StN-Reihe „Über Kunst“ mit Barbara Bader Distanz und Einblick

Von Thomas Morawitzky 

Enormer Sanierungsstau, viele neu zu besetzende Professuren und neue Studiengebühren – Stuttgarts neue Kunstakademie-Rektorin Barbara Bader steht Rede und Antwort als Gast der „Stuttgarter Nachrichten“-Gesprächsreihe „Über Kunst“.

Stuttgart - „Für mich“, sagt Barbara Bader gleich zu Beginn des „Über Kunst“-Gesprächsabends der „Stuttgarter Nachrichten“ in der Galerie Parrotta in Stuttgart, „war das immer klar: Ich interessiere mich für Menschen, für Bildung und für die Künste“. Umso mehr, sagt sie im Dialog mit Nikolai B. Forstbauer, Titelautor unserer Zeitung, stört sie es, wenn ihr Weg als „Zickzacklebenslauf“ skizziert wird. 1972 in Bern geboren, wird sie zunächst Grundschullehrerin, studiert dann Bildnerisches Gestalten in Bern, Buchgestaltung in Prag und Kunstgeschichte in Oxfor, arbeitet dann an den Hochschulen in Bern und Zürich. „An allen diesen Stationen waren zwei, wenn nicht drei der Bereiche, für die ich mich interessiere, abgedeckt“, ­betont Bader.

2013 führt ihr Weg sie nach Stuttgart – um an der Kunstakademie am Weißenhof den Studiengang Kunstdidaktik und Bildungswissenschaften aufzubauen. Seit 4. April ist sie, als Nachfolgerin von Petra ­Olschowski, 2016 zur Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst berufen, Rektorin der Akademie. Eine Aufgabe als „ideale Synthese meiner Interessen“.

„Bauliche Situation ist prekär“

„Es ist ein großes Privileg, an einer Kunstakademie zu arbeiten“, sagt Bader mit sicht- und spürbarer Freude. „Die Studierenden, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie auch die Professorinnen und Professoren verfolgen ihre Ziele mit Vehemenz und Intensität.“ Sie dürfe sich in der „besten Arbeitsumgebung“ bewegen.

Gab es nicht jüngst vermehrt schlechte Nachrichten? Ja, die bauliche Situation an der Akademie sei prekär – und eine Lösung kaum in Sicht. Jüngst sorgte der Einsturz einer Decke im Bildhauerbau für Aufregung. Bader summiert Weiteres: „Unsere Telefonanlage kann jederzeit aussteigen; es tropft im Keller, weil die Mensa der Akademie noch immer mit Dampf kocht. Die Nutzungsarten, die beim Bau der verschiedenen Gebäude ursprünglich bestimmt waren, entsprechen überhaupt nicht den heutigen Anforderungen. Die Labore sind in einem prekären Zustand.“ Baders Fazit: „Eigentlich kann man so nicht arbeiten“. Das Gegenmittel? „Die überaus große Motivation der Lehrenden und Studierenden“. „Wir haben“, sagt Bader, „Lösungen gefunden, mit denen man dennoch arbeiten kann.“

Und wie geht es weiter? Die Akademie ist Liegenschaft des Landes, den Sanierungsbedarf „können wir lediglich anmelden“. „Investieren, planen und bauen muss jemand anders“ – das Amt für Vermögen und Bau im Finanzministerium. Dabei sei der „Investitions- und Innovationsstau“ unnötig, gebe es doch „Lösungen aus dem eigenem Haus“. „Wir haben“, sagt Bader, „Architekten, die einen Masterplan erstellen können. Ich weiß, das ist schon geschehen, aber wir können es erneut versuchen, vielleicht gelingt es dieses Mal.“ Barbara Bader spricht von Sanierungsplänen und Entwürfen für einen Werkstatttrakt – „tolle studentische Projekte, die weitergeführt werden könnten.“

Die früher angestrebte Ausweitung des Akademie-Areals spielt für die neue Rektorin keine Rolle mehr. „Wir brauchen nicht mehr Platz“, sagt sie und fügt diplomatisch sanft hinzu, es gehe darum, das vorhandene Areal baulich besser zu nutzen.

Nachholbedarf gibt es auch bei der technischen Infrastruktur. „Bei der Digitalisierung“, sagt Bader, „ ist es mit Anschaffungen eben nicht getan; alle Jahre stehen Aktualisierungen an. Unsere Studierenden sollen in der heutigen professionellen Welt überleben können, und wir müssen dafür die Grundlagen liefern.“

„Zahlen international Studierender gehen zurück“

Besonders frustrierend empfindet es die neue Rektorin, dass die Politik aktuell ganz andere Zeichen gibt. Wohl in der kommenden Woche wird der Landtag mit der Mehrheit der Regierungsfraktionen von Grünen und CDU Studiengebühren für Studierende aus Nicht-EU-Staaten beschließen. „Dabei“, sagt Bader, „wird nur der kleinste Teil dieser Gebühren den Akademien selbst für Lehre und Forschung zur Verfügung stehen“. „Das sind Mittel, die eingezogen werden, um die Verwaltung zu bezahlen.“ Schon bei ihrem Antritt hatte Bader gesagt, sie befürchte einen „Rückgang internationaler Studienbewerber“. Anzeichen liefert die Vorabklärung international Studierender - „Diese Zahlen sind stark zurück gegangen, und sie waren in der Vergangenheit immer sehr gute Indikatoren für die Endzahlen“, sagt Barbara ­Bader – und hofft, „über Stipendien einen gewissen Ausgleich schaffen zu können“.

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