Streit um Wildtierverbot in Ludwigsburg Zirkusbetreiber sehen „faschistisches Gedankengut“

Von Rafael Binkowski 

Die Kamele des Circus Althoff werden zum Zankapfel in Ludwigsburg. Foto: factum/Granville
Die Kamele des Circus Althoff werden zum Zankapfel in Ludwigsburg. Foto: factum/Granville

Der Circus Althoff wehrt sich vor Gericht gegen die Rämung seines Lagers in Ludwigsburg. Den Tierschützern sagt die Direktorin: „Heute werden Tiere verbannt, morgen Juden?“

Ludwigsburg - Darf der Circus Althoff mit seiner Show und wilden Tieren von Freitag an in Ludwigsburg auftreten? Die Betreiberfamilie um Joanna Weisheit wehrt sich gegen die vom Land angeordnete Räumung des Grundstücks an der B 27 mit einer einstweiligen Anordnung. Gleichzeitig kritisiert die Direktorin sowohl die Kritik der Tierschützer als auch „kompetenzüberschreitende Beamte“. Sie sagt: „Die Zahl der Attacken, denen wir uns nunmehr in Ludwigsburg ausgesetzt sehen, übersteigt das durchschnittliche Maß bei Weitem.“ Dennoch werde man wie geplant vom 10. bis 19. November hier gasieren.

Zur Erinnerung: Der Circus Althoff war in der vergangenen Woche von Bietigheim-Bissingen nach Ludwigsburg umgezogen, um dort auf einem Grundstück in der Nähe des Favoriteparks seine Zelte aufzuschlagen. Der in Marbach lebende Tierschützer und Musiker Jürgen Lengerer hatte Alarm geschlagen, weil die Kamele und Löwen direkt an der B 27 untergebracht wurden. Daraufhin hatten sich auch die Stadträtinnen Claudia Dziubas (Ökolinx) und Christine Knoß (Grüße) eingeschaltet und ein generelles Wildtierverbot für Zirkusse in der Stadt gefordert.

Zirkusanwalt geht gegen das Land vor

Probleme bekommt der Zirkus jedoch zunächst von ganz anderer Stelle: Das Grundstück gehört dem Land und ist an einen Landwirt verpachtet. Der hatte es offenbar ohne Absprache mit dem Eigentümer an den Zirkus untervermietet. In einem Schreiben des Landesamtes für Bau und Vermögen an die Betreiberfamilie Weisheit heißt es nun: „Zu der widerrechtlichen Zirkusnutzung haben wir keine Erlaubnis erteilt und werden auch nachträglich keine Zirkusnutzung genehmigen.“ Bis Montag sei der Platz zu räumen.

Offenbar haben die Proteste das Landesamt erst auf den Zirkus aufmerksam gemacht, das Schreiben wurde am Samstag persönlich übergeben. Über ihren Rechtsanwalt Martin Lindemann wehrt sich die Zirkusfamilie und hat beim Verwaltungsgericht Stuttgart eine einstweilige Anordnung beantragt. Darin wird mit einem schriftlichen Vertrag argumentiert und dass die Landesverwaltung kein Recht habe, die Zirkusnutzung zu verbieten. „Die Tournee ist minutiös geplant, der nächste Standort steht erst nach dem 19. November zur Verfügung“, erklärt Lindemann.

Direktorin: Weg zur Bücherverbrennung ist nicht weit

Die Direktorin Joanna Weisheit spricht von „profilierungssüchtigen Lokalpolitikern und selbst ernannten Tierschützern“, die ihr das Leben schwer machen würden. „Sie geben Grund zu der Annahme, an behandlungspflichtigen Wahrnehmungsstörungen zu leiden“, schimpft sie – und versteigt sich sogar zu Vergleichen mit der Nazi-Zeit: „Heute werden Tiere aus den Mauern der Stadt verbannt, morgen Juden? Geflüchtete Menschen? Künstler? Da ist der Weg zum Verbrennen von Büchern nicht weit.“ Sie unterstellt ihren Gegnern „faschistisches Gedankengut“ und fordert sie auf, sofort von allen ihren Ämtern zurück zu treten. Wildtierverbote seien ohnehin rechtswidrig, sagt Weisheit: „Wer dies ignoriert, beabsichtigt zur Profilierung Steuergelder zu versenken.“

Diese scharfe Kritik ficht die Tierschützer allerdings nicht an. „Das lasse ich an mir abperlen“, erklärt die Grünen-Stadtärtin Christine Knoß. Auch über die verbalen Angriffe vom Freitag („Verbrechersyndikate“) habe man „herzlich gelacht“. Knoß betont wie ihre Kollegin Claudia Dziubas: „Wir haben gar nichts unternommen, um die Räumung zu veranlassen. Wir haben nur nachgefragt, wieso der Zirkus überhaupt dort ist.“ Ein Argument der Zirkusbetreiber können die Tierschützer nachvollziehen: Eine sofortige Räumung wäre nicht im Sinne der Tiere, weil es an Ausweich- und Transportmöglichkeiten fehlt.

„Unser Anliegen ist, ein Auftrittsverbot für den Circus Althoff zu erreichen und dass die Tiere nicht mehr direkt an der Straße gelagert werden“, sagt Christine Knoß. Sie sollten anderswo auf dem Gelände untergebracht werden.

Gemeinderat soll am Mittwoch darüber beraten

Die Stadträtinnen wollen nun mit der Stadtverwaltung klären, welche rechtlichen Möglichkeiten die Kommune hat, Wildtiere in Zirkussen generell zu verbieten und Kontakt mit den anderen Fraktionen aufnehmen. Das Thema soll auf Wunsch der Grünen auch am Mittwoch im Gemeinderat besprochen werden.

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