Straßenfeste in Stuttgart Veranstalter stocken Wachdienste auf

Von Wolf-Dieter Obst 

Gegen Übergriffe und Exzesse: Beim Bohnenviertelfest werden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Foto: 7aktuell.de/Gerlach
Gegen Übergriffe und Exzesse: Beim Bohnenviertelfest werden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Foto: 7aktuell.de/Gerlach

Sexuelle Übergriffe, Gewalt aus Gruppen heraus: Einige Straßenfeste in der Region verzeichneten am Wochenende nicht nur erfreuliche Erlebnisse. Nach dem Fall Schorndorf wollen die Behörden reagieren. Wie sieht es in Stuttgart aus?

Stuttgart - Sexuelle Übergriffe und Gruppenrandale, die am Wochenende ähnlich wie in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln die Feste in Schorndorf und Böblingen überschattet haben, sorgen auch bei den Stuttgarter Festveranstaltern für Unruhe. „Wir haben die Sicherheitskräfte aufgestockt“, sagt Axel Heldmann, Organisator des Bohnenviertelfestes, das am Donnerstag startet. Die Entscheidung liege schon länger zurück, sagt Heldmann: „Wir wollten eben ein bisschen besser aufgestellt sein.“

Doch der Fall Schorndorf, der die Debatten um die Kölner Silvesterereignisse wieder aufleben lässt, ist für die Polizei kein Grund, künftig noch mehr Kräfte auffahren zu lassen. „Die Polizei ist schon längst bei jeder Veranstaltung sensibilisiert“, sagt Polizeisprecher Olef Petersen. Das gelte auch für das Bohnenviertelfest und das Marienplatzfest, das ebenfalls an diesem Donnerstag beginnt.

Und dann müssen schnell mal 25 Beamte ran

Dass in Stuttgart bisher relative Ruhe herrscht, liegt laut Petersen auch an der Sicherheitskonzeption Stuttgart (SKS), eine Sondertruppe, die den Streifendienst mit 75 Beamten verstärkt und auch flexibel auf Sonderlagen reagieren kann. „Wenn es nötig wird, können wir in der Großstadt aus den Revieren und Sondereinheiten schneller Kräfte zusammenziehen, als dies im Umland möglich wäre“, sagt der Stuttgarter Polizeisprecher. Man könne so rascher gegen ein massiertes Auftreten gewalttätiger Gruppen vorgehen.

Freilich: So ganz ruhig ist es auch in Stuttgart nicht. Dabei müssen es nicht nur junge Männer aus Asylbewerberkreisen sein, die in Gruppen Gewalttaten verüben. Als Anfang Juli zwei Gruppierungen im Hospitalviertel aufeinander losgingen – eine bunte Mischung aus jungen Deutschen, Italienern, und Türken –, mussten binnen weniger Minuten mehr als 25 Beamte an den Tatort ausrücken. Besonders friedlich waren die Beteiligten nicht – ein 22-Jähriger trat einem Beamten gegen den Kopf.

Straßenbande beim Henkersfest

Sexuelle Übergriffe gab es auch beim Fischmarkt – allerdings Einzelfälle. Ein 48-Jähriger aus Stuttgart, der nachmittags einer 49-jährigen Besucherin in den Schritt gefasst hatte, wurde festgenommen und nach der Anzeigenaufnahme wieder auf freien Fuß gesetzt.

Aber unverhofft kommt oft. Das wissen etwa die Besucher des Henkerfests am Wilhelmsplatz. Sie erlebten im Juli 2013, wie schnell die Polizei ihre Truppen aufstellen kann. Eine kurdische Straßenbande hatte sich mit den Hells Angels anlegen wollen. Die Polizei nahm 20 Rädelsführer fest.

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