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Stuttgart - Vom Frühjahr nächstes Jahr an sollen in der Landeshauptstadt nach und nach 20 neue Stadtbahnen an den Start gehen. Jedes Fahrzeug kostet rund 3,7 Millionen Euro. Das neue Stadtbahnmodell hat die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) bereits jetzt präsentiert.
Das neue Stadtbahnmodell Typ S-DT 8.12 im Keller des Betreibszentrums der SSB in Möhringen ist zwar nur eine Attrappe aus Pappmasché. Und statt 40 Meter misst es nur knapp zehn Meter Länge. Doch dafür ist es genau so dottergelb wie die anderen 164 Fahrzeuge der SSB-Stadtbahnflotte. Und sämtliche Details, die neuen Bahnen auszeichnen sollen, sind im Maßstab 1 : 1 umgesetzt.
"Die neuen Fahrzeuge sollen die übrigen Stadtbahnen nicht alt aussehen lassen", sagt Wolfgang Arnold, Vorstandsprecher und Technischer Vorstand der SSB. Obwohl es laut SSB nicht Ziel sei, "Neues um jeden Preis" auf die Schiene zu bringen, gibt es doch optische Unterschiede zu den früheren Modelle der Produktionsserien S-DT.8.1 bis S-DT.8.11. Am auffälligsten ist die aerodynamische Front, die das neue Modell schnittiger aussehen lässt die ältere Stadtbahn-Generation das Sichtfeld für die Fahrer ist größer geworden, damit auch 30 Zentimeter vor dem Fahrzeug noch Kinder auf den Schienen zu sehen sind. Die rundere Karosserie soll bei einem möglichen Unfall die Verletzungsgefahr zum Beispiel durch scharfe Kanten minimieren. Und die Bahnen sind mit 40 Metern im Vergleich zu den Vorgängern um einen Meter gewachsen.
Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren
Die inneren Qualitäten haben sich stärker als bisher den Erfordernissen Zeit angepasst: Es gibt zwei so genannte Mehrzweckabteile von etwa je neun Quadratmetern, in denen Fahrgäste mit Fahrrädern, Gehwagen oder Rollstuhl bequem Platz haben. Mit 106 Sitzplätzen gibt es nur zwei Plätze weniger als in den älteren Modellen. Insgesamt können nach wie vor insgesamt rund 255 Passagiere mitfahren. Für alle, die im Stehen fahren müssen, bieten die neuen Stadtbahnen durch neu angeordnete Haltestangen bessere Möglichkeiten, sich festzuhalten. Mehr Sicherheit soll auch die rote Warnleuchte über den Türen garantieren, die aufleuchten, sobald sich die Türen schließen.
Während bisher die Heizung in Kästen unterm Sitz untergebracht war, tragen die neuen Bahnen die Technik huckepack. Deshalb ist der Dachaufbau der neuen Stadtbahnen größer als bisher.
Trotz der Neuerungen sollen der Typ S-DT8.12 seine Herkunftfamilie nicht verleugnen. Dafür steht Herbert Lindinger. Der Design-Professor war bereits am Entwurf der ersten Generation beteiligt.
Neben äußeren Merkmalen wie der gelben Farbe wird deshalb auch an inneren Werten festgehalten. So verraten unter anderem die blaugemusterten Polstersitze die Abstammung der neuen Fahrzeuggeneration. Lindinger: "Nur in etwa drei Städten haben die Stadtbahnen so bequeme Sitze. Meist sind sie hart. Denn harte Sitze lassen sich nicht so leicht zerstören."
Den Auftrag für den Bau der Stadtbahnen hat die Berliner Firma Stadler. Zu den Kosten von rund 74 Millionen Euro für die Neuanschaffungen kommen noch rund 100 Millionen Euro für die Generalüberholung von 60 alten Bahnen. Die soll 2017 abgeschlossen sein. Laut Arnold können diese Bahnen dann weitere 20 Jahre eingesetzt werden. Die Lebensdauer eines Fahrzeugs liegt bei 40 bis 50 Jahren. Den 38 Fahrzeugen der ersten Generation, die in den 80er Jahren angeschafft wurde, gibt die SSB noch eine Lebensdauer von etwa 10 Jahren.