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Serie „Mein 2012“ Mit neun Visa einmal um die Welt

Jens Noll, 12.01.2013 10:00 Uhr

Oberaichen - Im Pamirgebirge in Tadschikistan drohte der Traum von der Weltumrundung zu platzen. Weil sie einem Auto ausweichen musste, kam Heike Olbrich von der Straße ab und stürzte. Die Bilanz: mehrere gebrochene Rippen und ein gebrochenes Brustbein. Doch die 27-Jährige gab nicht auf. Nach ein paar Tagen Erholung und der Einnahme von Schmerzmitteln setzte sie mit Moritz Gödrich die Reise fort.

„Was danach kam, war sehr schön“, erzählt Olbrich, während sie entspannt neben ihrem Freund auf dem heimischen Sofa in Oberaichen sitzt, eine Tasse Kaffee in der Hand. Durch den Unfall haben sie Zeit verloren, fährt Gödrich fort. Und das Visum für Tadschikistan sei abgelaufen. Ein „sehr gut vernetzter“ Mann habe ihnen dennoch eine Ausreisegenehmigung verschafft, ergänzt der 26-Jährige.

In Zentralasien hat das Paar den größten Nervenkitzel und den abenteuerlichsten Teil der Reise auf 26 408 Kilometern um die Welt erlebt. Mitte April waren sie mit ihren beiden für eine Fernreise ausgerüsteten BMW-Maschinen auf den Fildern gestartet. Ihre Route führte sie über die Alpen, an der Adriaküste entlang, durch Griechenland und die Türkei nach Zentralasien und Sibirien. Von der Mongolei ging es mit dem Flugzeug nach Kanada, dann einmal quer durch die USA und von dort wieder zurück in die Heimat.

Schwierigstes Teilstück in Zentralasien

Mitte November sind Gödrich und Olbrich zurückgekehrt. Wer nach dem Höhepunkt der Weltreise fragt, erhält viele Antworten: die Fahrt über die Bosporus-Brücke, der Baikalsee, die Begegnungen mit wilden Tieren in Kanada. Groß war die Erleichterung, als sie eine Unterkunft mit dem schönen Namen „Oase“ – ein Treffpunkt für Globetrotter und Abenteuerlustige in der Mongolei – erreichten. Dort konnten sie sich von den Strapazen des schwierigsten Teilstücks ihrer Tour erholen, wo es galt, Flüsse zu durchqueren oder durchs Gelände zu fahren.

Neun Visa hatte das reisefreudige Paar für die Weltreise benötigt. So manche Einreiseformalitäten lösen bei ihnen heute noch Kopfschütteln aus. „In Turkmenistan mussten wir 24 Dokumente ausfüllen“, erzählt Gödrich. Diskutieren half auch nichts, als die Reisenden vor der Abfahrt der Fähre über das Kaspische Meer von Bord geschickt wurden. „Das Schiff sei zu schwer“, hieß es. Die mit Güterzügen beladene Fähre fuhr ohne das Paar und die Zweiräder ab. Sie setzten einen Tag später über.

Von der Mongolei nach Kanada wählten Olbrich und Gödrich auch für ihre Motorräder den Luftweg. Die mussten für den Luftfrachtversand zerlegt werden. „Nach der Ankunft ist es nicht so, dass ich die Holzkiste aufmache und losfahre“, erklärt Moritz Gödrich. Ein kanadisches Ehepaar, das die Weltreisenden über das Internet kennengelernt hatten, war beim Flottmachen der Krafträder behilflich.

Zelten in der Großstadt

Bereits bei der Vorbereitung der Reise war das Internet eine große Hilfe. „Da gibt es Reiseforen für Motorradfahrer“, sagt Gödrich. Über das Netz stießen beide auch auf eine unschlagbar günstige Übernachtungsmöglichkeit in der US-Großstadt Chicago: Sie zelteten im Garten eines Bikers.

In den USA traf das Paar einige Verwandte – und erlebte auf Long Island Hurrican Sandy mit. Das Unwetter hatte für einen mehrtägigen Stromausfall gesorgt. „Für uns war das gar nicht so schlimm“, sagt Heike Olbrich mit der Erfahrung, einige Wochen zuvor durch arme Landstriche gefahren zu sein.

Die angehende Medizinerin und der Wirtschaftsingenieur haben sich mit der Weltreise einen Traum erfüllt. Nach dem Studium bot sich ihnen der richtige Zeitpunkt für das Vorhaben, für das sie den Gegenwert eines Kleinwagens investiert haben. Ihr nächste Projekt steht schon fest: die Suche nach einer Arbeitsstelle.

 
 
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