STUTTGART. Wie soll an die Verbrechen der Nationalsozialisten in Stuttgart erinnert werden, wenn der ehemalige Sitz der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in der Dorotheenstraße beseitigt ist? Nachdem dieses Thema seit Monaten die Gemüter erhitzt hat, haben sich OB Wolfgang Schuster und die Gemeinderatsfraktionen am Donnerstag auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt. Zunächst werde er an die Landesregierung schreiben und feststellen, was man dort von dem Ansinnen der SPD hält, sagte Schuster nach der nichtöffentlichen Beratung. Die SPD hatte im Landtag und im Rathaus beantragt, dass in dem Neubaukomplex Da Vinci 2000 Quadratmeter für ein NS-Dokumentationszentrum reserviert werden, das über dem ehemaligen Gestapo-Folterkeller errichtet wird.
Vermutlich werde sich das Land für diese Idee nicht erwärmen können, glaubt Schuster. Er schlug im Ältestenrat der Stadt ergänzend vor, noch vor den Sommerferien eine größere Anhörung von Experten vorzusehen, wie es auch die Grünen und die CDU angeregt hatten. "Dabei soll geklärt werden, welcher authentische bauliche Bestand aus der NS-Zeit übrig blieb", sagte Schuster. Noch wichtiger sei ihm aber die Klärung der Frage, was man mit einer Gedenkstätte in der Dorotheenstraße erreichen wolle und welche vergleichbaren Einrichtungen es bereits gebe. Erst danach könnten in einem Wettbewerbsverfahren für die Gedenkstätte Ideen und Konzepte gesucht werden. Am Jahresende solle dieser Wettbewerb entschieden sein.
Während die Initiative Gedenkort Hotel Silber sowie SÖS und Linke im Gemeinderat nach wie vor nicht nur den Keller bewahren wollen, ist nach Schusters Auffassung die Entscheidung schon gefallen, "dass das Gebäude nicht erhalten wird". Er halte nichts davon, mit Maximalforderungen das Da-Vinci-Projekt zu verhindern. Dann würde das ehemalige Hotel Silber vom Innenministerium weitergenutzt werden. Mehr als eine Gedenktafel informiere dort heute aber nicht über die früheren Verbrechen.
Eine Dokumentations- und Forschungsstelle, die die NS-Verbrechen in ganz Baden-Württemberg aufarbeitet, müsse nicht in der Dorotheenstraße angesiedelt werden, sagte Schuster. Erforderlich sei dort aber eine Gedenkstätte, die den Opfern gerecht werde und vor allem junge Besucher anziehe. Sowohl im Erdgeschoss wie auch im alten Keller des Hotels Silber müsse es Platz für Schulklassen geben. Natürlich werde auch im geplanten Stadtmuseum die Zeit des Dritten Reichs behandelt werden.