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Stern oder Sportwagen? Ein neues Logo für Stuttgart

Frank Rothfuß, vom 28.07.2010 07:00 Uhr
Das neue Logo für Stuttgart Foto: StN
Das neue Logo für Stuttgart Foto: StN

Stuttgart - Die Stadt hat einen Dachschaden. Vor 22 Jahren hat der Designer Karl Lierl dem Schriftzug Stuttgart ein Dächle aufgesetzt, nun wird es abgebaut. Die Berliner Agentur Embassy hat ein Logo entwickelt, das künftig für Stuttgart und den gesamten Großraum werben soll.

Ist's ein Stern? Ist's ein Gespenst? Ist's ein Sportwagen? Der Fantasie setzt das Logo keine Grenzen - das ist auch so gedacht. "Die Region Stuttgart ist touristisch gesehen ein weißer Fleck", sagte Katrin Androschin von Embassy. Bei einer Umfrage unter 2000 Menschen hat die Agentur herausgefunden, dass der Rest von Deutschland nichts von Stuttgart weiß. Dem großen Nichts im Süden "wollen wir Bewegung geben, Form geben". Die nicht zufällig die Umrisse der Region hat. Aus dem weißen Fleck soll etwas "Erlebbares, Sympathisches werden".

Seit einem halben Jahr versuchen Stuttgart-Marketing und die Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus GmbH mit ihren Mitgliedern wie Tübingen oder Schwäbisch Hall eine neue Marke für den Tourismus zu entwickeln. 200.000 Euro bekam dafür Embassy, das auch die Kampagnen Be Berlin oder Live Riga entwickelt hat. Doch wer weiß, mit welchem Verve die Bürgermeister der Region über Kleinigkeiten streiten können, der musste fürchten, dass dieser Auftrag nicht erfüllbar ist. "Es gab zwei Alternativen: Entweder wir streiten uns bis aufs Blut, oder wir schaffen einen Aufbruch", sagte Michael Föll, Stuttgarts Kämmerer und Aufsichtsratsvorsitzender von Stuttgart-Marketing.

Verwundete gab es keine. Im Gegenteil. Am Montag legten die Aufsichtsräte den Schwur ab, "als Einheit auftreten zu wollen", und stimmten einstimmig dem neuen Konzept zu. Das nicht nur aus neuem Logo besteht. Zunächst legte man drei Zielgruppen fest, die man anlocken möchte. Die Reiselustigen über 50, die Geschäftsleute, die ohnehin in Stuttgart sind "und denen Lust auf mehr gemacht werden soll", sowie die "jungen Enthusiasten" zwischen 20 und 30. Also all jene mit voller Reisekasse.

Um Interesse zu wecken, werden die Angebote unter vier Überschriften zusammengefasst. Kultur wird zu "Anspruchsvoll - Das Beste entdecken"; Genuss zu "Verführerisch - Das Beste genießen"; Mobil zu "Erfinderisch - Das Beste erfahren"; Freizeit ist "Entspannend - Das Beste erleben". Gefühlsbetont soll das klingen, "um Emotionen für die Region zu wecken", sagt Katrin Androschin. Deshalb sei das Logo in warmen Farben gehalten. Auch die Werbemittel sollen anders aussehen, moderner, klarer. Ein Handbuch erstellt Embassy gerade.

Einen Werbespruch im Stil von "Stuttgart - Partner der Welt" verkniff man sich. "Wir haben ein starkes Logo, das für sich selbst steht", sagte Armin Dellnitz, Chef von Stuttgart-Marketing, "unsere Marke steht für einen qualitativ hochwertigen Tourismus." Ob dies stimmt, kann man im Januar überprüfen. Dann will sich die Region auf der CMT mit ihrem neuen Gesicht zeigen. Gestrafft und geliftet.

Kommentare (37)
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AUG
12
09:34 Uhr, geschrieben von Wolfgang Jeuter
Ein neues Logo für Stuttgart
Seit wann sind Berliner für unser LOGO zuständig, das sollte schon einer aus unserem Ländle sein, der ein neues LOGO kreiren, das ist schon ein Armutszeugnis, daß wir BWler keine Künstler haben.
JUL
30
13:51 Uhr, geschrieben von TOPCTEH
Wie können nur auswärts!
Zitat "EJB": "Wenn wir alles können - warum haben wir dann diese Konzeptentwicklung nicht 'im Ländle' gemacht?" Antwort: Weil das noch nie gemacht wurde. Man erinnere sich nur an die Vergabe der Produktion von "wir-können-alles-außer"-Devotionalien nach China, worüber sich der Herr Grupp (Trigema) - zurecht - öffentlich beschwert hatte. Warum sollte es also dieses Mal anders sein?
JUL
29
20:07 Uhr, geschrieben von JEB
Na bravo!
"Mir könnet älles außer Hochdeutsch"? 1stens: Mir fällt noch etwas ein, was zumindest die verantwortlichen Entscheider ganz offensichtlich nicht können: Marketingkonzepte kompetent beurteilen. Oder lags etwa schon am Briefing? "Mir könnet älles - aber genau d e s net!" 2tens: Wenn wir alles können - warum haben wir dann diese Konzeptentwicklung nicht "im Ländle" gemacht? Von mir aus auch "uf guat Schwäbisch" - dann wäre es zumindest nicht so beliebig, so austauschbar, so stumpf und trübe... Ich hätte mir gerne für weit weniger Honorar (sondern auch für die Ehre) meine Gedanken gemacht. Statt dessen scheint es so, als ob eine renommierte (?) Agentur die Chance bekommen hat, ihre "Layoutschublade" zu leeren, in einem vorhandenen Sternengebilde (?) den Namen auszutauschen und so bequem zu recyceln, was man anderweitig bisher nicht verkaufen konnte. "Mit könnet älles - au Geld zom Fenschter nausschmeißa!" Schade eigentlich.
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