Hat"s euch gefallen?", fragt Andrea Berg bei der VIP-Party weit nach Mitternacht. Die Sängerin hat jedenfalls alles dafür getan. Ihr Open-Air-Konzert am Samstagabend im Fautenhau in Aspach war bombastisch, vom orientalischen Bühnenbild über die zwölfköpfige Band bis zum Seifenblasengeschwader und Rosenblütenregen. Der Topstar der deutschen Musikbranche mit mehr als zehn Millionen verkauften Platten hat mit der glasklaren Stimme das Freigelände und die Fans vom ersten Ton an im Griff gehabt.
Sie nannte sie "Freunde" und sie dankte ihnen immer wieder für den wunderschönen Abend, so als wären die Rollen vertauscht. "Ich bin eine von euch", wollte sie damit wohl sagen. Die 44-Jährige ist keine Diva, sondern eine Fleißige, die mit Sicherheit hart arbeitet, gerade vor einer Premiere. Vor 14 000 Zuhörern (so die Veranstalterangaben) hat die Rheinländerin in ihrer schwäbischen Wahlheimat ihr neues Bühnenprogramm 1001 Nacht vorgestellt.
"Der letzte Jägermeister hat gut getan", eröffnet sie die Show. Sie sei "so was von schweineaufgeregt", sagt die gebürtige Krefelderin, und dass die Fans ihr "Fangnetz" seien. Das kommt an - auf dem Rasen, wo sie Discofox tanzen, und auf den Rängen. Ganz oben sitzt eine gestandene Frau in den 70ern aus Affalterbach und meint: "Ich dät des nie sausa lassa. Des isch toll."
Zum fünften Mal hat Andrea Berg ihre Fans in die Provinz gelockt. Auf das Freizeitgelände der 8000-Seelen-Gemeinde, wo sonst der Fußballverein SG Sonnenhof Großaspach spielt. Wo die Tribünen und die Bühne stehen, soll ein Stadion entstehen für zunächst 6000 Zuschauer, möglich geworden auch dank der Sponsorentätigkeit ihres Mannes, des Spielervermittlers und Sonnenhof-Hoteliers Uli Ferber.
Das Publikum ist für einen Schlagerstar erstaunlich bunt gemischt. Der Großteil ist zwischen 40 und 60, es sind aber auch Jüngere gekommen, die so gut drauf sind wie die Fans von Dieter Thomas Kuhn. Es gibt nicht nur Bier und Rote, sondern auch Kaffee und Vierfruchttorte: Man mag es familiär im Fautenhau. Schon am Eingang weisen Tafeln auf die Abfahrtszeiten der Busse zu den Hotels in der Umgebung hin. Eine gute Organisation ist die halbe Miete.
Der Rest ist Liebe. Zumindest in den Liedern von Andrea Berg, neu zusammengestellt für ihre Version des Märchens von 1001 Nacht. Die moderne Scheherazade erzählt, sie habe "die Schwermut abgesprengt". Sie trägt jetzt ein bunt besticktes Kleid statt Lack und Leder und sagt: "Ich möchte fröhlich sein wie ein Kind". Die Pailletten-Schmetterlinge seien "ein Symbol für Metamorphose". Bevor es aber manchen zu abgehoben wird, ruft sie: "Ich fühl" mich sauwohl." Später verrät sie: "Es wird schon bald ein megageiles neues Album geben." Ein Vorgeschmack ist die neue Single "Ich liebe das Leben". Das Publikum liebt vor allem die großen Hits wie "Du hast mich tausend Mal belogen" und "Die Gefühle haben Schweigepflicht". Da fällt auch die Schlange vor den Dixi-Klos in den Refrain mit ein. "Großartig, wie sie die Masse bewegt," staunt in der Pause der VfB-Präsident Erwin Staudt.
Danach kehrt sie im Haremsoutfit mit roter Korsage und Pluderhose auf die Bühne zurück, auf der sie nun seit 18 Jahren steht. Zum Schluss der neuen Show gibt"s Küsschen und einen Blumenstrauß vom Ehemann und die ganz großen Gesten: "Für mich soll"s rote Rosen regnen", singt die Berg und "Music was my first Love". Die Raketen zünden im Himmel, der Wald steht still und schweiget.