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Stadtbahn Die U 15 biegt in die Zielgerade ein

Von Götz Schultheiss 

 Foto: Piechowski
Foto: Piechowski

Von Stammheim sieben Minuten schneller zum Bahnhof – SSB hoffen auf 1100 neue Fahrgäste pro Tag.

Stuttgart - Nach vier Jahren Bauzeit wird am Samstag, 10. Dezember, die U-15-Strecke von Zuffenhausen nach Stammheim eröffnet. 105 Millionen Euro hat die rund drei Kilometer lange Strecke gekostet, auf der 40-Meter-Züge im Zehnminutentakt verkehren.

Die Fahrgäste werden künftig in 25 statt in 32 Minuten die Strecke von Stammheim zum Hauptbahnhof bewältigen. Diesen Zeitgewinn schätzt Wolfgang Arnold, Vorstandssprecher der SSB, als so attraktiv ein, dass viele Autofahrer auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Er rechnet mit rund 1100 zusätzlichen Fahrgästen pro Tag. Wenn die U15 im Jahre 2013 zwischen Pragsattel und Hauptbahnhof wegen der Arbeiten am Bahnprojekt Stuttgart 21 nicht mehr das Nordbahnhofsviertel quert, sondern die Heilbronner Straße entlangfährt, soll sich die Fahrzeit von Stammheim zum Hauptbahnhof laut Arnold sogar auf 21 Minuten verkürzen.

U 15 hält nicht mehr am Pragfriedhof

Vielen Fahrgästen wird dieser Zeitgewinn allerdings die Nachteile nicht aufwiegen. Weil die Bahnen künftig nicht mehr durch die Friedhofstraße fahren, kann so mancher Passagier nicht mehr kurz aussteigen, um rasch die Gräber auf dem Pragfriedhof zu besuchen. Vermutlich wird die U12 den Kunden hier als Ersatz zur Verfügung stehen. Sie wird dann voraussichtlich nicht mehr vom Hauptbahnhof zum Killesberg fahren, sondern durch die Friedhofstraße und das Nordbahnhofviertel zum Hallschlag.

Doch auch dies ist laut Planung der SSB von kurzer Dauer. Im Jahr 2015 spart die U12 ebenfalls die Friedhofstraße aus und verkehrt auf direktem Weg zwischen der neuen Bibliothek 21 und dem Nordbahnhofviertel auf der künftigen Verkehrsachse durchs neue S-21-Viertel. Die U 15 sollte von Anfang an die U12 ergänzen. Weil laut SSB die neuen Viertel nicht vor 2025 bis 2030 komplett besiedelt sein werden, würden die Fahrgäste der U15 bei der Fahrt durchs Nordbahnhofsviertel einen unnötigen Umweg zurücklegen.

Doch vorerst herrscht eitel Freude über den neuen Streckenabschnitt. Sein technisch anspruchsvollster Teil beginnt beim Zuffenhausener Rathaus. Von dort verläuft der Schienenstrang auf 500 Meter Länge unter der Unterländer Straße. Während der Bauarbeiten ging es auf der Straße beengt zu. "Dort verlief in Einbahnrichtung der Individualverkehr, damit die Geschäftsleute Frequenz hatten, außerdem der Ersatzverkehr mit Bussen der Linie E15. Das hat Anwohner und Pendler vor eine große Herausforderung gestellt", sagt Markus Zwick, Projektleiter für den Tunnelabschnitt.

Tunnel gebaut, Brunnen gefunden

Vor dem eigentlichen Tunnelbau mussten die gesamten Elektrokabel von der Trassenmitte an den Rand verlegt werden, und bei der Grabung stießen die Bauarbeiter auf allerlei Überraschungen. Zwick: "Einige der alten Keller ragten in den Bereich unter den Gehsteigen. Wir mussten sie abdichten und überbauen." Außerdem stießen die Arbeiter auf zwei Brunnen aus dem 19. Jahrhundert.

Wenn Zwick beim Tunnelbau von "bergmännischer Bauweise" spricht, dann ist dies keine Übertreibung, denn der tiefste Teil des Tunnels liegt etwa 20 Meter unter der Bundesstraße 27 und den Bahngleisen.

Mit Beginn des Neubaus anno 2007 ist in Stuttgart auch eine Ära zu Ende gegangen: Die letzten Züge der Meterspur verschwanden aus dem Stadtbild und verkehren nur noch auf der Museumsstrecke. Sie haben Triebwagen der gängigen Spurweite von 143,5 Zentimetern Platz gemacht.

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