Die Fellbacher mögen ihre Stadt. 92 Prozent fühlen sich sehr wohl, das hat eine aktuelle Bürgerbefragung ergeben. Der ausgezeichnete Wert ist für Oberbürgermeister Christoph Palm kein Grund sich auszuruhen, sondern Ansporn. Weil sich die Bürger auch in Zukunft so wohl fühlen sollen, hat die Verwaltung das Projekt "Stadtentwicklung für Fellbach bis zum Jahr 2025" ins Leben gerufen. Mit der Bürgerbefragung ist der Startschuss für Staffel 25, wie der Namenswurm sportlich abgekürzt wird, gefallen. Am Freitag trugen sich erste interessierte Bürger in Listen für Ideenwerkstätten ein, in denen sie mit Fachleuten ein Zukunftskonzept für Fellbach erarbeiten wollen.
An 2500 Bürger mit Hauptwohnsitz in Fellbach war ein 14-seitiger Fragebogen verschickt worden, 1212 Fragebögen kamen ausgefüllt zurück. Die Rücklaufquote sei mit 48 Prozent hoch, sagte Philip Klein vom Institut für Stadtplanung und Sozialforschung. "Damit ist es eine aussagekräftige, repräsentative Bürgerbefragung." Bei der Auftaktveranstaltung für Staffel 25 in der Schmidener Festhalle stellten die Experten, die den Prozess leiten und begleiten werden, nun erste Erkenntnisse und die weitere Vorgehensweise vor.
Wie die Fellbacher ihre Stadt sehen und wie sie sich die Stadt wünschen, wurde gefragt. Wo sie einkaufen, wie sie im Alter leben wollen, welche kulturellen Einrichtungen sie nutzen, welche Noten sie der Verwaltung geben oder welche Aktionen des Stadtmarketings sie kennen? Dass fast alle Bürger sehr gern in Fellbach leben, hat Philip Klein erstaunt. "Der Durchschnittswert anderer Kommunen liegt bei 60 Prozent."
Obwohl die Umfrage noch nicht bis ins Detail ausgewertet ist, finden sich bereits auf den ersten Blick interessante Hinweise auf Unterschiede in den Altersgruppen und Stadtteilen. So sind die Fellbacher mit Wohnsituation und Umfeld etwas weniger zufrieden als die Oeffinger. Zugleich könnten sich mehr als 40 Prozent aller Fellbacher vorstellen, in einem gemischten Wohnumfeld mit Ladengeschäften und Gaststätten zu leben. "Offensichtlich entspricht das Eigenheim in einer reinen Wohngegend nicht mehr dem realen Wunsch der Menschen", sagte Philip Klein. Ein Ergebnis der Umfrage ist, dass die Fellbacher das Zusammenleben der Nationen in der Stadt als gut beurteilen. Allerdings schätzen die 16- bis 25-Jährigen das Konfliktpotenzial zwischen Deutschen und Menschen anderer Nationalität in Fellbach höher ein als die Altersgruppe der 45-bis 65-Jährigen.
Einig ist sich die Mehrzahl der Befragten, wenn es um die Zukunft geht. Die meisten wünschen sich einen Imagewandel von der Stadt der Weine und Genüsse hin zu den Werten kinder- und familienfreundliche Stadt, grüne Stadt, Einkaufsstadt und bürgerfreundliche Stadt. Die Verkehrssituation trägt wesentlich bei, ob sich Menschen in einer Stadt wohlfühlen. Eine der Ideenwerkstätten wird sich deshalb mit dem Thema "Mobilität und Verkehr im Stadtentwicklungsprozess" beschäftigen und einen Verkehrsentwicklungsplan, kurz VEP, erstellen. Der Verkehrsexperte Hartmut Topp von der Technischen Universität Kaiserslautern wird diese Gruppe leiten. Weitere Ideenwerkstätten befassen sich mit "Klima, Energie und Umwelt", "Gesundheit, Sicherheit und Zusammenleben", "Bildung und Stadtkultur", "Einkaufen, Arbeit und Wirtschaft" sowie "Stadtstruktur, Bauen und Wohnen". Sie werden von Mitarbeitern des Instituts für Stadtplanung und Sozialforschung geleitet. Der Stadtplaner Detlef Kurth wird den auf rund ein Jahr angelegten Prozess wissenschaftlich begleiten. "Fellbach ist groß genug, um professionell zu arbeiten, aber auch klein genug, dass man sich persönlich kennt und eine Gemeinschaft bildet, das macht stark", sagte der Professor an der Hochschule für Technik Stuttgart.