|
|
Bild 1 von 8 |
|
Ludwigsburg - Erde zu Erde, Staub zu Staub: Viel bleibt nicht übrig vom Menschen, wenn er 2500 Jahre im Boden liegt. Höchstens ein paar Knochenreste. Das ist auch bei der keltischen Fürstin nicht anders, die derzeit die Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege in ihren Bann schlägt. Eigentlich gibt es sie materiell gar nicht mehr, sieht man von ein paar Skelettresten einmal ab. Das reicht kaum für genetische Analysen.
Trotzdem ist die Frau, die um das Jahr 580 vor Christus unweit vom heutigen Herbertingen an der Donau in eine hölzerne Grabkammer gelegt wurde, eigenartig präsent. Denn um ihren Hals und um ihre Hüfte, um ihre Hand- und Fußgelenke sowie an ihrer Kleidung trug sie edelsten Schmuck. Und der befindet sich auch nach Jahrtausenden noch dort, wo er ursprünglich lag. Die Perlen, Ringe und Spangen markieren quasi ihren Körper – ein Schemen, eingefasst in Bernstein und Gold.
Keltische Fürstin schlummert in Lagerhalle
Normalerweise müssen sich die Wissenschaftler ins freie Gelände begeben, um solche Dinge „in situ“, das heißt in Originallage, zu finden. Doch die keltische Fürstin – am Adelsrang gibt es angesichts der wertvollen Beigaben keinen Zweifel – schlummert derzeit in einer Lagerhalle bei Ludwigsburg.
Dorthin hat man sie vor gut einem Jahr samt Grabkammer auf einem Tieflader verfrachtet – ein 80 Tonnen schwerer Erdblock, der in einer spektakulären und nicht eben billigen Aktion aus dem rechten Donauufer etwa 20 Kilometer westlich von Sigmaringen herausgelöst worden war.
Mit Mikroskop und Arbeitsbühne
Seither arbeitet sich ein sechsköpfiges Team unter Leitung von Dirk Krausse vom Landesamt für Denkmalpflege Schicht für Schicht in die Tiefe. Und zwar unter Bedingungen, wie sie unter freiem Himmel niemals möglich wären. „Schauen Sie, zwischen diesen goldenen Röhrenperlen müssen Sie sich Lederbänder vorstellen“, sagt Nicole Ebinger-Rist und deutet auf den Halsbereich.
Die Chef-Restauratorin liegt auf einer beweglichen Arbeitsbühne etwa 30 Zentimeter über den Schmuckstücken und betrachtet den Schmuck unter einem Mikroskop. Das Gold glänzt auch nach Jahrtausenden, als habe man es eben erst poliert.
Bis Mitte der Woche war der untere Skelettteil noch unter einem armdicken Brett verborgen: eine massive Eichendiele der 4,5 mal 3,6 Meter großen Kammer. Da die letzte Ruhestätte der Keltin in nasser, fast torfiger Umgebung angelegt wurde, ist das Holz außergewöhnlich gut erhalten.