Autor Akif Pirincci Biedermann und Brandstifter

Von Tomo Pavlovic 

Dicke Uhr, rechte Pöbeleien: Akif Pirinçci Foto: http://akifpirincci.blogspot.de/
Dicke Uhr, rechte Pöbeleien: Akif PirinçciFoto: http://akifpirincci.blogspot.de/

Akif Pirincci liebt die Provokation, in Sachen Kleidung gibt er sich dagegen betont bieder. Das gibt natürlich Abzüge in der B-Note.

Akif Pirincci liebt die Provokation, in Sachen Kleidung gibt er sich dagegen betont bieder. Das gibt natürlich Abzüge in der B-Note.

Wenn ein Mann in mittleren Jahren krudes Zeug von sich gibt, lautstark behauptet, er habe eine Potenzbeule in der Hose oder am Unglück der Welt seien nur diese Multikulti-Romantiker, die Emanzen, die Schwulen und überhaupt all die Gutmenschen und Unnormalen schuld, so wendet man sich normalerweise angeekelt ab und flüstert: Armer Irrer! Wenn aber ein Katzenbuchkrimi-Autor türkischer Herkunft selbiges in Buchform und in Zeitungsinterviews über die Öffentlichkeit ausleert wie ein volltrunkener Obdachloser seinen Mageninhalt in der U-Bahn, so heißt es plötzlich von vielen: Ja, genau, endlich sagt’s mal einer!

Och, nö, nicht schon wieder. Wie banal. Noch banaler als die rechtspopulistischen Pöbeleien von Akif Pirinçci („Deutschland von Sinnen“) ist allerdings die biedere Aufmachung des Autors, der mit seiner Hasspredigt die Buchcharts des Internet-versandhandels Amazon im Sturm genommen hat. Anders als sein Bruder im Geiste, Thilo Sarrazin, gibt der 54-Jährige nicht den gepflegten Salon-Chauvinisten mit Krawatte, sondern präsentiert sich stilistisch unsicher bis ungepflegt. Schlupflider wie ein Boxer hinter einer Supermarktbrille, Geheimratsecken, viel zu dicke Uhr, nichtssagendes Freizeithemdchen, aus dessen Ärmel dünne, untrainierte Ärmchen mit Kippe zwischen den Fingerchen hervorschauen, wie das bei Berufsschreibern naturgemäß oft der Fall ist: Die übliche Charles-Bukowski-Attitüde des Halbintellektuellen. Doch von einem, der das Maul und die Hose so voll nimmt wie Pirinçci, hätte man mehr Klasse erwartet – oder wenigstens ein klein bisschen Testosteron.

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Als Etappe seiner Polen-Visite hat Papst Franziskus am Freitag das frühere Konzentrationslager Auschwitz besucht. Dort waren von Deutschen im Zweiten Weltkrieg Millionen Menschen ermordet worden.