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Schneckentempo auf der Alten Poststraße

"Filder-Zeitung", vom 06.04.2011 02:43 Uhr
Echterdingen. Die Sanierung der alten B27 beginnt kommende Woche. Von Stefanie Käfferlein

Rolf Gastel, Herbert Sandler und Karl Stäbler sind besorgt. Kommende Woche, von 11. April an, soll die alte B 27 saniert werden. Daher wird die L 1208 zwischen Echterdingen und der Seebruckenmühle gesperrt. "Die Alte Poststraße wird noch mehr befahren", befürchtet Gastel vom Naturschutzbund (Nabu) L.-E. "Die Straße wird regelmäßig von Leuten benutzt, die von Steinenbronn oder Waldenbuch kommen oder dort hin wollen."

In einem Schreiben hat sich Gastel im Namen des Nabu, des Hegerings IV Esslingen und des Schwäbischen Albvereins bereits Ende März an die Verwaltung und an das Regierungspräsidium gewandt. "Es muss etwas passieren", sagt Gastel. Dass sich Bürger an den Schleichweg gewöhnen und ihn über das voraussichtliche Ende der Baustelle Mitte Juni hinaus befahren, befürchtet auch Jagdpächter Herbert Sandler. Täglich ist er mit seinem Hund im Wald unterwegs. "Dabei kann man viele Autofahrer beobachten, die die Straße nutzen", sagt er. "Die halten zum einen nicht die erlaubte Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde ein, zum anderen dürften sie dort gar nicht durchfahren."

Tatsächlich ist die Straße seit mehreren Jahren für den Durchgangsverkehr gesperrt. Sie war als Auflage des Landratsamts Esslingen vor Jahren gesperrt worden. Seither ist es nur erlaubt, bis zur Schlösslesmühle zu fahren. "Morgens und abends sowie an den Wochenenden fahren unzählige Autos durch", sagt Gastel. "Die Leute sind gewiss nicht alle in der Schlösslesmühle", sagt Karl Stäbler vom Schwäbischen Albverein. Aus Erfahrung weiß er, dass es für Fußgänger und Radfahrer auf der Poststraße gefährlich ist.

Und nicht nur das. "An manchen Tagen werden bis zu 50 Kröten überfahren", weiß Gastel. Gerade jetzt, wenn die alte B 27 saniert wird, kommt hinzu, dass Amphibienwanderungen stattfinden. 2010 wurden auf der Alten Poststraße drei Rehe getötet.

Welche Lösung bevorzugt würde? "Es muss in jedem Fall eine sein, die Wirkung zeigt", betont Gastel. "Zu blitzen wäre etwas, das den Leuten wehtut, wenn sie den Geldbeutel aufmachen müssen." Bisherige Interventionen durch die Vereine und Anwohner hätten lediglich zu sporadischen Kontrollen geführt, die ohne Konsequenzen geblieben waren. Eine Antwort auf seinen Brief hat Gastel noch nicht bekommen. "Wenn bis kurz vor Beginn der Bauarbeiten noch keine Stellungnahme da ist, werde ich nochmals nachhaken", sagt er.

Das Ordnungsamt hat seine Vorgehensweise indes in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses erläutert. Demnach erfolgt die Umleitung über Leinfelden. "Wir werden auf der Poststraße in der Zeit der Amphibienwanderung die Geschwindigkeit auf zehn Kilometer pro Stunde reduzieren." Ein zusätzliches Schild verweist auf ein Durchfahrtsverbot zwischen 19 und 7 Uhr. Zudem wolle man regelmäßig kontrollieren und Blitzer aufstellen. Die Idee von Judith Skudelny (FDP), an der Poststraße eine Schranke zu installieren, wurde nicht näher diskutiert. "Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, werden wir sehen, ob wir alles nochmal überdenken müssen", sagte Bürgermeister Alexander Ludwig.

Eine Schranke sieht auch ein Anwohner nicht als optimale Lösung an. "Wir müssten jedes Mal die Schranke aufschließen, auch wenn wir Besuch bekommen", sagt er. Dass etwas gegen Schleichverkehr unternommen wird, befürwortet der Anwohner. Dennoch gibt er zu bedenken, dass seine Familie auf die Straße angewiesen sei. "Wir und unsere Kunden halten uns immer an die Geschwindigkeit und achten auf Tiere", sagt er. Diejenigen, die die Straße zur Durchfahrt nutzten, hielten sich hingegen nicht an die bisherige Geschwindigkeitsbegrenzung. "Die fahren keine 30 und erst recht keine zehn."

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