Wenn es brennt, ist Werner Neumann zur Stelle. Das war in den vergangenen sieben Jahren so beim Bottwartal-Marathon, und das ist auch dieses Mal wieder der Fall gewesen. Am Samstag und Sonntag ist der Oberstenfelder gar besonders gefragt gewesen. "Es war sehr hektisch", gibt Werner Neumann einen Tag nach der Abschluss-Veranstaltung in Großbottwar zu und sagt: "Der Marathon hat mich nochmal voll gefordert." Das war sichtbar: In einem Mordstempo eilte der Chef-Organisator stetig von Stelle zu Stelle - vom Start- und Zielbereich ging es im raschen Schritttempo ins Wettkampfbüro, kurz darauf wieder zurück.
Am Ende dürfte ein kleiner Halbmarathon zusammengekommen sein, und doch sagt Neumann: "Ich bin gar nicht allem gerecht geworden." Bescheidenheit schreibt der Initiator des Bottwartal-Marathons jedoch schon immer groß. Lobpreisungen hört er nicht gerne, und doch gab es die am Sonntag. Schließlich war es sein letzter Marathon. Erst hob Nachfolger Gerhard Petermann bei einem Sponsorenempfang in der Kellerei kurz nach dem Marathon-Start die "einmalige Leistung, einen solchen Wettbewerb auf die Beine zu stellen", hervor, dann bedankte sich Moderator Achim Seiter laut per Mikrofon für das Geleistete, und als Krönung lief der Oberstenfelder Spitzensportler Michael Sommer mit einem Plakat "Werner, ich/wir danken dir", ins Ziel. Das war zu viel für Werner Neumann, der sich erstmal halb beschämt umdrehte, kurz danach Sommer aber herzte. "Das war ein toller Abschluss", sagt er einen Tag später.
"Verdammt weh" tut ihm nun die Tatsache, Großbottwar zu verlassen. Denn "wir haben von Jahr zu Jahr alles optimiert und die Schwachstellen ausgebessert." Jetzt, bei seinem letzten Marathon, sei organisatorisch alles perfekt gewesen - auch, wenn es das ein oder andere Problem gab (siehe Text oben). Dass alles seit Jahren so perfekt über die Bühne geht, liegt aber auch hauptsächlich an ihm. In akribischer Kleinarbeit kümmert sich Werner Neumann von Jahr zu Jahr darum, dass alles läuft. Excel-Listen zieren seinen Computer, Ordner voller Planungen liegen daneben. Sein Perfektionismus ist ebenso wie sein Ideenreichtum, mit dem er den Bottwartal-Marathon nach vorne gebracht hat, schon mehrmals von Läufern, Helfern und Sponsoren gelobt worden. "Er lebt den Sport", sagt etwa Spitzenläufer Marco Diehl.
Das wird er auch weiterhin, nur anders. Werner Neumann ist selbst Marathon-Läufer, kann sich nun wieder mehr seinem Hobby widmen, und im kommenden Jahr vielleicht einmal selbst beim Bottwartal-Marathon mitlaufen. In den kommenden Tagen geht es nun aber erstmal an die Nachbearbeitung des Marathons, dann folgt ein Helferfest. Und wenn das vorbei ist, heißt es auch für Neumann, endgültig Abschied zu nehmen. Bei einer Abschlusssitzung mit den Vereins-Vorständen im Januar wird er das Zepter an Gerhard Petermann übergeben. Auch wenn er sich sagt: "Mensch, jetzt in Steinheim hätte ich auch Ideen." Als Sparringspartner möchte er Petermann zur Verfügung stehen, "wenn er dies möchte". So ganz loslassen kann er sein Kind, den Marathon, also wohl doch nicht. Zumindest nicht so einfach. Aber welcher Vater kann das schon?