Bernd Carstensen, der stellvertretende Vorsitzende des Bundes der Kriminalbeamten, hat eine eindeutige Meinung: "Großkalibrige Kurzwaffen sollten für den privaten Besitz und die private Nutzung verboten werden." Sein Vortrag beim Remstalforum der Waiblinger SPD-Politiker Hermann Scheer und Katrin Altpeter am Mittwochabend in Grunbach sollte die Veränderungen des Waffenrechts als Folge des Amoklaufs von Winnenden aufzeigen. Doch Carstensens Warnungen - etwa, dass sich die Gefahr solcher Vorfälle durch den möglichen Zugriff von Jugendlichen auf Faustfeuerwaffen potenziere - fanden bei einem Teil des Publikums kein Gehör. "Ich will meine Waffen zuhause behalten, weil sie mein Eigentum sind", erklärte ein Besucher, der sich als Sportschütze zu erkennen gab.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer hatte in einem Redebeitrag beklagt, dass sich die Sportschützenverbände "unter ihrem Niveau" verhielten, wenn sie jede Forderung zur Änderung des Waffenrechts strikt zurückwiesen. Scheer selbst fühlt sich durch sein Eintreten in dieser Sache im Visier einer Kampagne, die vor allem über das Internet geführt werde. Als "unglaublich verlogen" bezeichnete er das Verhalten anderer Abgeordneter, die den Angehörigen der Amoklaufopfer gegenüber Betroffenheit zeigten, im Bundestag jedoch jede weitergehende Änderung des Waffenrecht blockierten. Die Waiblinger SPD-Landtagsabgeordnete Katrin Altpeter griff explizit die mitregierende FDP an. Im Landtagsausschuss sei eine grundlegende Reform des Waffenrechts "mit der FDP nicht zu machen gewesen".
Bernd Carstensen hob in seinem Vortrag die Gefährlichkeit von großkalibrigen Waffen hervor. Beim Winnender Amoklauf hätten Neun-Millimeter-Geschosse massive Türen durchschlagen. Androhungen zu Amokläufen seien mittlerweile an der Tagesordnung, sagte Carstensen. Doch die Gefahr lasse sich deutlich herabsetzen, wenn Jugendliche keinen Zugriff zu Waffen und Munition hätten. Es sei nicht zu erwarten, dass jugendliche Amokläufer sich wie andere Gewalttäter auf illegalem Weg Waffen beschaffen könnten, sagte er und plädierte dafür, Aufbewahrungsorte von Waffen und Munition zu trennen und in die Waffen Schutzmechanismen einbauen zu lassen, die nur von den jeweiligen Waffenbesitzern zu entsichern seien.
Einige Besucher des Remstalforums pflichteten Carstensen bei, andere kritisierten seine Vorschläge. Eine Sicherung der Waffen sei leicht zu umgehen und verursache hohe Kosten, monierte ein Jäger. Sehr emotional argumentierte ein körperbehinderter Besucher, der darauf abhob, dass der Schützenverein ihm und seiner Familie eine echte Heimat biete. Andere Sportschützen sprachen den Attraktivitätsfaktor der Waffen an. Man könne nun einmal keinen Jugendlichen mit einem Luftgewehr zur Mitgliedschaft locken, lautete ein Argument. Zudem seien die Großkaliberschützen oft diejenigen, "die die Vereine zusammen halten".
Warum es denn unbedingt das Schießen mit großkalibrigen Waffen sein müsse, wollte ein Waffenkritiker wissen. "Warum fahren sie lieber mit einem Porsche als mit dem Fiat?", lautete die schlichte Gegenfrage eines Sportschützen.