Sozialverband VdK zur Rente „Menschen werden zu Bittstellern gemacht“

Von Willi Reiners 

Roland Sing, Chef des Sozialverbands VdK. Foto: dpa
Roland Sing, Chef des Sozialverbands VdK. Foto: dpa

Der Chef des Sozialverbands VdK im Land, Roland Sing, fordert eine Anhebung des Rentenniveaus auf 50 Prozent. Dafür sollen Steuermittel fließen.

Stuttgart - VdK-Landeschef Roland Sing will verhindern, dass Bezieher kleiner Renten in die Grundsicherung fallen.

Herr Sing, Union und SPD haben sich nur auf eine kleine Rentenreform verständigt. Die zentrale Frage des künftigen Rentenniveaus wurde nicht beantwortet. Sie als Landeschef des Sozialverbands VdK fordern, das Rentenniveau auf 50 Prozent anzuheben. Was treibt Sie um? Die große Mehrheit Ihrer Mitglieder beziehen ja schon Renten und können daher nicht profitieren.
Wenn sich der VdK heute für eine Rentenreform und für Rentenniveau von 50 Prozent einsetzt, dann tut er das nicht für die Bestandsrentner, sondern für deren Kinder und Enkel. Es geht darum, eine Weichenstellung für die Zukunft zu organisieren. Wir müssen die gesetzliche Rente stärken und armutsfest machen.
Aber es gibt doch bereits ein soziales Netz gegen Altersarmut – die Grundsicherung im Alter. Warum reicht das nicht aus? Und wie soll das höhere Rentenniveau bezahlt werden?
In die Grundsicherung werden relativ viele Menschen fallen, wenn das Rentenniveau weiter sinkt. Damit wird ihnen die Würde genommen, denn sie werden zu Bittstellern beim Staat gemacht. Der Staat wird diese Grundsicherung aus Steuermitteln zahlen müssen. Man kann schon heute ausrechnen, was das in den 2030er Jahren kosten wird. Ich bin sehr dafür, diese Steuermittel jetzt schon einzusetzen, um die Rente zu stabilisieren. Aber das ist nicht das einzige was uns als Sozialverband umtreibt.
Und zwar?
Immer wieder wird schamlos in die Rentenkasse gegriffen. Denken Sie nur an die Finanzierung der deutschen Einheit. Es wäre eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe gewesen, die Menschen zu unterstützen, die schon im Osten Renten bezogen. Aktuell geht es um die Angleichung der Ost-Renten, auf die sich Union und SPD verständigt haben. Es ist richtig, dass das überfällig ist. Aber muss das aus der Rentenkasse finanziert werden, wie Bundesfinanzminister Schäuble fordert? Ich finde, auch dafür sollten Steuermittel fließen, damit alle Bürger dazu einen Beitrag leisten.

Zur Person Roland Sing - Der frühere Chef der AOK Baden-Württemberg ist vor kurzem in seinem Amt als ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg bestätigt worden. Der 75-Jährige ist zugleich geschäftsführender Vorstand des Landesseniorenrats.

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