In Christoph Kochs Wohnung, ganz oben in einem Mehrfamilienhaus an der Bockelstraße, sieht es aus wie im Gewächshaus. Überall stehen Pflanzkübel voller Blumen, in einigen Töpfen sprießt zartes Grün, vor der Haustür im Treppenhaus wachsen in Balkonkästen Basilikum und Oregano. "Wir haben alle ein Faible fürs Gärtnern", sagt Koch.
Mit "wir" meint der 56-Jährige die Selbsthilfegruppe mit Namen Amogg, die Koch zusammen mit einigen Mitstreitern vor zwei Jahren gegründet hat und deren Vorsitzender er ist. Amogg steht für Alternative mobilitätsorientierte Geh-Gruppe. Kochs Wohnung ist Anlaufstelle der Gruppe, dort wird alles untergebracht, was mit Amogg zu tun hat - unter anderem eben auch die Pflanzen, die die Mitglieder anschleppen.
"Was uns verbindet, ist die Mobilität", erklärt Koch. Beziehungsweise die Einschränkung derselben, "sei es nun körperlich, geistig oder seelisch." Patienten mit Multipler Sklerose sind Mitglied in der Selbsthilfegruppe, ebenso Krebskranke, aber auch Menschen, die psychische oder wirtschaftliche Probleme haben. Etliche der Mitglieder sitzen im Rollstuhl, andere sind körperlich eingeschränkt wie Koch selbst, der vor einigen Jahren einen Schlaganfall erlitten hat. "Die Idee ist, dass wir gemeinsam Aktivitäten wie Treffen und Spaziergänge veranstalten und uns gegenseitig helfen", erklärt der Vorsitzende.
Im Zuge dieser Aktivitäten ist die Gruppe eben darauf gekommen, dass das Interesse am Hegen und Pflegen von Pflanzen groß ist. "Also haben wir uns überlegt, dass wir gern gemeinsam einen Garten bewirtschaften würden", sagt Koch.
Freilich, die Suche nach einer geeigneten Parzelle ist schwierig. Das Grundstück sollte eben sein, damit die Rollstuhlfahrer der Selbsthilfegruppe, die sich derzeit im Status der Vereinsgründung befindet, sich dort bewegen können. Zum anderen gilt laut Koch: "Das Stückle muss mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein". Denn nur wenige Mitglieder fahren Auto.
In Frage kämen für die Selbsthilfegruppe laut Koch nicht nur private, sondern auch städtische Grundstücke, zum Beispiel solche in der Obhut von Kleingartenvereinen. "Wenn sich da was ergeben würde, wäre das toll", sagt Koch. Zudem sieht der Vorsitzende noch eine weitere Möglichkeit: Die Bewirtschaftung einer öffentlichen Grünfläche. Davon gibt es jede Menge zwischen den Heumadener Häusern, die der Städtischen Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) gehören.
Tatsächlich ist es so, dass Mieter, die in Erdgeschosswohnungen von SWSG-Häusern leben, die Rasenflächen vor den Gebäuden bepflanzen dürfen. Das bestätigt Stephanie Wachtarz. "Die Amogg-Leute sind allerdings keine Mieter. Außerdem verpachten wir grundsätzlich keine Gartengrundstücke", schränkt die SWSG-Sprecherin gleichzeitig ein. Gleichwohl will sich laut Wachtarz eine Mitarbeiterin der Wohnungsbaugesellschaft mit Christoph Koch in Verbindung setzen. "Vielleicht ergibt sich ja eine Lösung aus einem persönlichen Gespräch", sagt die SWSG-Sprecherin. Für den Chef der Selbsthilfegruppe ist das eine gute Option: "Wenn die SWSG unsere Idee unterstützen würde, wäre das die Lösung aller Probleme. "
Wer der Selbsthilfegruppe Amogg beitreten möchte oder ihr ein geeignetes Gartengrundstück anbieten kann, darf sich bei Christoph Koch unter Telefon 91 28 48 59 oder per Mail unter chris-koch54@gmx.de melden.