abgefahren. Eine Gefährdung für die Reisenden im Hauptbahnhof bestehe durch die Situation nicht, sagt die Bahnsprecherin. Der Betrieb laufe weit gehend reibungslos.

Ursprünglich hätte der Südflügel bis Ende März verschwunden sein sollen

In Verzug bringe der Zwischenfall das Projekt Stuttgart 21 nicht, betont man bei der Bahn. „Die Abrisspause bewirkt keine größeren Komplikationen“, so die Sprecherin. Ursprünglich hätte der Südflügel bis Ende März verschwunden sein sollen. Begonnen hatten die Arbeiten unter Protesten der Projektgegner am 30. Januar. Ohnehin wäre der Zeitplan nicht eingehalten worden: Wegen der Frostphase im Februar hätte sich der Abbruch laut Bahn auch ohne den Unfall bis in den April gezogen. Jetzt dürften noch einige Wochen dazu kommen.

Angesichts der zuletzt bekannt gewordenen Verzögerungen dürfte die neuerliche in der Tat nicht groß ins Gewicht fallen. Bei der jüngsten Sitzung des Lenkungskreises aller Projektpartner am 23. März musste Bahn-Technikvorstand Volker Kefer erhebliche Probleme beim Bau des Tiefbahnhofs einräumen. Weil die Pläne für das Grundwassermanagement geändert und genehmigt werden müssen, kann die Anlage frühestens im Januar 2013 in Betrieb gehen. Dazu kommen die Verzögerungen durch Schlichtung und Volksabstimmung. Deshalb sollen die ersten Züge nicht wie bisher vorgesehen Ende 2019, sondern erst ein Jahr später im neuen Bahnhof halten. Bis dahin ist dann auch das Bahnsteigdach hinfällig geworden.

 
 
 
Kommentare (104)
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MAI
01
Martin Clostermann, 03:35 Uhr

stopp beim südflügelabriss

schon ziehmlich seltsam das ganze. Ich versteh überhaupt nicht warum man hier so zimplerlich ist und so lange die SüdflügelAbriss- Arbeiten stoppt. All das hält doch nur unnützer Weise den Fortgang auf. Beim Grundwassermanagement war es doch auch alles kein Problem. Als man merkte. dass die Menge des abzupumpenden Grundwassers nicht ausreichte hat es doch auch nur 3 Tage gedauert, bis man die zulässssige Menge verdreifachte und als das nicht reichte, hat mn doch auch innrhalb weniger Tage eine verfünfachung zu gelassen, - und als dann hierbei einige s21- Mießmacher argumentiererten in Köln habe doch schon eine 30%-ige Mehrabpumpung von Grundwasser zum Einsturz des Staatsarchives geführt hat , da hat dies doch auch niemand interessiert und Mehrheit hat doch schließlich in der Volksabstimmung festgelegt, dass alles zügig weiter gehen soll. Und selbst Herr Kretschmann hat doch mit seiner Unterschrift zum Gestattungsvertrag zur Parkabholzung einen Freibrief erteilt, dass statt Faktenklärung nun entlich Faktenschaffung angesagt ist, so wie es dem Willen des Volkes laut Ergbnis der Volksabstimmung entspricht

APR
13
Aufgeklärter, 12:49 Uhr

„Matthias“ – Ihre Sorglosigkeit in Ehren ...

... jedoch haben sich blinde „Eselsglauben“ schon oft katastrophal ausgewirkt. Daß Sie keine Ahnung über die Auswirkungen des geplanten Projekts haben, beweist dieses Zitat von Ihnen: „Waere ich Bahn, dann wuerde ich die max. irgendwie durchsetzbare Wassermenge ansetzen, um nicht nochmals diesen Genehmigungsmarathon durchzumachen.“ So, so, also Bequemlichkeit vor Risikoabschätzung, interessant. Und Sie glauben auch noch blindlings den Plänen der Bahn über das GWM, obwohl die nicht mal selbst weiß, wieviel sie abpumpen muß. Jahrzehnte und lt. PF1.1 ging sie vom Abpumpfaktor 1 aus, dann letzten Herbst vom Faktor 2, im neuen Jahr war die Bahn nun völlig ratlos, inzwischen spricht man vom Faktor 5. „Matthias“ – nochmals zur Erinnerung: Unter dem Grundwasser, welches abgepumpt werden sollte, fließt der größte Schatz der Stadt, nämlich das Mineralwasser. Und ein weiteres zur Erinnerung: DIE BAUARBEITEN HABEN JA NOCH NICHT MAL BEGONNEN, da wollen Sie jetzt schon wissen, daß alles problemlos abläuft? Wir haben noch weitere Risiken: Der Ameisenberg könnte sich auch so stur wie der Südflügel erweisen und eine Bearbeitung umso schwieriger machen. Wer garantiert, daß der zu durchdringende Gipskeuper nicht doch quillt? .......... In einem Bereich beneide ich Sie gerne: Durch Ihre blinde Sorglosigkeit bekommen SIE ja mal keine Magengeschwüre. Für Sie wird es reichen, wenn man sich erst aufregt, wenn das (allerdings wohl vorausgesagte) Ereignis, der Unfall, der Vorfall was auch immer eben doch eintritt. Da ja die Bahn sich momentan selbst behindert (ist auch vorausgesehen worden!), gibt es freilich für Sie noch eine gewisse Zeit (Jahre?) Galgenfrist. Freuen Sie sich drüber. – Oben bleiben!

APR
13
Degerlocher, 06:55 Uhr

nicht freigeg. wdh (lb) Da der Rest des Seitenflügels ja in absehbarer Zeit entfernt sein wird, kann man in diesem Zuge ja die freigelegten Stützen verstärken, - - dies wäre wahrlich eine sinnvolle Maßnahme.

Macht 'Euch' keine Sorgen, Stuttgart 21 kommt und wird wunderschön.

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