Schätze des Westens Der Bezirk zeigt sich von seiner kreativen Seite

Von Kathrin Thimme 

Nina Seemann und ihre Floristikmanufaktur Blattgold nimmt zum zweiten Foto: red
Nina Seemann und ihre Floristikmanufaktur Blattgold nimmt zum zweiten Foto: red

Am Entdeckungstag am Samstag, 21. September, präsentieren sich die Schätze des Westens von 11 bis 19 Uhr.

S-West - Seit dem ersten Entdeckungstag im Jahr 2005 haben sich die Schätze des Westens etabliert und die Liste der teilnehmenden Kreativen aus dem Stadtbezirk ist immer länger geworden. So hat sich der Entdeckungstag zu einer gemeinschaftliche Aktion der Ateliers, Boutiquen, Galerien, des Kunsthandwerks und der Geschäfte entwickelt. Auch über das restliche Jahr verstehen sich die Schätze des Westens als eine Art loser Verbund, in dem man sich gegenseitig unterstützt und hilft.

Die Keimzelle des Entdeckungstags ist das Vogelsangatelier. Künstler und Kunsthandwerker rund um die Vogelsangstraße hatten die Idee dazu. Über die Jahre hat haben sich an der Vogelsangstraße immer mehr Läden angesiedelt. Dazu gehören der Kinderladen Rasselfisch, die Patisserie Tarte & Törtchen, das Atelier 89, die Floristikmanufaktur Blattgold, die Kinderboutique Emilia von Gluggenburg und Matoshimo, ein Laden für Wohnaccessoires mit eigener Werkstatt. Die drei letztgenannten stehen stellvertretend für das kreative Leben rund um die Vogelsangstraße und den gesamten Westen, in dem sich auch andernorts solche Quartiere finden.

Floristikmanufaktur Blattgold

Die Theke ist selbst gebaut, statt Regalen hängen Holzkisten an der Wand. In den Kisten stehen Exoten wie die fleischfressende Pflanze Sonnentau, eine Zierananas und die Nelkensorte Green Trick, die aussieht, als würden kleine Rasenflächen aus dem Stiel wachsen. Außerdem gibt es eine kleine Sitzecke. Nina Seemanns Blumengeschäft Floristikmanufaktur Blattgold wirkt ein bisschen wie ein Wohnzimmer, in dem viele ausgefallene Pflanzen stehen. „Es soll wohnlich sein“, sagt Seemann. Außerdem will sie mit einem Sortiment überzeugen, das nicht standardmäßig ist. „Die Leute sollen wissen, dass sie zu mir kommen können, wenn sie etwas besonderes suchen.“

Seit April 2012 hat Nina Seemann ihr eigenes Geschäft an der Vogelsangstraße 57. Es sollte im Westen sein, denn hier wohnt sie und hier in den Altbau passt ihr Laden am besten rein, der für Seemann ein Aushängeschild, der direkte Zugang zu den Kunden ist. „Durch die Präsenz mit dem Laden haben die Aufträge zugenommen“, sagt die 30-Jährige. Das Ausrichten von Hochzeiten ist ein fester Bestandteil ihrer Arbeit, ab und an auch Firmenveranstaltungen. Letzteres würde Seemann gerne noch ausbauen.

Am Entdeckungstag nimmt sie zum zweiten Mal teil. Sie hat eine Ausstellung mit Siebdrucken von Wolf Gast aus dem Künstlerhaus organisiert. Vier Wochen hängen die Bilder danach im Laden. Nina Seemann kann sich vorstellen, auch übers Jahr ab und zu Künstler ausstellen zu lassen. „Das passt gut in den Westen.“

Emilia von Gluggenburg

Krönchen aus Filz, Tüllröcke, selbstgenähte Kissenbezüge in Karomuster und neuerdings auch Dirndl. In der kleinen Boutique Emilia von Gluggenburg, Rötestraße 67, gibt es fast alles fürs Kind, aber auch Accessoires wie Servietten. Selbst designt, selbst genäht und individualisiert. „Die Kunden können sich raussuchen, welchen Stoff, welche Applikation sie wollen und natürlich, welcher Name drauf soll“, sagt die quirlige Inhaberin Nina Heyer. Ob die Sachen auch kindgerecht und praktisch sind, testet die 40-Jährige am liebsten an ihren eigenen Kindern. Wenn es taugt, kommt es ins Sortiment. Die Kinder sind auch der Grund, warum es das Label gibt. Angefangen hat Heyer 2007 mit einer Freundin im ehemaligen H 7. „Als die Kinder geboren waren, wurde mir auf Dauer zuhause langweilig und ich wollte was machen“, sagt Heyer. Eigentlich ist sie Rechtsanwältin und arbeitet auch in dem Beruf. Ihr Laden ist zu ihrem professionellen Hobby geworden und ein farbenfroher Kontrast zu ihrem Beruf.

