Schlamperei auf Schwieberdinger Deponie Asbest-Krise kostet Köpfe

Von Markus Klohr 

Der zerrissene Sack auf der Deponie (Bildmitte) hätte Albrecht Tschackert beim Rundgang bemerken müssen, finden manche Schwieberdinger. Bei den personellen Konsequenzen, die der Landrat ankündigt, bleibt der AVL-Technikchef aber wohl verschont. Foto: factum/Archiv
Der zerrissene Sack auf der Deponie (Bildmitte) hätte Albrecht Tschackert beim Rundgang bemerken müssen, finden manche Schwieberdinger. Bei den personellen Konsequenzen, die der Landrat ankündigt, bleibt der AVL-Technikchef aber wohl verschont. Foto: factum/Archiv

Das Vertrauen der Schwieberdinger zur Kreis-Abfallverwertung AVL ist erschüttert. Offenbar kam es bei der Ablagerung von Asbest auf der Deponie Froschgraben in Schwieberdingen zu Verstößen. Viele fragen sich: Wie soll das erst bei der Deponierung von Bauschutt aus Atomanlagen laufen?

Schwieberdingen - Der zerfetzte weiße Sack hätte durchaus die Aufmerksamkeit von Albrecht Tschackert auf sich ziehen können. Oder müssen? Letzteres findet Dierk-Christian Vogt aus Schwieberdingen. Als Tschackert, der Technische Leiter der Kreis-Abfallverwertung AVL, im vergangenen November zum Presserundgang auf der Schwieberdinger Deponie Froschgraben war, lagen laut Vogt viele beschädigte oder offene Plastiksäcke mit brisantem Inhalt herum: Asbest.

Vogt ist Mitglied einer Bürgerinitiative, die sich eigentlich wegen etwas ganz anderem gegründet hatte: Als im vergangenen Sommer bekannt wurde, dass die AVL seit Jahren kleine Mengen Bauschutt aus der atomaren Versuchsanlage im Kreis Karlsruhe deponiert hatte, schlugen die Wellen in Schwieberdingen hoch. Jetzt sind Vogt und seine Mitstreiter entsetzt: „Wenn die AVL es schon beim Asbest nicht korrekt hinkriegt, wie soll das dann bei diesen Abfälle funktionieren?“

„So etwas darf nicht vorkommen“

Seit Jahren ist die AVL bei den Schwieberdingern in der Kritik, weil sie größere Mengen von Asbestabfall im Froschgraben ablagert – 2015 waren es rund 13 000 Tonnen. Dies geschah stets unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen, wie Albrecht Tschackert jahrelang glaubhaft versichert hatte – zu Unrecht?

Fotos der Schwieberdinger Initiative zeichnen ein drastisches Bild: aufgerissene Säcke, Säcke, die wochenlang herumliegen, ohne dass sie mit Kies oder Erde bedeckt werden; zudem wird der Asbest laut Vogt offenbar des öfteren mit Ziegeln oder anderen spitzen Gegenständen bedeckt, die die Säcke beschädigen könnten.

Im Landratsamt scheint deshalb neuerdings Alarmstimmung zu herrschen. Der Landrat Rainer Haas bat den AVL-Aufsichtsrat kürzlich zur Krisensitzung. Die Bilder „sind aus meiner Sicht schwer zu interpretieren“, sagt der Landrat. Allerdings lasse sich „nicht beweisen, dass immer alles regulär abgelagert wurde. So etwas darf nicht vorkommen“. Hätte Haas die Vorwürfe bestätigt, dann hätte er damit gleichzeitig eingestanden, dass die AVL gegen die Deponieverordnung verstoßen hat. Für solche Rechtsverletzungen droht ein Bußgeld von immerhin bis zu 50 000 Euro.

Die Asbest-Geschäfte werden gestoppt

Haas hat bereits Konsequenzen gezogen: er will die Asbest-Geschäfte baldmöglichst stoppen lassen. Zudem wurde der Schwieberdinger Deponieleiter bereits versetzt. Albrecht Tschackert genießt offenbar das Vertrauen des Landrats. Doch auch für den Vizelandrat und AVL-Geschäftsführer Utz Remlinger wird es eng.

Haas hatte Remlinger unlängst in einer öffentlichen Sitzung heftig kritisiert, weil dieser ihn nicht über die Ablagerung von Bauschutt aus der Karlsruher Atomanlage informiert habe. Dies wiege schwer, weil der Kreis damit rechnet, dass er noch 3300 Tonnen Bauschutt vom Abriss des Kernkraftwerks Neckarwestheim im Schwieberdinger Froschgraben und auf der Deponie Burghof in Vaihingen-Horrheim ablagern muss. Haas’ Verhältnis zu seinem Vize gilt als angespannt. Doch Remlinger ist rechtlich auf Lebenszeit bestellt.

Auch der Bürgermeister ist sauer

„Das Vertrauensverhältnis ist maßgeblich gestört“, konstatiert der Schwieberdinger Bürgermeister Nico Lauxmann. Er sei froh, dass der Landrat die Asbest-Lieferungen stoppen wolle, „dieser Wunsch war in Schwieberdingen schon länger vorhanden“. Er werte die ersten Konsequenzen des Landrats als positiv. Dennoch muss sich der Kreis auf Widerstand in der Gemeinde einstellen. Lauxmann rechnet mit einer klaren Mehrheit für einen Antrag, der Ablagerungen von Material atomarer Anlagen ablehnt. „Ich werde ihm zustimmen.“

Spannend dürfte sein, ob das Thema auch in Vaihingen aufgegriffen wird. Auf dem Burghof wurden 2015 ebenfalls rund 4580 Tonnen Asbest abgelagert.

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