Seat und VW feiern in Stuttgart-Feuerbach Ein Halleluja auf die Rückwärtsfahrer

Von Daniela Eberhardt 

Schlange Stehen für Streetfood bei Seat Foto:  
Schlange Stehen für Streetfood bei Seat Foto:  

Voll, laut, heiß, chaotisch: VW und Seat haben sich und ihren Gästen zur Eröffnung an der Heilbronner Straße eine richtige Party spendiert. Allerdings mit Startschwierigkeiten.

Stuttgart - Es ist heiß, laut, voll, chaotisch. Sprich: eine richtig gute Party. Aber erst, als sich die ellenlangen Schlangen an den Kochstationen aufgelöst und die Gäste entspannt sind. „Can you feel it?“, war das Motto am Donnerstagabend. Fühlst du es? Die drückende Schwüle war bei der Eröffnung des neuen Autotempels von VW und Seat an der Heilbronner Straße jedenfalls deutlich spürbar, auf der Terrasse ebenso wie in den beiden Showrooms links und rechts. Die Klimaanlage laufe auf vollen Touren, bringe aber nur sechs Grad Kühlung, sagte der VW-Hausherr Michael Perner. Kein Wunder, dass die Mädels mit den Schildern „Free Hug!“ (Freie Umarmung) wenig bis nichts zu tun hatten.

Abstand war angesagt – nur nicht beim Reizthema des Abends, bei dem die Emotionen hochkochten. „Das ist doch Schwachsinn“, schimpfte die Künstlerin Christa Winter angesichts der Idee von Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Teilen des Gemeinderats, die Innenstadt für Autos zu sperren. Ihr Mann, der Fotograf Conny Winter, ätzte: „Ich habe damit kein Problem: Ich fahr nur noch rückwärts. Dann bekomm ich das ganze Gift selber ab.“ Lottofee und Einzelhändler Chris Fleischhauer (Gent’s Box) nannte das Projekt schlicht „bekloppt“ , und der Gastronom und Festwirt Hans-Peter Grandl prophezeite düster: „Wenn das kommt, dann wird der OB abgesetzt.“ Interessantes Detail am Rande: Die besten Plätze in der neuen Hochgarage hinter dem breit gelagerten Gebäuderiegel, und zwar etliche, waren für die Stadt reserviert.

Die politischen Schwergewichte des Abends, beide CDU, wiegelten ab. „Wir werden dafür sorgen, dass wir bald die modernsten Technologien haben – mit diesen Autos dürfen Sie überall fahren“, salbaderte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl. Der Erste Bürgermeister Michael Föll griff gar zur religiösen Metapher: „Noch ist die Messe nicht gelesen. Die dauert bis zum letzten Halleluja.“

Nelson Müller hat Heimatgefühle

Zunächst wurde ganz profan gefeiert. Der Spanier Seat präsentierte sich und den neuen Ibiza urban-lässig mit selbst gezimmerten Paletten-Bars, Tapas, Burgern und Steak aus dem Kugelgrill. VW setzte auf den Arteon (der hieß übrigens mal Passat CC) und auf gediegene Eleganz in Form von weißen Sofas sowie Kunst, unter anderem von Romulo Kuranyi. Außerdem werkelte der Sternekoch und Fernsehstar Nelson Müller in der Showküche, wo Warmhaltelampen am Pass für Sauna-Werte sorgten.

Der Meister im Jeanshemd nahm‘s gelassen, war er doch quasi im Zuhause-Modus. In Plieningen ist Müller aufgewachsen, und auch wenn er sich in Essen (da ist sein Restaurant Schote) sehr wohl fühle, musste er zugeben: „Wenn ich nach Stuttgart rein fahre, dann kommen die Heimatgefühle hoch. Das ist der Ort meiner Kindheit.“ Müller war am Donnerstag das beliebteste Fotomotiv: Vor allem bei der gestandenen Damenwelt steht der 38-Jährige hoch im Kurs: „Ihr Essa war her-vor-ragend!“. Mitgebracht hatte er Gerichte, „die ich selber gern esse“: Kalbsbäckchen mit Risotto („bei Schmorgerichten kann man nichts falsch machen“) oder selbst gemachte Maultaschen mit Trüffelsoße: „Das ist echtes Handwerk, das passt zu einer Stadt wie Stuttgart.“

Geht gut In der Stadt von Porsche und Mercedes wirbt VW frech mit: „Der Platzhirsch kommt“ Geht gar nicht Liebe Hamburger Agentur, wir Schwaben kommen pünktlich – und hungrig.

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