Fest mit im Boot sitzt die Kostümbildnerin Iris von Löwensprung, die Heyer im Laden hilft, die Aufträge zu bewältigen. Ein bis zwei Wochen dauert es, bin ein bestelltes Stück fertig ist. Der Laden ist für Nina Heyer eine Art Showroom, in dem sie ihre Ware präsentiert. „Die Auswahl der Stoffe und Applikationen ist so groß, da ist es einfacher, vor Ort zu wählen und die Stoffe auch mal anfassen zu können.“

Am Entdeckungstag veranstaltet Emilia von Gluggenburg eine Tombola.

Matoshimo

Papier ist das Material, mit dem Muhamed Ahmeti, den alle eigentlich nur kurz als Mo kennen, am liebsten arbeitet. Aus Büchern und Zeitungen designt er Vasen, aus Papierstreifen Lampen und alte Buchdeckel werden zum Cover von Notizbüchern. Das Thema Recycling spielt eine große Rolle oder, wie Mo es nennt, „der Rettungsgedanke und die Transformation“. Der Stylist und Künstler arbeitet auch in einer Buchbinderei, und das Papier, das dort übrig bleibt, ist für Mo zu wertvoll, um es im Papierkorb zu lassen. Aber auch anderes wird weiterverarbeitet und mit einer neuen Funktion wiederbelebt. So hat er als Stylist beispielsweise Kleider und Taschen aus Krawatten geschneidert. Besonders beliebt bei den Kunden sind die Notizbücher, deren Cover eine Schallplatte ist und die Rückseite wiederum das Cover der Platte. Für den kreativen Input in seine Arbeit sucht Mo die Gemeinschaft zu anderen Künstlern – aber auch, um sich den Verkauf im Laden zu teilen. Momentan sucht er jemanden, der im Laden Matoshimo einsteigt. Künstler können vor Ort produzieren. Es gibt eine Werkstatt mit Plotter, Näh- und Prägemaschine.

Für den Entdeckungstag hat Mo ein großes Event organisiert. Er will das machen, denn, „die Schätze des Westens werten den Stadtbezirk auf und es ist wichtig, dafür etwas zu tun“, sagt der 33-Jährige. So startet der Tag um 12 Uhr bei ihm im Laden Matoshimo, Vogelsangstraße 51, mit der riesigen Puppe Dundu. Für Mo ein besonderer Gast, denn an der Puppe der beiden Künstler Tobias Husemann und Stefan Charisius hat er einst mitgearbeitet. Um 13.30 und um 15 Uhr beginnen in der hauseigenen Garage Zirkusvorstellungen mit dem Theater Rampe, dem Sänger Emil Kusmirek, der Flamencogruppe Anat Ivgi und dem Tenor Tianji Lin.

Informationen

Stadtteilbibliothek
Kinder ab sechs Jahren können am Entdeckungstag in der Stadtteilbibliothek, Bebelstraße 22, von 11 bis 13 Uhr ihr eigenes Buchcover gestalten und drucken. Parallel dazu findet ein Bücherflohmarkt statt.

Stadtspaziergang
Die Schatzsuche am Entdeckungstag beschränkt sich nicht nur auf Ateliers, Boutiquen und Galerien. Auch an den Hausfassaden gibt es vieles zu entdecken. Was genau, das zeigen Friederike Votteler und Peter Pipiorke bei einem Stadtspaziergang. Dieser beginnt um 14 Uhr am Bismarckplatz.

Programm Das vollständige Programm mit allen Teilnehmer stehen auf www.schaetze-des-westens.de.

Redaktion Stuttgart-West

Ansprechpartnerin
Kathrin Wesely
s-west@stz.zgs.de

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