Spektakulärer Prozess in Stuttgart Attacke auf Schultoilette: Täter zeigt keine Reue

Von George Stavrakis 

„Unheimlicher Fall“: Ein 27-Jähriger muss wegen eines Überfalls auf eine Schülerin hinter Gitter. Foto: dpa
„Unheimlicher Fall“: Ein 27-Jähriger muss wegen eines Überfalls auf eine Schülerin hinter Gitter.Foto: dpa

Das Landgericht Stuttgart hat den Mann, der eine 15-Jährige auf der Toilette eines Nürtinger Gymnasiums entführen wollte, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Was wollte der 27-Jährige mit dem Mädchen tun?

Stuttgart/Nürtingen - Der Mann, der am 5. Mai 2015 ein 15 Jahre altes Mädchen auf der Toilette eines Nürtinger Gymnasiums gefesselt hat, um es zu entführen, ist vom Landgericht Stuttgart am Montag zu vier Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Zudem muss der Mann der Schülerin 6000 Euro Schmerzensgeld bezahlen. Die Urteilsbegründung Cornelie Eßlinger-Grafs, Vorsitzende Richterin der 4. Strafkammer, schien den 27-Jährigen dabei nicht sonderlich zu interessieren.

Die erfahrene Richterin richtete ihr Wort immer wieder direkt an den Angeklagten. Doch der würdigte sie und ihre Kollegen keines Blickes – bis zum Schluss. „Ich weiß, wir sind Ihnen lästig“, so die Vorsitzende.

Die Richter sehen keinen Menschenraub

Anders als von der Staatsanwältin beantragt entschied die Kammer auf Freiheitsberaubung. Die Kriterien für den härter zu bestrafenden Menschenraub seien nicht erfüllt, so die Richterin. Bei Menschenraub muss das Opfer in hilfloser Lage ausgesetzt, also seinem Schicksal überlassen werden. Das sei bei der „unheimlichen und bizarren Tat“, wie es der psychiatrische Gutachter formuliert hatte, nicht Fall gewesen.

Der 27-jährige gebürtige Heidelberger, bis zu der Attacke auf das Mädchen lediglich wegen kleinerer Delikte aufgefallen, hatte sich am Mittag des 5. Mai 2015 auf der Schultoilette versteckt, um dort ein Mädchen gefangenzunehmen. Gegen 12.30 Uhr war die 15-Jährige aus der Englischstunde auf die Toilette gegangen und von dem schwarz gekleideten Mann sofort mit Klebeband geknebelt worden. Anschließend umwickelte er das Opfer mit dem Band. Wie ein Paket habe er das Opfer verschnürt, so die Richterin. Dann zwang er die 15-Jährige in eine Reisetasche, um sie abzutransportieren – am helllichten Tag mitten in der Stadt.

Das Opfer ist schwer traumatisiert

Das Mädchen passte nicht in die Tasche und war zu schwer – der Angeklagte gab auf und flüchtete, stellte sich aber noch am selben Abend der Stuttgarter Polizei. Die Schülerin ist bis heute traumatisiert. „Wahrscheinlich kann sie noch gar nicht umreißen, was alles mit ihr hätte passieren können“, sagt die Richterin.

Was der Mann mit dem Mädchen vorhatte, ist unklar. Über seinen Plan, über sein Motiv hat er eisern geschwiegen. Ob die Pornobilder, zum Teil mit wüsten Gewaltdarstellungen, die man auf seinem Computer gefunden hat, einen Hinweis auf seine Fantasien geben, bleibt reine Spekulation. Besonders reuig ist der berufslose, alkoholkranke Angeklagte aus gutbürgerlichen Verhältnissen vor Gericht jedenfalls nicht aufgetreten. „Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen – daran fehlt es bei Ihnen komplett“, so Richterin Eßlinger-Graf.

Das Gericht hat den 27-Jährigen neben der brutalen Tat in dem Nürtinger Gymnasium noch wegen einer Prügelei in seiner Wohngemeinschaft und wegen Widerstands und Körperverletzung gegenüber Polizisten verurteilt.

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