Skulptur in Bad Cannstatt Wie Asterix unter die Brücke kam

Von Annina Baur 

„Wehrstand“ hat etwas Farbe von der nahe gelegenen Hall of Fame abbekommen. Foto: Baur
„Wehrstand“ hat etwas Farbe von der nahe gelegenen Hall of Fame abbekommen. Foto: Baur

Nicht nur den Historiker Olaf Schulze dürfte die Skulptur bei der Hall of Fame an Asterix erinnern. Tatsächlich handelt es sich aber um die Figur ,Der Wehrstand’, die zur Ausstattung der bei Kriegsende 1945 gesprengten König-Karls-Brücke gehörte.

Bad Cannstatt - Wer einen Spaziergang unter der König-Karl-Brücke macht, stößt nicht nur auf wechselnde Graffiti in den unterschiedlichsten Farben, sondern auch auf eine Skulptur, die sicher nicht nur den Historiker und Vorsitzenden des Vereins Pro Alt-Cannstatt, Olaf Schulze, optisch an einen weltberühmten gallischen Krieger erinnert, nämlich Asterix.

„Tatsächlich handelt es sich aber um die Figur ,Der Wehrstand’, die zur Ausstattung der bei Kriegsende 1945 gesprengten König-Karls-Brücke gehörte“, erklärt Schulze. Wann genau die Skulptur an ihren heutigen Platz kam, wisse er allerdings nicht. „Sie steht schon an der Stelle, seit ich in Bad Cannstatt lebe.“ Eine zweite Figur namens „Der Handel“ stehe auf der Höhe des Eingangs des Mineralbads Berg.

Ursprünglich handelte es sich um ein Figurenquartett

Die beiden Skulpturen sind Teile eines ursprünglich als Quartett geplanten Figurenensembles, das die König-Karl-Brücke verschönern sollte. Diese wurde am 27. September 1893 eingeweiht. Zwei Jahre lang war an der Brücke gebaut worden, die als Meisterwerk der Ingenieurbaukunst gefeiert wurde. In den Kosten von damals insgesamt rund 1,6 Millionen Mark fehlte jedoch das Geld für Schmuck. Um wenigstens für die feierliche Einweihung gerüstet zu sein, beauftragte der Ingenieur Karl von Leibbrand den Stuttgarter Bildhauer Adolf Fremd, vier provisorische Skulpturen anzufertigen. Fremd schuf in einer Woche vier Figuren aus Gips, Holz und Leinwand.

Letztlich wurde die Ausschmückung der König-Karl-Brücke von Privatleuten finanziert. Im Januar 1897 stellte Hermann Werner, Inhaber der Cannstatter Firma Werner & Pfleiderer, 7500 Mark für die Skulptur „Landwirtschaft“ zur Verfügung. Die Figur „Handel“ wurde 1898 durch eine Schenkung des Kaufmanns Heinrich Meyer in Höhe von 9000 Mark finanziert. Im Juni desselben Jahres begann Adolf Fremd mit der Skulptur „Wehrstand“, die einen germanischen Krieger darstellt, nachdem der Kaufmann August Scharrer dem Cannstatter Oberbürgermeister Oskar Nast ebenfalls 9000 Mark zugesagt hatte. Die letzte Figur „Gewerbe“ wurde von den Töchtern Karl von Leibbrands gestiftet.

Redaktion Bad Cannstatt

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