Seniorendienst kann im Burgenlandzentrum Stuttgart-Feuerbach bleiben Die Kompanie des guten Willens bastelt weiter

Von Georg Friedel 

Hermann Lenz, Andre Kooker und  Hans Dieter Beinkofer (v.l.) vom Seniorendienst Stuttgart sind  froh, dass  die  Initiative ihre Räume im Burgenlandzentrum weiterhin   nutzen kann. Foto: Georg Friedel
Hermann Lenz, Andre Kooker und Hans Dieter Beinkofer (v.l.) vom Seniorendienst Stuttgart sind froh, dass die Initiative ihre Räume im Burgenlandzentrum weiterhin nutzen kann.Foto: Georg Friedel

Das Motto im Untergeschoss des Burgenlandzentrums an der St. Pöltener Straße 29 heißt seit über 30 Jahren: Senioren helfen Senioren. Vorübergehend stand das Projekt finanziell auf der Kippe, nun kann die ehrenamtliche Initiative in den Räumen bleiben.

Feuerbach - Andre Kooker sitzt in der Schreinerwerkstatt im Untergeschoss des Burgenlandzentrums auf einem Holzschemel. Er trägt einen weißen Arbeitskittel und Arbeitshandschuhe. Gerade hat er ein kleines Holzregal repariert und frisch lackiert. Nun prüft er kritisch das Ergebnis seiner Arbeit. Der 81-Jährige aus Surinam hat die Ruhe weg. „Die Arbeit hält mich jung“, sagt der Schreiner, der seit etwa zehn Jahren im Auftrag des Seniorendienstes hier einmal pro Woche ehrenamtlich aktiv ist. Die Arbeit scheint ihm nicht auszugehen, wenn man sich in der Holzwerkstatt umsieht.

Helmut Möder repariert im Nebenraum Elektrogeräte. Ein älterer Herr hat ihm gerade eine alte Schreibtischlampe gebracht: „Der Schalter ist kaputt“, sagt der Kunde, der extra aus Botnang ins Burgenlandzentrum an der St.-Pöltener-Straße 29 gekommen ist. Er hänge an der Lampe, denn seine Schwester habe sie ihm im Jahr 1966 zum bestandenen Abitur geschenkt.

Seit 35 Jahren gibt es die Initiative

„Der Seniorendienst Stuttgart wurde 1981 gegründet“, berichtet Sprecher Hermann Lenz. Sein Vater Wilhelm hat das Projekt aus der Taufe gehoben. Er ist eine Initiative des Treffpunkt „50plus“, der Träger ist die Akademie Bad Boll. Das Prinzip war damals schon dasselbe: Senioren helfen Senioren – für eine kleine Aufwandsentschädigung und die Materialkosten. Allerdings hatte die „Kompanie des guten Willens“ – wie sich die Gruppe anfangs nannte – zunächst noch keinen festen Standort: „Zu Beginn sind wir zu den Leuten gefahren. Wir waren viel in Privathaushalten, aber auch in Kindergärten, Altenheimen und sozialen Einrichtungen aktiv“, sagt Lenz. Sogar bei Auslandseinsätzen in Barcelona oder Lugano stellten die Ruheständler ihr handwerkliches Können und Know-how zur Verfügung. „1984 haben wir die Räume im Burgenlandzentrum bezogen.“ Damals wurde eine Vereinbarung zwischen der Stadt und der Akademie Bad Boll getroffen. Die Initiative bekam die Räume an der St.-Pöltener-Straße 29 kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Untergeschoss befindet sich neben einer Polster-, einer Schreiner- und einer Elektro-Werkstatt auch das Büro des Seniorendienstes. Etwa zwölf aktive Mitglieder der Initiative arbeiten ehrenamtlich mit.

Versammlungsraum soll noch besser genutzt werden

Zudem gibt es in diesem Gebäudetrakt des Burgenlandzentrums auch Räume, in denen örtliche Künstler ihre Werke ausstellen und sich Gruppen treffen. Ein Versammlungsraum mit Küche wird regelmäßig von der evangelischen Lutherkirche, aber auch hin und wieder von Vereinen und Privatleuten genutzt. „Wir übernehmen die Verwaltung der Räume und leiten die Miete an die Stadt weiter“, betont Lenz. Das bestätigt Axel Wolf vom Liegenschaftsamt: „Der Seniorendienst generiert insbesondere durch die Untervermietung des so genannten Trinkstübles Erlöse, welche zu hundert Prozent an uns weitergeleitet werden.“ Eigentlich ist das ein bewährtes Modell, das allerdings zwischenzeitlich ins Wanken geriet. Denn im Jahr 2008 ging die Verantwortung für die städtischen Räume vom Sozialamt auf das Liegenschaftsamt über. Am 25. September 2008 kündigte das Sozialamt die bisherige Nutzungsvereinbarung. Daraufhin habe es seitens der Stadt anfangs geheißen, der Seniorendienst könne die Räume zwar weiter nutzen, müsse aber die marktüblichen Mietpreise für die Räume zahlen, berichtet Lenz. Das hätte vermutlich das Aus für die Einrichtung an diesem Ort bedeutet.

Doch inzwischen hat sich die Lage wieder entspannt. „Wir haben Unterstützung von politischer Seite bekommen“, so Lenz. Im vergangenen Jahr hatten sowohl die CDU als auch die Fraktionsgemeinschaft SÖS-Linke-Plus 25 000 Euro zur Abdeckung der Mietkosten beantragt. Das Geld wurde im aktuellen Haushalt bewilligt. Gleichzeitig haben die Verantwortlichen des Seniorendienstes mit der Verwaltung vereinbart, dass sie insbesondere für die Untervermietung des „Trinkstübles“ in Zukunft höhere Mieterlöse erzielen. Gleichzeitig wollen sie nach weiteren Nutzern und Mietern suchen. „Wir wollen die Räumlichkeit besser ausnutzen“, betont Lenz. Mit dem Repair-Café sei man deswegen bereits im Gespräch. Axel Wolf vom Liegenschaftsamt sieht Chancen für eine tragfähige Zukunft: „Das Gesamtkonstrukt werden wir im jetzt laufenden Doppelhaushalt mit dem Träger – also der Akademie Bad Boll – besprechen und auf eine vertragliche Grundlage stellen.“

Unterstützung gesucht

Die Mitglieder im Seniorendienst brauchen noch Verstärkung . Neben den Angeboten im Burgenlandzentrum gibt es auch einen Außendienst, der auf Anfrage kleinere Tätigkeiten bei Senioren Zuhause übernimmt. Auch Computer-Experten sind gefragt. Interessenten können sich unter der Telefonnummer 85 66 018 oder per E-Mail an seniorendienst.stuttgart@gmx.de melden.

Redaktion Feuerbach

Ansprechpartner
Torsten Ströbele und Georg Friedel
feuerbach@stz.zgs.de

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