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Stammheimer Schule: Die Sanierung stockt

"Nord-Rundschau", vom 27.04.2010 04:31 Uhr
Stammheim. Der Fachbau am Fliegenweg sollte für zwei Millionen Euro erneuert werden, doch Arbeiten im Gebäude ruhen. Von Chris Lederer

Wenn Angelika Hillmann aus dem Fenster ihres Rektorats im ersten Stock schaut, dann hat sie zwar einen einwandfreien Blick auf den renovierungsbedürftigen Fachbau gegenüber, doch was die Stammheimer Leiterin der Grund- und Hauptschule zu sehen bekommt, kann ihr nicht gefallen: Das Dach ist noch nicht wie versprochen erneuert, die Fenster sind noch die alten, keine Dachrinne ist ausgetauscht, es steht noch nicht einmal ein Gerüst. "Das Gebäude hätte Mitte Februar eingerüstet werden sollen. Es ist nichts gemacht", sagt Hillmann. Anfang der Woche habe sie in einem Gespräch mit der Architektin und einem Mitarbeiter erfahren, dass die Bauarbeiten außen am Gebäude noch durchgeführt werden sollen, jedoch die Sanierungen im Innern momentan auf Eis gelegt worden sind. "Ich sollte mich für eine Farbe für die Außenhülle des Fachbaus entscheiden und habe dabei erfahren, dass die Arbeiten im Innern des Hauses gestoppt worden sind."

Im November hatten die Arbeiten begonnen, im Sommer dieses Jahres sollte der Fachbau vollends saniert sein: geplant waren ein neuer Musiksaal mit verspiegelter Wand für Tanz- und für Theaterproben, es waren Biologie-, Physik- und Chemieräume mit so genannten "Experimentier-Inseln" mit Strom-, Gas- und Wasseranschluss geplant, an denen die Kinder selbst Versuche durchführen können. Darüber hinaus waren ein zusätzliches Lehrerzimmer, ein Töpferraum, ein großer Computerraum sowie ein Schülercafé mit 30 Plätzen vorgesehen. Außerdem sollten Dach, Fenster und Toiletten saniert werden.

"Es war klar, dass die Arbeiten nicht so schnell vonstatten gehen wie geplant, aber dass die Sanierung des Gebäudeinneren gestoppt ist, davon war bislang nie die Rede gewesen." Beim vorletzten Gespräch mit der Architektin, das Mitte Januar stattgefunden habe, seien alle Beteiligten noch guter Dinge gewesen und davon ausgegangen, dass die komplette Sanierung rechtzeitig vor dem kommenden Schuljahr fertig wird.

Wer genau den Baustopp veranlasst hat, weiß Angelika Hillmann nicht. "Ich verstehe es so, dass die Arbeiten so lange gestoppt sind, bis wir wissen, ob unsere Hauptschule noch eine Werkrealschule wird", sagt Hillmann. Wie bereits berichtet, müssen Hauptschulen mindestens 32 Schüler pro Jahrgangsstufe aufbieten, um Werkrealschule werden zu dürfen. So hat es das Land bestimmt. Derzeit erfüllt die Stammheimer Lehranstalt diese Vorgabe nicht. "Fürs neue Schuljahr haben sich für die Klassenstufe 5 derzeit 23 Schüler angemeldet, wir rechnen aber noch mit weiteren", sagt Hillmann.

Sollten die erhofften Räume im Fachbau bis zum neuen Schuljahr nicht zur Verfügung stehen, verschärfen sich die Probleme: Es fehlt der eigene Werkraum. "Zum Werkunterricht gehen die Schüler momentan in die Hohensteinschule oder auf die Jugendfarm, aber der Raum dort ist viel kleiner", sagt die Schulleiterin. Die Fächer Chemie, Physik und Biologie würden nur eingeschränkt unterrichtet. "Wir können nicht ins neue Jahr starten, ohne eine Lösung für diese Fächer zu haben. In einem Brief hat sich Hillmann vergangene Woche an die Chefin des Schulverwaltungsamtes gewandt. Eine Antwort steht noch aus.

Auf Nachfrage erklärt Karin Korn, die Leiterin des Schulverwaltungsamtes die Hintergründe der Verzögerung: "Die Baumaßnahmen sind nicht gestoppt, wir versuchen sie im Moment nur langsamer laufen zu lassen, solange noch nicht klar ist, welcher Bedarf in Stammheim überhaupt besteht." Schließlich solle kein Geld unnötig ausgegeben werden. Der künftige Bedarf hänge davon ab, ob die Schule am Fliegenweg eine eigenständige Werkrealschule werde, ob sie eine Kooperation mit einer anderen Werkrealschule eingehe, oder ob sie eine einfache Hauptschule bleibe. Die Entscheidung darüber werde auf politischer Ebene gefällt. "Wir wissen im Moment aber noch nicht, wie sich der Gemeinderat entscheiden wird, daher befinden wir uns in einer Zwickmühle." Derzeit würden im Schulverwaltungsamt diverse Szenarien geprüft, eventuell seien Umplanungen nötig. "Wir müssen genau wissen, wofür wir das Geld ausgeben." Mit einem Ergebnis rechnet Karin Korn spätestens bis zur Sommerpause.

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