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Uwe-Bogen-Kolumne VfB-Spielerfrau siegt im Jumpsuit für 79 Euro

Von Uwe Bogen 

Die VfB-Spielerfrau Natalie Grahl ist Stuttgarts neue „Shopping-Queen“. Während Männer einkaufen, gehen Frauen shoppen. Was verrät das Kaufverhalten über einen Menschen? Unser Kolumnist Uwe Bogen hat sich die Vox-Sendung angeschaut, was Männer selten tun.

Stuttgart - Grün und Blau trägt die Sau. Die Reime von Guido Maria Kretschmer prägen sich ein. Hoffentlich so fest, dass sie dich im entscheidenden Moment warnen. Wenn sich etwa das Gesicht deiner Liebsten im Modeladen grün und blau verfärbt vor Zorn, weil du nach anderthalbstündigem Den-Hintern-breit-Sitzen vor der Umkleide sagst, der Akku deines Smartphones sei nun leer und du würdest gern ein Bier trinken gehen.

Es kann der Anfang vom Ende einer Liebe sein, wenn Frauen und Männer gemeinsam eine Boutique betreten. Im Grunde hören die Ladys beim Shoppen nur auf einen Mann. Auf einen, der nicht nur Verse aufsagt wie „Grün und Blau trägt die Sau“, sondern auch sonst die Wahrheit hübsch verpackt: „Sorry, aber das Kleid geht gar nicht. Das ist Rollbraten auf drei Etagen.“

Stuttgart hat keinen Rollbraten serviert für die jüngsten Folgen des seit fünf Jahren mit über 1000 Sendungen laufenden Vox-Quotenhits „Shopping Queen“. Für einen Musicalbesuch müssen sich die fünf Kandidatinnen im Alter von 24 bis 60 Jahren stylen, was dem Sender gleich mal die Möglichkeit eröffnet, die Macher von „Mary Poppins“ zur Kasse zu bitten. Stellenweise sieht’s aus, als würden Reality-Soap und Werbefernsehen ineinander übergehen.

Torwarts Hund heißt Gucci

Backstage haben sich die schwäbischen Bewerberinnen um die Queenskrone im Palladium-Theater an den knallig bunten Kostümen erfreut, um im Wettstreit dann selbst bevorzugt Schwarz zu tragen.

Die Siegerin der Stuttgart-Woche trägt einen schwarzen Jumpsuit, eine Art Overall für 79 Euro. Die schönste Schwarze heißt Natalie Grahl. Ihr Ehemann ist Torwart beim VfB und heißt Jens Grahl. Der Mann ist verletzungsbedingt daheim, als das Vox-Filmteam vorbeischaut. Ihr Hund, eine französische Bulldogge, heißt Gucci und bleibt den Kameras fern. Die Hausherrin fordert den Hausherrn auf, mit der Wahrheit rauszurücken. Nein, nicht die Shopping-Queen war’s, die den Vierbeiner nach der Luxusmarke benannt hat, wie man dies einer blonden Spielerfrau zutraut. Gucci, das war die Idee des zuvor für Hoffenheim spielenden Torhüters, wie er lächelnd gesteht.

Für Gucci hätten die fünf Hunderter kaum gereicht, die von Vox jede Kandidatin für Klamotten, Accessoires, Kosmetik und Frisur ausgehändigt bekommt. Mit einem Zeitlimit von drei Stunden werden sie dann mit Kameras zum Einkaufen geschickt.

Die Siegerin besitzt 330 Oberteile

Einkaufen? Aber nein! Nur Männer kaufen ein. Frauen shoppen!

In Grahls Ankleidezimmer, das Kretschmer an eine Boutique erinnert, hängen auf den Kleiderstangen 330 Oberteile, wie die 24-jährige Natalie verrät. Da könnte man was Schönes finden für einen Musicalbesuch und müsste nichts Neues kaufen.

Doch die Sendung heißt „Shopping Queen“. Einen „Shopping King“ sucht niemand. Obwohl die meisten Frauen in ihren Schränken viel zu viel von allem haben, müssen sie immer wieder los, um erst zurückzukehren, wenn die Tüten dick genug sind. Shoppen gibt einen Kick. Shoppen baut Stress ab. Shoppen steigert das Selbstwertgefühl. Shoppen kann Ersatz und Belohnung sein. Shoppen hat Suchtpotenzial. Shoppen ist Therapie. Beim Shoppen zeigt sich, was für ein Mensch du bist.

Komm, Gucci, Gassi!

Die Kandidatin Nadine Banken, die Leiterin des Geschenkladens Schwabenliebe in Sillenbuch, ist wohltuend frech, weil sie zu sich steht und sich nicht unter dicker Schminke versteckt. „Viele werden sagen, ich bin bekloppt“, sagt die 34-Jährige in die Kamera, „aber ich bin gern bekloppt.“ Langweiler gibt’s genug. Die Welt wird bunter, wenn jemand aus der Reihe tanzt. Nadine spielt Luftgitarre, als sie zum Queen-Musical „We Will Rock You“ ausgefranst als Rockröhre auf den Laufsteg springt. Der große Guido aus dem Off ist begeistert.

Und er weiß sofort, welche der Kandidatinnen die Spielerfrau ist. „Sexy, blond, attraktiv, nicht dumm“ – so stuft er die Schönen an der Seite der Fußballprofis ein. Auf Nadine Grahl trifft’s zu, die jedoch das Klischee nicht kommentarlos schluckt. Ihr gefällt es nicht, „auf etwas reduziert zu werden“, und versichert: „Wir Spielerfrauen sind ganz normale Mädels.“ Und dieses „ganz normale Mädel“ mit dem blonden Engelshaar, das einen Gucci kraulenden Torwart daheim hat, sieht am Ende in Schwarz so glamourös aus, dass es zu Recht Shopping-Queen wird. Applaus! Diese Frau sieht aus wie ein Star. Sie ist nicht nur das funkelnde Accessoire eines VfB-Profis.

„Lustig, nie verletzend, immer ehrlich“ – so beschreiben die weiblichen Fans den Präsentator der Vox-Sendung. Wenn Frauen so begeistert von einem Mann schwärmen, ist er für sie entweder wie George Clooney unerreichbar, oder er ist schwul. Kretschmer, der seit 30 Jahren mit einem Maler zusammenlebt, gibt Frauen das Gefühl, dass sich Shoppen am Ende immer lohnt. Nur den eigenen Mann sollten Sie, liebe Leserinnen, zum Nervenschonen daheim lassen. Der kann sich, wenn Sie mal wieder was Schwarzes in Boutiquen suchen, den Hund schnappen und sagen: Komm, Gucci, Gassi!

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