Street-Art in Stuttgart Viel mehr als bunte Bildchen

Von Ann-Kathrin Schröppel 

Die Stuttgarter Street-Art Szene ist zwar klein, aber fein. In der Kesselstadt gibt es keine haushohen Wandbilder wie in Berlin oder London, trotzdem findet man hier öffentliche und innovative Kunst. Man muss nur genau hinsehen.

Stuttgart - Wenn man ganz achtlos durch Stuttgart schlendert und gerade womöglich mit etwas völlig anderem beschäftigt ist, fallen sie uns nur unbewusst und eher zufällig ins Auge: Bunte Bildchen, Aufkleber oder gar Kacheln mit aufgemalten Motiven. Die Rede ist von Street-Art. Oft muss man auch sehr genau hinsehen, wenn man diese kleinen Kunstwerke im öffentlichen Raum entdecken will. Manchmal sind sie sehr versteckt oder so gut in das alltägliche Straßenbild integriert, dass sie gar nicht auffallen. Trotzdem sind diese urbanen Kunstwerke, in verschiedenen Ausprägungen und an vielen Orten in Stuttgart zu finden.

In einer Beitragsreihe wollen wir uns dieser besagten urbanen Kunst, insbesondere der Stilrichtung „Street-Art“, widmen. Wir unternehmen einen Spaziergang durch die Stuttgarter Street-Art Szene, treffen aktive Künstler, stellen aktuelle Projekte vor und besuchen Kunstausstellungen.

Eine interaktive Karte zeigt die Orte in Stuttgart, an denen man sich die urbanen Kunstwerke ansehen kann.

Was ist Street-Art

Eine allumfassende Definition von Street-Art gibt es nicht. Die Meinungen, welche Art von Kunst zur Street-Art-Richtung zählt und welche nicht, gehen auseinander. Der Stuttgarter Künstler „Jeroo“ formuliert es so: „Über Aufkleber, Paper-Cuts bis hin zu Fließen ist bei der Street-Art alles dabei. Diese Form ist gegenständlicher als Graffiti und ohne viele Buchstaben.“ Für einige Künstler spielt die „urbane Intervention“ in der Street-Art eine große Rolle. Dabei beziehen Street-Art Künstler wie Peter Kosock die Umgebung und die Natur in ihre Werke mitein: „Man kann beispielsweise auch mit Moos malen. Wenn das in Form eines Schriftzuges oder eines Symbols angeordnet wird und dann die Sonne drauf scheint, wächst daraus ein Bild.“ Er selbst hat schon viele Materialien für seine Werke verwendet. Ob Pappe, Folien, Styropor, Holz oder Legosteine, fast alles ist möglich.

Street-Art ist also eine Kunstform, die in verschiedenen Formen, aber immer im öffentlichen Raum, stattfindet. Ob als gesprühtes Bild auf Häuserwänden oder unter Brücken, als Gravur in der Rinde eines Baumes oder als Skulptur im Stadtpark, all das fällt unter den Begriff Street-Art.

Den Künstlern steht eine fast unbegrenzte Zahl an stilistischen Ausdrucksformen zur Verfügung und sie präsentieren ihre Werke wiederum einer unbegrenzten Zahl an Menschen. Ihre Kunst ist nicht in Galerien oder Museen versteckt, sie ist der breiten Öffentlichkeit auf der Straße zugänglich.

Alles kann, nichts muss

Die Ausdrucksformen der Künstler sind variabel und vielfältig und die eingesetzten Techniken höchst unterschiedlich. Oft werden neue und unkonventionelle Materialien ausprobiert oder bekannte Techniken weiterentwickelt. Es gibt Bilder oder Figuren aus Styropor, Holz, Plastik, Pappe, Moos, textilen Stoffen, verschiedenen Folienarten oder Keramikkacheln. Neben gesprühten oder gemalten Motiven an Wänden werden selbstgestaltete Aufkleber, Schablonen-Kunst (Stencil-Art), bemalte Leinwände, verschiedenste Skulpturen, Licht- oder Videoinstallationen verwendet. So nehmen die künstlerischen Visionen Gestalt an. Die Form und die Durchführung sind fast unbegrenzt und die Ideen der Künstler schier unerschöpflich.

Die bekannteste Street-Art-Form sind aber weiterhin gesprühte oder gemalte Bilder, ähnlich der bekannten Graffiti-Kunst im urbanen Raum. Der Unterschied zwischen Graffiti und Street-Art liegt darin, dass die Street-Art Künstler nicht primär ihren eigenen Namen oder den ihrer Graffiti-Crew bekannt machen wollen. Viele legen den Fokus verstärkt auf den sozialkritischen Aspekt ihrer Werke. Es geht den Street-Art-Künstlern nicht um die Masse sondern um die Aussage ihrer Werke. Auch suchen sie vermehrt nach einem Austausch, sie wollen mit der Öffentlichkeit kommunizieren und die Menschen mit ihren Werken zum nachdenken anregen. Gesellschaftliche Strukturen und Normen sollen kritisch hinterfragt werden.

Weitere Unterscheidungsmerkmale der unterschiedlichen Kunstformen sind die eingesetzten Techniken, sowie das verwendete Material. Im Graffiti kommt primär die Sprühdose zum Einsatz. Mit der Dose sprühen die Graffiti-Künstler ihre Bilder an Wände, Züge oder jeden anderen Untergrund. In der Street-Art ist eine Eingrenzung der Techniken und des Materials so gut wie nicht vorhanden. Je nach Vorliebe und Vorstellungskraft des jeweiligen Künstlers kann dieser mit Pinseln, Dose, Markern, Papier, Styropor, Holz, Plastik, Moos, Legosteinen oder Keramikkacheln arbeiten. Fast alles ist möglich.

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