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Schutz von Eidechsen Kein Ausbau für Flüchtlinge in Hofen

Von Konstantin Schwarz 

So wie hier in Neugereut sollen im Stadtgebiet weitere Systembauten entstehen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
So wie hier in Neugereut sollen im Stadtgebiet weitere Systembauten entstehen.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Ausbau des bestehenden Standorts in Hofen für mehr Flüchtlinge ist gestrichen, der geplante Neubau für fast 400 in Zuffenhausen auf der Schlotwiese vorerst gestoppt. Die Stadt sucht Alternativen.

Stuttgart - Die Eidechsen auf den Grünflächen und in den Gärten an der Wagrainstraße in Mühlhausen können sich bald wieder ungestört in der Sonne räkeln. Sie müssen nicht mehr fürchten, dass ihr Lebensraum von zwei weiteren Flüchtlingsunterkünften bedrängt wird. Auch für den stark umstrittenen neuen Standort auf der Schlotwiese in Zuffenhausen (fünf Systembauten mit 396 Plätzen) will die Stadtverwaltung bestimmte Alternativen untersuchen. Aus Bürgerschaft und Gemeinderat waren viele Hinweise eingegangen. Die meisten helfen aber nicht weiter, weil die Grundstücke entweder zu klein, nicht überbaubar oder in Privatbesitz und von der Stadt nicht zu pachten sind.

Der Standort in Mühlhausen (Stadtteil Hofen) mit bisher drei Unterkünften (243 Plätze) wird nicht auf 396 Plätze erweitert, weil der Artenschutz eine komplette Erfassung der Eidechsenpopulation nötig machen würde. Es müsste geprüft werden, ob den Tieren trotz Neubauten noch genügend ­Lebensraum bleibt. Das dauere zu lange, denn bis zum Jahresende müssen die neuen Unterkünfte bezugsfertig sein, dann sollen stadtweit rund 12 000 Plätze für Flüchtlinge zur Verfügung stehen. „Weil wir auch die Turnhallen wieder leeren wollen, fehlen uns noch 2200 Plätze“, sagte Föll. Trotz des Drucks verfolge man die geplante Erweiterung am Standort in Mühlhausen nicht weiter. „Wir ziehen den Vorschlag zurück“, sagte Föll. Er stellte als Alternative in Freiberg ein 4800 Quadratmeter großes städtisches Gelände an der Ecke Stamitzweg/Mönchfeldstraße vor. Dort fänden zwei oder drei der Systembauten Platz. Ein Teil der Fläche ist allerdings als Gärten verpachtet.

Standort Schlotwiese nicht vom Tisch

Deutlich schwieriger scheint es, für die fünf geplanten Flüchtlingsbauten am ganz neuen Standort Schlotwiese in Zuffenhausen eine Ersatzfläche finden zu können. „Der Standort auf der Schlotwiese ist nicht vom Tisch, aber wir stellen die Entscheidung sechs Wochen zurück“, sagte Föll. In dieser Zeit sollen wenige mögliche andere Standorte detailliert untersucht werden. Konkret geht es um eine private Fläche an der Ecke Frankenstraße/Ludwigsburger Straße in Zuffenhausen, die zwei Systembauten aufnehmen könnte. Auch untersucht werden könnte eine Fläche von Porsche an der Neckarsulmer Straße (maximal zwei Systembauten). Damit könnten auf der Schlotwiese vielleicht nur zwei oder drei Bauten entstehen. Neue Bauformen, die Jürgen Zeeb (Freie Wähler) statt der Standard-Fertighäuser anregte, will Föll nicht prüfen lassen.

Alle Fraktionen lobten den neuen Suchlauf. SÖS/Linke-plus forderten, auch Kleinststandorte für nur ein Haus in Betracht zu ziehen. Das sei unwirtschaftlich und für die Betreuung, die dann nur wenige Stunden am Tag da wäre, schwierig, so Föll. Der AfD-Stadtrat Eberhard Brett hält die Bauten generell für zu teuer. Er sprach von „Luxusvillen“. „Sie versuchen für die Wahl noch Stimmen zu holen, lassen Sie derartige Ausführungen lieber, wir bauen keinen Luxus“, konterte der CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Bei anderen Fraktionen führten Bretts Ausführungen zu Kopfschütteln.

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