Selig kommt nach Stuttgart „Wir wollten uns Bärte ankleben“

Von David Skrinjar 

Selig (v. li. n. re.): Lenard Schmidthals, Christian Neander, Malte Neumann, Jan Plewka und Stephan Eggert. Foto: Thomas Rabsch/promo
Selig (v. li. n. re.): Lenard Schmidthals, Christian Neander, Malte Neumann, Jan Plewka und Stephan Eggert. Foto: Thomas Rabsch/promo

Am 1. Februar ist „Magma“ erschienen, das sechste Studioalbum der Hamburger Band Selig. Derzeit ist sie damit auf Tournee und am Montag auch in Stuttgart im LKA zu Gast.

Das wichtigste Album, Scotch unterm Sternenhimmel und alte Songs: Jan Plewka, Sänger der Rockgruppe Selig, im Gespräch.

Herr Plewka, was bedeutet „Magma“ für Sie?
„Magma“ kann man als die Essenz von Selig beschreiben. Das macht uns als Band aus. Für mich ist es etwas Gefährliches, Brodelndes und Heißes. Magma will ausbrechen und wird es irgendwann auch, aber niemand weiß genau, wann. Das Wort steckt voller Geheimnisse und Magie. Es hat etwas Psychedelisches an sich, außerdem kommt es in unserem Lieblingsfilm „Barbarella“ vor. Wenn man Selig und Magma direkt in Verbindung bringen will, ist Selig wohl der Körper und Magma die Seele.

Ist „Magma“ also Ihr wichtigstes Album?
Jedes Album ist das wichtigste, wenn es ­erscheint. Ein Album zu machen ist wie Kinderkriegen. Das neue Baby ist immer das, das man für gewisse Zeit ununterbrochen umsorgt und pflegt, an das man permanent denkt. Trotzdem liebe ich alle meine „Kinder“. Und alle sind mir sehr, sehr wichtig. Wir wollten einfach sichtbar machen, was zwischen uns brodelt, und das ist uns sehr gut gelungen, denke ich.

Stimmt es, dass es sogar Pläne gab, die Band in Magma umzubenennen?
Als wir uns für Magma als Albumnamen entschieden haben, waren wir so berauscht von der Idee, alles umzudrehen. Beide Wörter haben fünf Buchstaben, und auch wir sind zu fünft. Und dann das Albumcover, das „Yin und Yang“ in veränderter Form darstellt. Wir waren total euphorisch und wollten uns Bärte ankleben und als Magma auf die Bühne gehen. Das Management hat uns dann aber wieder beruhigt.

Wie war die Arbeit am Album selbst?
Es war unglaublich spannend, weil wir bei diesem Album alles anders gemacht haben als bei allen anderen davor. Der Name etwa war das Erste, was feststand, und wir haben eineinhalb Jahre an den Liedern geschrieben – die übrigens schon alle fertig waren, bevor wir ins Studio sind. Am Ende hatten wir 42 Lieder, zwölf haben es auf die Platte geschafft. Außerdem haben wir sonst ­immer in Großstädten aufgenommen, weil wir der Meinung waren, wir müssen den Granit spüren. Das waren Städte wie New York, London und Berlin.

Diesmal haben Sie das Album aber in der englischen Provinz eingespielt.
Genau. Und zwar in der Nähe von Nottingham, wo auch Robin Hood einst umherlief. Ein 150-Seelen-Dorf. Dadurch wurde es zur entspanntesten Selig-Produktion überhaupt – mit großem Abstand. Wir ­waren schwimmen, haben nachts die Sterne beobachtet, unglaublich viel gelacht und Musik gehört und abends Scotch getrunken. Es war ein ganz, ganz tolles Erlebnis, das keiner von uns jemals vergessen wird. Das hatte auch mit unserem Produzenten Steve Power zu tun, der schon mit vielen erfolgreichen Musikern wie Blur und Robbie Williams zusammengearbeitet hat.

Von Fans hört man, dass dies nun das „wahre dritte Album“ sei – wie sehen Sie das?
Ich weiß, was sie meinen. Vor unserer Trennung war „Blender“ unser drittes Album, das sich dann nicht gut verkaufte. Einige Fans waren damit vielleicht nicht so einverstanden. Wir waren mit „Blender“, glaube ich, zehn Jahre zu früh dran. Heute experimentieren viel mehr Musiker mit elektronischen Elementen und haben Erfolg damit. Trotzdem liegt mir auch „Blender“ am Herzen. Ich denke, dass „Magma“ einfach ein sehr schönes sechstes Album geworden ist.

Tourauftakt war in Wien statt in Hamburg.
Wir sind sehr Wien-affin und mögen diese Stadt. Gerade in den 1990ern waren wir viel in Wien und haben auf großen Festivals mit Stars wie Björk und Massive Attack ­gespielt. Damals dachten wir: Das ist es, jetzt sind wir Weltstars! Außerdem ist es eine schöne Stadt, und es ist spannend zu ­sehen, wie sie sich entwickelt hat.

Sind Songs wie „Ohne Dich“ noch wichtig?
Natürlich. Wenn wir auf der Bühne stehen und diesen alten Song spielen, ist die Energie aus dem Publikum unglaublich. Viele verbinden einfach sehr viel mit dem Song – darauf werden wir zum Beispiel auch nach Konzerten immer wieder angesprochen. Und das ist doch das Schönste, wenn man Menschen so viel geben kann. Das funktionierte bisher immer – und hoffentlich auch noch in den nächsten Jahren.

Was soll die Zukunft bringen?
Zuerst wollen wir eine schöne Tour spielen, das hat jetzt erst einmal Priorität. Alles Weitere wird sich zeigen. Natürlich wäre es verrückt, wenn man wüsste, was in ­Zukunft geschieht. Aber so ist es spannender. Vor allem wichtig ist der Band und mir der Moment. Wir haben ein tolles Album gemacht und spielen jetzt eine Tour. Das kann nur schön werden.

Selig spielen am 18. 3. um 20 Uhr im LKA in Stuttgart-Wangen, Tickets unter 07 11 / 22 11 05 oder an der Abendkasse.

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