Stuttgart - „Wenn das Theater fertig wird, wird es wunderbar“, sagte der Geschäftsführende Intendant des Stuttgarter Staatstheaters am Dienstag bei der jüngsten offiziellen Pannenschau auf der Baustelle des Schauspielhauses. Doch bis dahin ist es, wie berichtet, ein langer Weg. Frühestens zur Saisoneröffnung 2012/2013 werden die Baustellenpannen behoben worden sein.
Wie hoch die Reparaturkosten ausfallen, ist noch unklar. „Es sind Mehrkosten im hohen sechsstelligen Bereich produziert worden. Wobei wir nicht davon ausgehen wollen, dass die Mehrkosten der Stadt und Land landen“, sagte Stuttgarts Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann am Donnerstag unserer Zeitung. Und: „Selbstverständlich wird man sich anschauen, wer für das Desaster die Verantwortung trägt, und rechtliche Schritte erwägen.“ Die Theaterleute nimmt die Kulturbürgermeisterin dabei deutlich in Schutz. „Ich verstehe zutiefst die Verärgerung der Intendanten. Sie können nichts für diese Vorgänge.“ Sie seien bereits im Februar 2011 auf Stadt und Land zugegangen.
Kein einziger Übergabetermin wurde gehalten
Der Geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks und Schauspielchef Hasko Weber hielten es damals schon für ausgeschlossen, dass die Sanierung rechtzeitig bis Herbst 2011 fertig wird, da man mit dem Zeitplan immens in Verzug sei. Auch weil bereits die Spielpläne für die nächste Saison erarbeitet wurden, musste eine mögliche Verschiebung auf Februar 2012 zu diesem Zeitpunkt verbindlich geklärt werden. Eisenmann: „Die Vertreter der Landesbauverwaltung sagten damals, diese Diskussion sei absurd. Man schaffe das auf jeden Fall. Eine verbindliche Aussage machen und die Verantwortung dafür übernehmen wollte man aber nicht.“
Aus gutem Grund, wie sich herausgestellt hat: Kein einziger Übergabetermin auf der Baustelle wurde bisher gehalten. „Es dreht sich immer um das Gleiche“, sagt Eisenmann. „Es gibt keinen Druck im Sinne einer Vorgabe und Überprüfung auf der Baustelle, es ist keine Gesamtführung vorhanden, wie die diversen Arbeiten koordiniert und zusammengeführt werden.“ Die Verantwortung, was die Planung und Umsetzung betrifft, liegt bei der im Finanzministerium angesiedelten Landesbauverwaltung.
Mitte November 2011 wurde noch einmal seitens des Theaters – und nicht etwas seitens derer, die den Überblick über die Baustelle haben müssten – darauf hingewiesen, dass selbst der Februartermin womöglich nicht realistisch sei. Seither zog das Tempo auf der Baustelle an, wie die Intendanten bei einem Ortstermin im Dezember 2011 bestätigten. „Dass sich bei so hohem Druck die Fehlerquelle erhöht“, sagte Hasko Weber nun am Dienstag, „liegt eben auch nahe. Mein Vertrauen ist sehr gering geworden, darauf zu hoffen, die beste Lösung zu finden.“
"Das Desaster hat Konsequenzen"
Eisenmann äußert deutliche Kritik am Land: „In diesen Punkten ist die Landesbauverwaltung federführend, die die Abläufe vorgegeben und die Finanzen errechnet haben.“ Die Kritik von Thomas Knödler, dem zuständigen Abteilungsleiter Vermögen und Hochbau im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, seitens des Theaters sei auf eine unrealistisch kurze Sanierungszeit gedrungen worden, weist Eisenmann, auch Mitglied im Verwaltungsrat, zurück. „Es waren die Vorgaben der Bauverwaltung, aufgrund deren die Sanierungszeit festgesetzt wurde.“
Eisenmann bekräftigte gegenüber unserer Zeitung, das Ziel von Stadt und Land sei es, die Pannenanalyse rasch zu betreiben. Wer auch immer im Detail verantwortlich sei, werde man klären, sobald die Bauarbeiten beendet seien und das Theater am 17. Februar zu spielen beginnt. „Ich gehe davon aus“, sagt Susanne Eisenmann, „dass auch das Finanzministerium ein Interesse daran hat, das aufzuarbeiten. Denn das Desaster hat ja Konsequenzen. Solch ein indiskutables Vorgehen kann man sich bei der Sanierung des Opernhauses und dem Bau der John-Cranko-Schule nicht erlauben.“
Was also tun? „Wir suchen“, skizziert Eisenmann die Position der Stadt, „das Gespräch mit dem Land, gegebenenfalls an eine externe Projektsteuerung, auch was die Bauleitung betrifft, zu delegieren.“ Sprich: Statt der ohnehin vom Steuerzahler finanzierten Landesbehörde will man lieber Profis aus der freien Wirtschaft bezahlen. Eisenmann: „Aus unserer Sicht ist genau zu überlegen, wie wirr und schief das alles gelaufen ist. Auch das hat ja finanziell konkrete Folgen.“ Womöglich ist es also billiger, diese externen Experten zu bezahlen, als Millionen für die Sanierung einer Sanierung auszugeben.
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