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Stromkonzerne locken Kunden mit satten Boni

STN, vom 01.02.2010 09:10 Uhr
Der Wettbewerb am Strommarkt wird immer schärfer. Mit hohen Wechselprämien gehen die Unternehmen derzeit auf Kundenfang. Ökostromtarife haben sich fest am Markt etabliert.

Von Walther Rosenberger

STUTTGART. Vor einem Jahr kannten die Strompreise nur eine Richtung - nach oben. Damals legten die Versorger die stark gestiegenen Beschaffungskosten für Energie massiv auf die Kunden um. Heute sieht das Bild differenzierter aus. Sinkenden Kosten für die Stromerzeugung stehen steigende Kosten für den Stromtransport und für die Ökostromförderung gegenüber. Kunden, die den richtigen Anbieter wählen, können daher derzeit durchaus ein Schnäppchen machen. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von rund 4500 Kilowattstunden Strom seien Ersparnisse von 200 Euro und mehr drin, sagt Daniel Dodt, Sprecher des Verbraucherportals Toptarif.

Besonders mit satten Wechselboni versuchten die Firmen, Neukunden zu werben. Gewährten die Versorger vor einem Jahr noch durchschnittliche Boni in Höhe von 30 bis 50 Euro, könne der Kunde heute zwischen 80 und 120 Euro einstreichen, sagt Dodt - sofern er sich für mindestens ein Jahr an seinen neuen Versorger bindet. ¸¸Die stark gestiegenen Wechselprämien sind Ausdruck eines größeren Wettbewerbs auf dem Strommarkt', sagt Dodt. Hier einige wichtige Fragen zum Thema Energie und Tipps, wie der Wechsel des Stromanbieters einfach und sicher zu bewerkstelligen ist.

Wann werden die Strompreise steigen?

Die meisten Experten gehen derzeit von steigenden Strompreisen aus. Allerdings nicht durchgehend und nicht sofort. Die Großkonzerne Eon und RWE haben angekündigt, bis Ende März bzw. bis zur Jahresmitte nicht aufzuschlagen. Bei der EnBW sind Tarifänderungen nach Aussagen eines Konzernsprechers ¸¸derzeit nicht absehbar'.

Wann lohnt sich der Wechsel des Anbieters?

Wer noch nie seinen Stromversorger gewechselt hat, kann fast immer sparen. In diesem Fall ist man nämlich Kunde der Grundversorgung des Hauptunternehmens vor Ort. Diese ist zwar ein bequemer, aber meist auch einer der teuersten verfügbaren Tarife.

Wechsel des Stromversorgers - wie geht das?

Vor dem Wechsel steht der Preisvergleich. Um die Angebote - etwa über Verbraucherportale im Internet wie verivox.de oder toptarif.de - vergleichen zu können, benötigt man lediglich seinen Stromverbrauch in Kilowattstunden pro Jahr. Um einen neuen Vertrag abzuschließen, muss der neue Anbieter den Namen des alten Lieferanten und die Nummer des Stromzählers sowie die alte Kundennummer des Anschlusses wissen. Um bürokratische Hürden zu vermeiden, ist es wichtig, nicht selbst beim alten Versorger zu kündigen, sondern das dem neuen Lieferanten zu überlassen. Grundsätzlich gilt: Vor Abschluss eines Vertrags nachfragen, wann der neue Anbieter Preiserhöhungen plant.

Wie steht es mit Kündigungsfristen?

Als Kunde der Grundversorgung beträgt die Kündigungsfrist maximal vier Wochen zum Ende des Kalendermonats. Bei Stromsondertarifen bestehen abweichende Kündigungsfristen. Wenn Preiserhöhungen anstehen, hat der Kunde in der Regel aber ein Sonderkündigungsrecht für seinen Vertrag.

Wie sicher ist der Wechsel?

Sollte es beim Wechsel zu Problemen kommen, sitzt der Kunde nicht im Dunkeln oder friert, denn der lokale Versorger muss dann einspringen. Insbesondere ändert sich an den technischen Voraussetzungen im Haus durch einen Wechsel nichts. Zähler und Anschluss bleiben dieselben.

Wann fließt der neue Strom?

Wechseln geht nicht von jetzt auf gestern, sondern hat einigen Vorlauf. Da die Umstellung immer nur zum Monatsersten erfolgt, sind Wartezeiten von bis zu acht Wochen üblich. Daher: Frühzeitig Preise vergleichen!

Vertragslaufzeiten, Preisgarantien, Vorauskasse & Co. Was ist sinnvoll?

Viele Anbieter geben Preisnachlässe auf lange Vertragslaufzeiten oder gegen Vorkasse. Experten raten von Vertragslaufzeiten über einem Jahr Dauer ab. Grund: Sollten die Tarife wieder sinken, lässt sich der Kunde Geld durch die Lappen gehen, da er weiter gebunden ist. Noch zurückhaltender sind Energieexperten beim Thema Vorauskasse. Wenn die Firma pleitegeht, ist das Geld meist weg. Strompakete, bei denen ein fester Preis für eine fixe Kilowattmenge bezahlt wird, sind nur für Kunden empfehlenswert, die genau wissen, wie viel sie verbrauchen werden. Denn wer weniger verbraucht, verliert Geld. Wer mehr Strom benötigt, zahlt überproportional drauf. Preisgarantien dagegen können in der jetzigen Situation sinnvoll sein, da Experten von steigenden Strompreisen ausgehen.

Lohnen sich Lockangebote?

Im ersten Jahr senken saftige Boni den Strompreis oft deutlich. Danach allerdings fallen sie weg und machen das Angebot unattraktiver. Verbraucherschützer raten Kunden daher, nur auf die Boni zu achten, wenn es ihnen nichts ausmacht, den Versorger jährlich zu wechseln, um dann wieder in den Genuss der Prämie zu kommen. Kunden, die sich lieber länger an einen Versorger binden, sollten dagegen stark auf die reinen Stromkosten - also den Grundpreis und den Arbeitspreis des Tarifs - achten.

Wie erkenne ich echten Ökostrom?

Ökostrom boomt. Nach Angaben des Portals Toptarif ist die Nachfrage in den letzten Monaten sprunghaft angestiegen. Allerdings haben erst rund fünf Prozent der etwa 40 Millionen deutschen Haushalte entsprechende Verträge abgeschlossen. Zudem ist Ökostrom nicht gleich Ökostrom. Eines der wichtigsten Kriterien für echte Bioenergie ist, dass sie aus neu zugebauten Anlagen stammt. Nur dadurch wird sichergestellt, dass sich die Energielandschaft nachhaltig verändert. Ökosiegel, die etwa vom Tüv vergeben werden, garantieren daher, dass ein Teil des Mehrpreises in den Ausbau von erneuerbaren Energien gesteckt wird. Solche Siegel sind etwa ¸¸Ok-Power', das Siegel der Landesgewerbeanstalt Bayern, oder das ¸¸Grüner-Strom'-Label.

Was ist von Online-Tarifen zu halten?

Online-Tarife sind oft günstiger als Normaltarife, erfordern aber - ähnlich wie im Bankbereich - eine vollständige Abwicklung über das Internet. Mittlerweile haben neben den Konzernen auch viele Stadtwerke Onlinetarife im Angebot. Günstige Beispiele aus der Region sind etwa die Stadtwerke Fellbach mit ihrem Net(t)strom-Tarif oder die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen mit Partner Strom Online.

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