Schleyerhalle Deep Purple: Rock-Dinos in Stuttgart

Jürgen Spieß, Fotos: Timo Deiner, 01.12.2010 00:20 Uhr
Die Altrocker von Deep Purple traten in der Schleyerhalle vor 7500 Fans auf.

Stuttgart - Der alte Sound ist nicht unterzukriegen: Die legendären Altrocker von Deep Purple sind am Dienstag in der Schleyerhalle aufgetreten und haben mit ihren Rock-Kapriolen für Déjà-vu-Erlebnisse unter den 7500 überwiegend männlichen Besuchern gesorgt.

 

Weil die Zeit manche Wunden heilt und man ja von irgend etwas leben muss, schnallen sich immer mehr Altrocker nach Jahren der Abstinenz wieder die Gitarre um und beschließen, ins Rampenlicht zurückzukehren. Die englische Band Deep Purple ist bereits 1984 aus der Versenkung aufgetaucht und ließ sich auch durch die zwischenzeitlichen Abgänge von Richie Blackmore (1993) und Jon Lord (2002) nicht unterkriegen.

Rock-Dinos wissen, was sie den Fans schuldig sind

Natürlich sind die meisten Zuhörer gekommen, um sich von den alten Songs noch einmal in die eigene Vergangenheit versetzen zu lassen. Und natürlich wissen die fünf Rock-Dinos, was sie ihren Fans schuldig sind. So bekommt das Publikum neben nicht so häufig gespielten Songs wie "Hard Lovin' Man", "Maybe I'm A Leo" oder "Rapture Of The Deep" auch die Klassiker der Band zu hören. Gleich der Auftakt mit "Highway Star" sorgt für Begeisterungsstürme im Publikum.

Es spürt sofort: Deep Purples monumentaler Sound hat nichts von seiner früheren Intensität eingebüßt. Auch die Stimme von Ian Gillan verfehlt nur ganz selten einmal knapp die Messlatte. Jeder noch so schlicht gestrickten Passage drückt der 65-jährige Frontsänger mit seiner Charakterstimme den Stempel auf.

Steve Morse und Don Airey finden mit ausschweifenden Gitarrensoli und psychedelischen Orgeleinlagen immer wieder Zwischentöne, die auch kleinere Schwächen ihres Partners am Mikro geschickt überspielen. Gewohnt souverän agieren die beiden Ur-Purples Roger Glover (Bass) und Ian Paice (Drums) im Hintergrund, die seit den Anfängen 1968/69 dabei sind. Die offensichtliche Spielfreude der Akteure, der knackige Sound und der entwaffnende Live-Charakter geben der optisch eher unspektakulären Bühnenshow einen ungezwungenen Charakter.

"Smoke On The Water" als machtvolles Finale

Die Band schlägt immer wieder musikalische Kapriolen mit der Gelassenheit des Älterwerdens, etwa bei den Hits "Strange Kind of Woman", "Lazy", Fireball", "Black Night" und "Perfect Strangers". Dabei streben die Gitarrensoli ständig neuen Höhepunkten zu. "Smoke On The Water", die Hymne einer vergangenen Jugend, gerät zum machtvollen Finale.

Die begeisterten Purple-Fans verfolgen mal mitklatschend, mal Kopf nickend das Programm. Ein respektables, knapp zwei Stunden dauerndes Konzert, nicht nur wegen der alten Gassenhauer, sondern vor allem wegen der nicht versiegenden Spielfreude der Band. 

 

 
 
Kommentare (5)
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georg Ist schon länger als 1 Jahr her
Deep Purple - ich hab sie ewig nicht mehr gehört. Umso mehr war ich absolut platt über diese Performance jedes einzelnen Akteurs! Sehr schön auch, wie diese bei jedem einzelnen zur Geltung kam, ohne dass sich einer bis zur Langeweile in den Vordergrund gespielt hätte. Aber lieber Marbles, den Sänger von Marillion über Gillan zu stellen wundert mich etwas: Bei Kayleigh wurde die Luft sehr dünn, und dann möge man noch das Alter der beiden in Betracht ziehen... mich hat der alte Ian immer wieder erstaunt. Trotzdem hast Du recht: Marillion einfach zu ignorieren, das geht einfach nicht!
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Anonymer Benutzer Ist schon länger als 1 Jahr her
Im Artikel ist zu ergänzen, dass noch ein weiterer Welt-Hit an diesem Abend in der Schleyerhalle erklang: 'Kayleigh' von Marillion.
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Greyhead Ist schon länger als 1 Jahr her
Wollte es nur erwähnt haben, dass Glover erst 1969 Nick Simper als Bassist abgelöst hat. Somit ist nur Ian Paice Ur-Purple. Aber was soll's. War richtig gut. Selbst meine Frau, die mit DP sonst nicht viel am Hut hat, war ob der Virtuosität der 'Dinos' begeistert.
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Michael Schmidt Ist schon länger als 1 Jahr her
Wieso wird in dem Artikel Marillion nicht erwähnt ? Sie sind zwar Support gewesen, doch wurden sie als Special Guest angekündigt und spielten immerhin eine Stunde. Das nenne ich mal Ignoranz pur !
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Marbles Ist schon länger als 1 Jahr her
Anscheind findet die Band hier keine Erwähnung, obwohl sie bei den meisten hier gut bis sehr gut ankam. Hier ein kleiner Ausschnitt aus der Kritik vom Essener Konzert: 'Bei Marillion ist es vor allen Dingen der Sänger, der stets im Blickfeld des Betrachters liegt. Der zetert, leidet, bespaßt und gestikuliert, dass jedem Schauspiellehrer Tränen der Rührung in die Augen schießen würden. Und das ist gar nicht despektierlich gemeint. Wenn man sich nach 26 Jahren Bandzugehörigkeit mit über 50 noch so dermaßen mit seiner Musik identifiziert, dann ist das wirklich eine außergewöhnliche Leistung. Performance-mäßig ist er Purple-Sänger Ian Gillian weit überlegen...' das Ganze grenzt doch schon sehr an Ignoranz liebe Redaktion.
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