Stickoxide, Feinstaub und Kohlendioxid im Kreis Böblingen Verkehr und Industrie verpesten die Luft

Von Kathrin Haasis und Ulrike Otto 

In Sindelfingen ist die Luft offenbar besonders dick. Dem neuen Emissionskataster zufolge werden dort kreisweit die meisten Schadstoffe ausgestoßen. Wie die Werte von acht weiteren Kommunen ausfallen zeigt unsere Bildergalerie.

Böblingen - Die Zahlen für Leonberg (Kreis Böblingen) sind eindeutig. Der Verkehr auf Straßen, Schienen und in der Luft ist für 80 Prozent der Stickoxide, für 75 Prozent des Feinstaubs und für 66 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Dafür erreicht die Industriestadt Sindelfingen beim Kohlendioxid einen absoluten Spitzenwert. Während Böblingen auch schwer am Verkehr zu tragen hat, fällt in Herrenberg der hohe Anteil von Industrie und Gewerbe am Feinstaubaufkommen auf (32,9 Prozent). Außerdem produzieren die Heizanlagen in der Mitmachstadt mit fast 58.000 Tonnen 2000 Tonnen mehr Kohlendioxid als in Böblingen, obwohl das 15.000 Einwohner mehr hat. Das geht aus dem neuen Emissions­kataster hervor, den die Landesanstalt für Umwelt veröffentlicht hat.

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Der Verkehr ist den Zahlen zufolge in allen Städten mit oder an Durchgangsstraßen für zwei Drittel und mehr des Feinstaubs verantwortlich. Dabei schlägt vor allem die Nähe zur Autobahn zu Buche. In Weil der Stadt, das mehr Einwohner hat als beispielsweise Rutesheim, dafür weiter weg von der A 8 liegt, sorgt der Verkehr nur für 26,7 Prozent des Feinstaubs. Hier spielen Heizanlagen, Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe ­eine größere Rolle.

Im regionsweiten Vergleich liegt Böblingen hinter Ludwigsburg

Nicht täuschen lassen darf man sich allerdings davon, dass der Anteil des Verkehrs an der Feinstaubproduktion in Sindelfingen geringer ist. Der Wert ist dafür doppelt beziehungsweise vier Mal so hoch wie in den anderen Städten. In Böblingen liegt er auch bei sehr hohen 70 Prozent, was mit der Nähe zur Autobahn 81 zu erklären ist. In Sindelfingen ist die Industrie zusätzlich noch für 32 Prozent des Feinstaubs verantwortlich, während die Böblinger Firmen laut der Erhebung nur für 1,2 Prozent des Feinstaubs sorgen.

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Bis auf Leonberg hängen die beiden benachbarten Kreisstädte auch bei den Stickoxiden und beim Kohlendioxid den Rest des Kreises ab. Fast zu 20 Prozent in Sindelfingen und 15 Prozent in Böblingen ist das Gewerbe für den Stickoxidausstoß verantwortlich, beim klimaschädlichen Gas Kohlendioxid beträgt der Anteil 48,1 (Sindelfingen) beziehungsweise 42,6 Prozent (Böblingen). In der Daimler-Stadt wurden 2014 fast 500 000 Tonnen an Kohlendioxid in die Luft geblasen – mehr als ein Viertel der Summe von 1,89 Millionen Tonnen für den ganzen Kreis Böblingen. Im regionsweiten Vergleich liegt Böblingen wiederum hinter dem Kreis Ludwigsburg mit 2,35 Millionen Tonnen und dem Stadtkreis Stuttgart mit 2,44 Millionen Tonnen Kohlendioxidausstoß. Dank geringerer landwirtschaftlicher Fläche wird in Stuttgart allerdings weniger Stickoxid produziert, der Feinstaubausstoß ist ebenfalls geringer, was an einem niedrigeren Anteil vom Gewerbe liegt.

Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschritten

„Generell ist der Ausstoß der ermittelten Luftschadstoffe für das Jahr 2014 zum Vergleichsjahr 2000 rückläufig“, teilt die Landesanstalt immerhin mit. Messungen in der Stadt Böblingen, die vergangenes Jahr von der Grünen-Gemeinderatsfraktion initiiert wurden, haben jedoch ergeben, dass die Grenzwerte für Stickstoffdioxid an bestimmten Stellen in der Stadt überschritten worden sind. Deshalb soll in der Stadt in 2018 eine langfristige Untersuchung stattfinden, die unter anderem auch die Feinstaubbelastung kontrolliert.

Die Grünen starten am Samstag, 1. Juli, die Kampagne „Gute Luft in Böblingen? Wir messen nach!“. Dabei werden 20 Feinstaub-Messgeräte an Böblinger Bürger verteilt, um ein dichtes Netz aufzubauen „und die Feinstaubproblematik in den Fokus des öffentlichen Bewusstsein zu rücken“, teilt die Partei mit. Verteilt werden die Geräte von 10.30 Uhr an im Repair-Café in der Friedrich-List-Straße 69 in Böblingen.

Die Feinstaubbelastung hängt wesentlich von der Topografie einer Stadt ab. Wer viel produziert, muss nicht unbedingt viel davon abbekommen, wenn die Partikel nicht in engen Straßen oder in einem Kessel wie in Stuttgart hängen bleiben.

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