Die Versorgung der Bevölkerung mit Strom und Wasser sei eigentlich staatliche Daseinsvorsorge, diese Meinung vertritt nicht nur Eberhard Kögel, Vorsitzender des Kernener Vereins Allmende. Doch auch mit einer lebensnotwendigen Ressource lässt sich Profit machen. In vielen Ländern tragen die Bürger die Folgen: steigende Preise, nachlassende Qualität und die Nicht-Versorgung unprofitabler Gebiete.
Am Donnerstagabend hatte europaweit der neueste Film "Water makes money" von Leslie Franke und Herdolor Lorenz Weltpremiere, der sich mit den schwerwiegenden Folgen der weltweiten Privatisierung der Trinkwasserversorgung befasst. Auch Stetten war einer der über 100 Premieren-Orte. In der Aula der Karl-Mauch-Schule zeigte Allmende den Film vor rund 90 interessierten Bürgern. "Allmende hat für die Herstellung dieses Filmes gespendet und kann ihn nun mit als erstes zeigen", sagte Eberhard Kögel. Stuttgart ist eines der Beispiele, die in dem 90-minütigen Film genannt werden. Nachdem die Wasserversorgung an die EnBW und die Abwasserklärung an eine amerikanische Firma verkauft worden waren, ist die Landeshauptstadt nach einem erfolgreichen Bürgerbegehren dabei, die Wasserversorgung zurück zu kaufen. "Privatisierung ist nur am ersten Tag schön - wenn man das Geld bekommt", sagt der Münchner Bürgermeister Christian Ude im Film. "Marktwirtschaft gegen Ressource" benannte Ude den Zwiespalt. In zahllosen Beispielen, vor allem aus Frankreich, stellten die Filmemacherinnen Städte und ihre Erfahrungen mit der Wasserwirtschaft vor. Die französischen Firmen Veolia und Suez sind die Marktführer in Sachen Wasserwirtschaft auf dem Weltmarkt. Mit dem Geschäftsmodell der "Public Private Partnership" (PPP) köderten diese Firmen die Städte. In der Folge stiegen die Wasserverbrauchspreise oft in kürzester Zeit um über 100 Prozent. Weil Lecks und Leitungen nicht richtig repariert wurden, sank die Wasserqualität rapide. Durch eine fast rollierende Vermischung von wirtschaftlichen und politischen Positionen sitzen Veolia-Manager heute auch in Gremien des Weltwasserforums. Die Firma bekomme so Projekte zugeschoben und finanziert, die sie selbst vorgeschlagen habe, belegen die Filmemacherinnen. In den nächsten Jahren laufen jedoch viele Verträge zwischen Veolia und französischen Städten aus. Fast alle Kommunen wollen inzwischen ihre Wasserversorgung zurück in die öffentliche Hand führen und müssen dafür größtenteils ein marodes Netz teuer zurückkaufen. Public Private Partnership habe sich nicht bewährt, dieses Modell begünstige ein korruptes System, sagen die Filmemacherinnen.
Worauf der Film allerdings nur am Rande einging, waren die weltweit zurückgehenden Wasserressourcen, die in der Zukunft nicht nur den Anbau von Lebensmittel erheblich erschweren werden, sondern künftig immer weniger Menschen Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen.
Die anschließende Diskussion weitete sich auch auf den Rückkauf der kommunalen Stromversorgung von den Großkonzernen und die Gründung eigener Stadtwerke in den Kommunen aus.