Schulen in Baden-Württemberg Viele Baustellen auf dem Weg zu mehr Bildungsqualität

Von Nils Mayer 

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) auf der Bildungsmesse Didacta in Leinfelden-Echterdingen. Foto: dpa
Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) auf der Bildungsmesse Didacta in Leinfelden-Echterdingen. Foto: dpa

Wie kommt Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich bei der Bildung wieder an die Spitze? Kultusministerin, beratende Gremien und Interessenvertreter sind sich einig: sicher nicht durch bildungspolitische Schnellschüsse.

Stuttgart - Wenn ein Ergebnis schlecht ist, bedarf es einer schonungslosen Analyse, um die Ursachen dafür zu finden und Lösungen für Verbesserungen zu entwickeln. Weil Analysen – je nach Blickwinkel – unterschiedlich ausfallen können, lud Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) alle wesentlichen Akteure aus der Bildungslandschaft ins Haus der Wirtschaft nach Stuttgart ein, um über den Absturz Baden-Württembergs beim IQB-Bildungstrend zu sprechen. „Dass wir ein Qualitätsproblem haben, kann man nicht mehr bestreiten“, sagte Eisenmann. Gemeinsam mit Landesschul-, Landeseltern- und Landesschülerbeirat, Lehrer- und Schulverbänden und Schulpraktikern wolle sie Veränderungen vornehmen, die in die Zukunft führen. Dann komme Baden-Württemberg auch wieder dorthin, wo es hingehöre: „Und das ist oben, nicht unten!“

Doch das wird alles andere als einfach. Wie die Vorträge aller Beteiligten zeigten, sind die Probleme vielschichtig. Die größten Bildungsbaustellen im Überblick:

Lehrerfortbildung: Derzeit gibt es zig Einrichtungen, die Fortbildungen für Lehrer anbieten. Aber wer fördert und kontrolliert, dass Lehrer sich fortbilden? Gibt es für alle Bereiche genügend Angebote? Und sind deren Inhalte didaktisch sinnvoll und zielführend, um den Unterricht zu verbessern? Weil es bei diesen Fragestellungen mehr Fragezeichen als Antworten gibt, kündigte Kultusministerin Eisenmann an, das Thema Weiterqualifizierung „ganz grundsätzlich“ angehen zu wollen. So sollen sowohl die Strukturen als auch die Angebote überprüft und ein umfassendes Konzept werden.

Ressourcensteuerung: Wenn es um die Unterrichtsversorgung oder eine bessere individuelle Förderung der Schüler geht, fordern Gewerkschaften und Eltern gerne mehr Lehrerstellen. Die Schüler-Lehrer-Relation ist im Südwesten allerdings so gut wie sonst in kaum einem anderen Bundesland. Es stelle sich deshalb erst einmal die Frage, ob die Lehrer richtig eingesetzt seien, sagte Eisenmann. Um das zu klären, hatte die Kultusministerin gemeinsam mit Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) den Landesrechnungshof gebeten, den Ressourceneinsatz auf seine Effizienz hin zu überprüfen. Das Ergebnis soll bis zum Jahresende feststehen. Eines betonte Eisenmann aber auch: „Dort, wo Ressourcen erforderlich sind für neue Aufgaben, werde ich kämpfen, dass wir sie auch bekommen.“

Qualitätsentwicklung: Was bringen Gespräche mit Lehrern, Schülern und Eltern an einer Schule, wenn die daraus folgende Bewertung am Ende völlig widersprüchlich zu dem Ergebnis der Schule in Leistungsvergleichen ist? Nichts, meinte die Vorsitzende des Landesschulbeirats, Ingeborge Schöffel-Tschinke. Sie kritisierte, dass es trotz lange laufender Evaluationen an Schulen „keine Hinweise“ auf den Qualitätsverlust gegeben habe. Sie mahnte deshalb die Evaluationsverfahren an: „Die Qualitätsuntersuchungen müssen auch in den Unterricht hineinreichen.“ Hier seien auch die Schulleiter gefordert. Kultusministerin Eisenmann sagte, bei Eigen- und Fremdevaluationen gebe es „noch viel Luft nach oben“. Ziel seien schließlich „Handreichungen im positiven Sinne“, um Schulleitern und Lehrern zu helfen. Unabhängig von der Frage über den Sinn von Evaluationen erarbeitet das Kultusressort derzeit ein Konzept für datenbasierte, begleitende Qualitätsentwicklung an Schulen. Anhand von Leistungsdaten einer Schule wie Abschlussquoten, -noten und Ergebnissen bei Vergleichsarbeiten sowie dem sozioökonomischen Umfeld des Standorts soll die Schulaufsicht damit künftig auf Problemstellungen an einer Schule konkreter eingehen und beraten können.

Bei allen Vorhaben lasse man sich nicht drängen und werde sich die nötige Zeit nehmen, um weitere Gespräche mit den Bildungspartnern zu führen, sagte Eisenmann. Denn: „Die Bildungspolitik eignet sich nicht für Hoppla-hopp-Verfahren.“

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