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Sporttrainer gesteht Missbrauch an Schülerin

"Fellbach und Rems-Murr-Kreis", vom 05.11.2010 02:40 Uhr
Stuttgart Ein 55-jähriger Mann aus Weinstadt ist gestern zu einer fast dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Von Kathrin Wesely

Nach sieben Verhandlungstagen, fast am Ende der Beweisaufnahme hat der angeklagte Taekwondo-Trainer gestern gestanden: Ja, er habe sich von September 2009 bis März 2010 elfmal an einer Schülerin vergangen, ließ der 55-Jährige durch seinen Anwalt verlautbaren. Das Gericht verurteilte ihn wegen des Missbrauchs Schutzbefohlener zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft.

Es hielt die Aussage des heute 15-jährigen Mädchens für glaubhaft. "Sie war sachlich und hat nichts aufgebauscht", sagte der Richter Joachim Holzhauen. Dass sie aus Scham nicht alle Details der Übergriffe berichtet und sich erst an Gleichaltrige statt an die Eltern gewandt hatte, sei für ein Mädchen ihres Alters nicht ungewöhnlich. Dass sie die Übergriffe so lange hinnahm, sei nachvollziehbar: "In der Schule wurde sie gemobbt. Im Verein hatte sie ihren sozialen Ankerpunkt gefunden. Sie wollte da weiter hingehen", sagte Holzhauen.

Hätte der Angeklagte früher gestanden, hätte er dem Mädchen den Auftritt vor Gericht ersparen können. Doch bis gestern hatte er jede Gelegenheit genutzt, sich als Opfer einer Intrige und die 14-Jährige als mannstolle Lügnerin darzustellen. Seinen Sinneswandel haben offenbar neue, von der Anklagebehörde benannte Zeugen bewirkt, die gestern aussagen sollten. Dazu kam es aber nicht. Denn die Verfahrensbeteiligten einigten sich darauf, dass der Prozess abgekürzt und das Strafmaß gedeckelt wird, wenn der Angeklagte ein Teilgeständnis ablegt - was er dann auch tat.

Die Zeugen, ein inzwischen getrenntes Ehepaar, die nicht gehört wurden, hätten von einer weiteren Vergewaltigung vor neuneinhalb Jahren berichtet. Der Mann ist selbst Taekwondo-Trainer und erzählt, er sei mit dem Angeklagten befreundet gewesen und habe diesen eines Tages gebeten, auf seine junge Frau zu achten, da er länger ins Ausland musste. Der Freund habe die Situation ausgenutzt und die damals 20-jährige Ehefrau vergewaltigt. Seine Frau habe ihm das erzählt aber damals habe er ihr nicht geglaubt. Die Frau sei in der Folge verstört gewesen, die Ehe zerbrochen. Als er kürzlich durch Bekannte davon hörte, dass eben dieser Freund wegen Vergewaltigung vor Gericht stehe, sei ihm ein Licht aufgegangen, sagt der Mann. Die Vereinsfreunde des Angeklagten, die auch gestern wieder der Verhandlung beiwohnten, beschimpften den Zeugen anschließend lauthals auf Griechisch.

Verurteilt wurde der Angeklagte letztlich nur wegen elf Übergriffen, nicht wegen der ursprünglich angeklagten 24. Denn nicht alle Situationen ließen sich noch zeitlich und räumlich zuverlässig eingrenzen. Aus denselben Gründen fanden auch die weiter zurückliegenden Anklagepunkte keine Berücksichtigung im Urteil, obwohl auch hier das Opfer dem Gericht anschaulich und glaubhaft berichtet hatte. Dem Trainer war nämlich zur Last gelegt worden, bereits 1998 eine Schülerin missbraucht zu haben. Doch nach so langer Zeit war es der jungen Frau nicht mehr möglich, die genauen Tatzeitpunkte und -orte zu nennen. Der Staatsanwalt betonte aber, dass die Aussage der Frau die Glaubwürdigkeit des anderen Opfers gestärkt habe, zumal die Übergriffe nach ähnlichen Mustern abgelaufen seien. Taekwondo, so Richter Holzhauen, sei ein Sport, der von den Schülern ein außerordentliches Maß an Disziplin und gegenseitigem Respekt fordere. "Als Trainer haben Sie selbst Respekt und Disziplin vermissen lassen."

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