Sportwagenbauer Porsche kürzt die Arbeitszeit – bei vollem Lohn

Anne Guhlich, 13.12.2012 17:28 Uhr
Porsche hat die Hausaufgaben aus der Tarifrunde mit Fleißsternchen erfüllt: Viele der neuen Regeln etwa für Leiharbeitnehmer und Teilzeitbeschäftigten sind bisher im Land einzigartig.

Stuttgart - Für einen Teil der Beschäftigten des Autobauers Porsche gibt es die ersten Weihnachtsgeschenke dieses Jahr einige Tage früher: Die 3300 Mitarbeiter in der Produktion am Stammwerk Zuffenhausen arbeiten künftig 34 statt 35 Stunden in der Woche – erhalten aber den gleichen Lohn. Ausgeglichen werde die Verkürzung der Arbeitszeit durch eine effizientere Produktion. „Produktivitätssteigerung heißt aber nicht, dass wir das Band schneller laufen lassen oder dass die Arbeit, die früher von zwei Mitarbeitern gemacht wurde, jetzt nur noch von einem erledigt werden soll“, sagte Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück.

Im Gegenzug darf Porsche bei den Mitarbeitern im Entwicklungszentrum in Weissach die Arbeitszeiten weiter ausdehnen, als es der Tarifvertrag zulässt. Dieser sieht vor, dass nur 18 Prozent der Beschäftigen 40 Stunden in der Woche arbeiten dürfen. „Viele unserer Projekte ließen sich auf Basis einer 35-Stunden-Woche nicht realisieren“, sagte Porsche-Personalvorstand Thomas Edig. Künftig können in der Entwicklung 90 Prozent der Beschäftigten 40 Stunden arbeiten. Um im Kampf um die besten Fachkräfte wettbewerbsfähig zu bleiben, will Porsche außerdem, dass die Beschäftigten Familie und Job besser vereinbaren können. Dazu gehört die Möglichkeit, für eine befristete Periode in Teilzeit zu arbeiten. Nach Ablauf der Frist haben die Mitarbeiter einen Rechtsanspruch, wieder auf ihre bisherige Stundenzahl aufzustocken.

Den Leiharbeitnehmern zahlt Porsche künftig zu 100 Prozent den gleichen Lohn wie der Stammbelegschaft. „Hier geht Porsche einen gewaltigen Schritt nach vorn“, sagt Jörg Hofmann, IG-Metall-Bezirksleiter in Baden-Württemberg. Außerdem ist der Einsatz von Leiharbeitern zeitlich und quantitativ begrenzt.

 
 
Kommentare (3)
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Albert Seitzer Ist schon länger als 1 Jahr her
In der Tat ist Sachsen dabei Baden-Württemberg zu überholen. Der Überholvorgang ist aber nicht erst seit der Machtübernahme der Grünen eingeleitet worden, sondern durch die Bundesregierungen initiiert und durch die Schnarchzapfenpolitik der Landesregierungen gefördert worden. Eine korrupte Subventionspolitik hat Innovationen verscherbelt und teilweise verhindert. Heute gehört Porsche zu Niedersachsen. Der Ausverkauf Baden-Württembergs ist im Gange. Jede Partei, die das mit macht betrachte ich als Landesverräter.
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Albert Seitzer Ist schon länger als 1 Jahr her
Das sind keine Geschenke, sondern ganz vernünftige Maßnahmen. Längst hat man bemerkt, dass ungerechte oder gar prekäre Arbeitsbedingungen die Qualität der Produkte laufend verschlechtert. Druck und Mobbing erzeugen krankmachenden unproduktiven Dysstress. Gute Arbeitskräfte springen dann ab, diese müssen sich so was nicht gefallen lassen. Umgekehrt bewerben sich die Besten, wenn das Betriebsklima und die Arbeitsbedingungen hervorragend sind.
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Porschefahrer Ist schon länger als 1 Jahr her
Der böse, böse Automobilbauer behandelt die Belegschaft gut. Tja, lange wirds nicht mehr gehen, denn nach Fritz Kuhn soll ja auch der Porschefahrer lieber Bahn fahren. Aber das hat sich eh bald erledigt, durch das grüne, autofeindliche Klima wird es keine neuen Investitionen in BaWü geben. Man zieht die neuen Linien lieber in Sachsen hoch, da wird man besser behandelt und die Kunden nicht von den Machthabern beleidigt.
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