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Stadtbahn Die U 15 biegt in die Zielgerade ein

Götz Schultheiss, vom 01.12.2011 18:10 Uhr
 Foto: Piechowski
Foto: Piechowski

Stuttgart - Nach vier Jahren Bauzeit wird am Samstag, 10. Dezember, die U-15-Strecke von Zuffenhausen nach Stammheim eröffnet. 105 Millionen Euro hat die rund drei Kilometer lange Strecke gekostet, auf der 40-Meter-Züge im Zehnminutentakt verkehren.

Die Fahrgäste werden künftig in 25 statt in 32 Minuten die Strecke von Stammheim zum Hauptbahnhof bewältigen. Diesen Zeitgewinn schätzt Wolfgang Arnold, Vorstandssprecher der SSB, als so attraktiv ein, dass viele Autofahrer auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Er rechnet mit rund 1100 zusätzlichen Fahrgästen pro Tag. Wenn die U15 im Jahre 2013 zwischen Pragsattel und Hauptbahnhof wegen der Arbeiten am Bahnprojekt Stuttgart 21 nicht mehr das Nordbahnhofsviertel quert, sondern die Heilbronner Straße entlangfährt, soll sich die Fahrzeit von Stammheim zum Hauptbahnhof laut Arnold sogar auf 21 Minuten verkürzen.

U 15 hält nicht mehr am Pragfriedhof

Vielen Fahrgästen wird dieser Zeitgewinn allerdings die Nachteile nicht aufwiegen. Weil die Bahnen künftig nicht mehr durch die Friedhofstraße fahren, kann so mancher Passagier nicht mehr kurz aussteigen, um rasch die Gräber auf dem Pragfriedhof zu besuchen. Vermutlich wird die U12 den Kunden hier als Ersatz zur Verfügung stehen. Sie wird dann voraussichtlich nicht mehr vom Hauptbahnhof zum Killesberg fahren, sondern durch die Friedhofstraße und das Nordbahnhofviertel zum Hallschlag.

Doch auch dies ist laut Planung der SSB von kurzer Dauer. Im Jahr 2015 spart die U12 ebenfalls die Friedhofstraße aus und verkehrt auf direktem Weg zwischen der neuen Bibliothek 21 und dem Nordbahnhofviertel auf der künftigen Verkehrsachse durchs neue S-21-Viertel. Die U 15 sollte von Anfang an die U12 ergänzen. Weil laut SSB die neuen Viertel nicht vor 2025 bis 2030 komplett besiedelt sein werden, würden die Fahrgäste der U15 bei der Fahrt durchs Nordbahnhofsviertel einen unnötigen Umweg zurücklegen.

Doch vorerst herrscht eitel Freude über den neuen Streckenabschnitt. Sein technisch anspruchsvollster Teil beginnt beim Zuffenhausener Rathaus. Von dort verläuft der Schienenstrang auf 500 Meter Länge unter der Unterländer Straße. Während der Bauarbeiten ging es auf der Straße beengt zu. "Dort verlief in Einbahnrichtung der Individualverkehr, damit die Geschäftsleute Frequenz hatten, außerdem der Ersatzverkehr mit Bussen der Linie E15. Das hat Anwohner und Pendler vor eine große Herausforderung gestellt", sagt Markus Zwick, Projektleiter für den Tunnelabschnitt.

Tunnel gebaut, Brunnen gefunden

Vor dem eigentlichen Tunnelbau mussten die gesamten Elektrokabel von der Trassenmitte an den Rand verlegt werden, und bei der Grabung stießen die Bauarbeiter auf allerlei Überraschungen. Zwick: "Einige der alten Keller ragten in den Bereich unter den Gehsteigen. Wir mussten sie abdichten und überbauen." Außerdem stießen die Arbeiter auf zwei Brunnen aus dem 19. Jahrhundert.

Wenn Zwick beim Tunnelbau von "bergmännischer Bauweise" spricht, dann ist dies keine Übertreibung, denn der tiefste Teil des Tunnels liegt etwa 20 Meter unter der Bundesstraße 27 und den Bahngleisen.

Mit Beginn des Neubaus anno 2007 ist in Stuttgart auch eine Ära zu Ende gegangen: Die letzten Züge der Meterspur verschwanden aus dem Stadtbild und verkehren nur noch auf der Museumsstrecke. Sie haben Triebwagen der gängigen Spurweite von 143,5 Zentimetern Platz gemacht.

Kommentare (9)
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DEZ
02
14:15 Uhr, geschrieben von SSB-Fahrgast
Gewusst wie !
In besagter Pressemappe stand wohl auch nicht, dass die SSB seit Jahren drohte "ohne das sogenannte Projekt $21" bekäme der Hallschlag [angeblich!] KEINE Anbindung an das Stadtbahnnetz... Fakt ist, das es primär im ureigenen Interesse der SSB steht, den äusserst peripher gelegenen Stadtbahn-Betriebshof in Remseck-Aldingen besser an ihr Netz (konkret hier: die sog. Talquerlinien) anzubinden. In dem Fall eben über die Lowentortrasse (U!2). Die Anbindung des Hallschlags ist eher ein Nebeneffekt. Der achso neue Stadtteil "Bücherknast21" ist bestens mit der U-Haltestelle Türlenstr. angebunden. Die extra U-Haltestelle Mailänder PLatz ist in meinen Augen ein sinnloses Prestigeobjekt. Die U14 wird zukünftig bereits in Hofen Seeeblickweg enden, mal sehen, wie DAS den Fahrgästen schmecken wird. UND: Der allerbestestens funktionierende und seit 1976 bestehende Stadtbahntunnel im Zuge der Heilbronner Straße kann dank "$21" künftig zum Pilze züchten verwendet werden. Soviel zum Thema Sparen.
DEZ
02
14:03 Uhr, geschrieben von Davif
Herr
Unfassbar wieder das Lesernieveau. Allein diese Rechnung mit den Zinsen pro Fahrgast pro Tag. Warum zB Fahrbahnen erneuern, die bringen doch keine neuen Autofahrer. Oder S21. Aber der Bahnhof wird ja zum Glück gebaut, ohne dass solche flachen Rechnungen aufgemacht werden. Tja, ihr Gegner, der Fortschritt ist nicht aufzuhalten!
DEZ
02
13:26 Uhr, geschrieben von Aufgeklärter
"vom anderen Stern" - Doch, die Zuffenhäuser wollten den Tunnel
Die Debatte um den 15er entstand schon 1999, als der Südast einstellungsgefährdet war. Es entstand der AK Linie 15, der um den Erhalt der Panoramastrecke zur Ruhbank kämpfte. Parallel dazu entstand auch der Interessenskreis der Zuffenhausener und Stammheimer Betroffener. Sie ließen abstimmen und erreichten eine Mehrheit für die Tunnellösung durch Zuffenhausen. Dafür dauerte nun die Fertigstellung mindestens ein Jahr länger als ohne Tunnelbau, und die Strecke nach Stammheim ist entsprechend teuerer. Also die Zuffenhäuser wollten es so, dazu benötigte es auch kein Rockenbauch, Stocker u. a., um das Projekt evtl. noch zu verhindern. ... Genauso sehe ich das nun mit Stuttgart allgemein. Die Wähler und der Rest der Unentschlossenen haben mit 53 % für S21 gestimmt. Nun braucht wegen der künftigen Unannehmlichkeiten sowie den Rückbau des Bahnknoten niemand mehr zu jammern. Jetzt hat die Mehrheit der Stuttgarter selbst die Verantwortung, mit all dem fertig zu werden.
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