Sparsamer Verkehr ohne Tempolimit Porsche-Chef fordert bessere Verkehrsregelung

Von Klaus Köster 

Porsche-Chef Oliver Blume Foto: dpa
Porsche-Chef Oliver BlumeFoto: dpa

Seit vier Monaten ist Oliver Blume Porsche-Chef. Er setzt auf Elektromobilität - und einen Straßenverkehr ohne durchgängige Tempolimits.

Stuttgart - Porsche-Chef Oliver Blume rät der Landesregierung, zur Vermeidung von Staus eher auf intelligente Ampelschaltungen zu setzen als auf Tempolimits. Gerade in einer Stadt wie Stuttgart mit ihrer beengten Lage könne eine intelligente Steuerung des Verkehrs die Situation verbessern, sagte Blume im Stuttgarter Wirtschaftspresseclub. Es sei heute technisch immer besser möglich, Staus zu messen und vorherzusagen. Auf dieser Basis lasse sich der Verkehr interaktiv steuern. „Ich glaube, dass man da in Stuttgart noch einiges machen kann.“ Bei der Elektromobilität hätten Porsche und Ministerpräsident Winfried Kretschmann dagegen „sehr ähnliche Meinungen“, sagte Blume, der sich im Wahlkampf nicht auf eine Seite festlegen will.

Um die Elektromobilität voranzubringen, seien Schnell-Ladesäulen eine zentrale Voraussetzung. Bisher könnten diese eine elektrische Leistung von 50 Kilowatt abgeben – notwendig seien allerdings 150 Kilowatt. Damit lasse sich beim geplanten Porsche-Elektroauto Mission E, das Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen soll, die Batterie in rund einer Viertelstunde auf 80 Prozent ihrer Kapazität aufladen. Die Möglichkeit, Autos schnell zu laden, sei ein „wesentlicher Erfolgsgarant, damit Elektromobilität nicht nur in Deutschland, sondern weltweit angenommen wird“.

Wenn der Staat eine Million E-Autos will, muss er dafür auch etwas bezahlen

Bei der Finanzierung sieht er auch den Staat in der Pflicht. „Man kann nicht fordern, eine Million Elektrofahrzeuge im Land zu haben, ohne einen Beitrag für die Ladeinfrastruktur zu leisten.“ Das Geld sei in Ladesäulen besser investiert als in einer Kaufprämie. „Die Kaufprämie ist weg, wenn sie ausgezahlt ist. Bei der Lade-Infrastruktur haben wir dagegen einen nachhaltigen Effekt.“

Als weitere Investoren könne er sich auch das Raststätten-Unternehmen Tank & Rast vorstellen, das auf deutschen Autobahnen rund 350 Tankstellen und 390 Raststätten verpachtet hat. „Das schnelle Laden bedeutet, dass die Leute sich rund eine Viertelstunde an der Tankstelle aufhalten. Damit lassen sich sicherlich Geschäftsmodelle verbinden.“

Beim Unternehmen Porsche selbst setzt Blume auf eine langfristige Ausrichtung. „Wir treffen jetzt die Entscheidungen, um in zehn Jahren erfolgreich zu sein.“ So bedeuteten die Investitionen in die Elektromobilität einen erheblichen Aufwand. Deshalb sei in den kommenden Jahren beim Ergebnis nicht mehr mit Riesensprünge zu rechnen.

Als Chef setzt Blume darauf, dass Unternehmen über die Mannschaftsleistung zu führen. „Ich stelle mich in den Dienst der Mannschaft und setze auf die Expertise jedes einzelnen Mitarbeiters“, so Blume, der vor vier Monaten vom Produktions- zum Vorstandschef der Porsche AG aufgestiegen ist. „Ich bin ja nicht über Nacht zum besten Experten für alle Themen geworden, mit denen wir im Unternehmen umgehen.“

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