Sanierung nötig In der Geißstraße 7 bröckelt der Putz

Eva Funke, 05.12.2012 11:00 Uhr
Die Fassade hat Risse, die Fenster sind kaputt, das Dach ist undicht. Die Sanierung kostet rund 400.000 Euro. Bei der Finanzierung setzt die Stiftung Geißstraße 7 auf Spenden. Sie hat den Bau nach der Brandkatastrophe, bei dem 1994 sieben Menschen starben, übernommen.

Stuttgart - Das fünfstöckige Gebäude in der Geißstraße ist der prächtigste Bau im sogenannten Märchenviertel rund um den Hans-im-Glück-Brunnen. Seinen Namen hat das Altstadtquartier hinterm Rathaus, weil die Reliefs und Figuren der umliegenden Häuser viele Märchenszenen zeigen. Die Sieben als Hausnummer und die beiden Geißen aus Bronze am Dach der Geißstraße 7 sind eine Anspielung auf das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ der Brüder Grimm.

Gebaut wurde das denkmalgeschützte Haus um 1900. Knapp hundert Jahre später ereignete sich dort die schlimmste Brandkatastrophe in Stuttgart nach dem Zweiten Weltkrieg: Am 16. Februar 1994 kamen in dem vor allem mit Flüchtlingen überbelegten Haus bei einem Feuer, das von einem psychisch kranken Mann aus Esslingen gelegt worden war, sieben Menschen ums Leben. 16 weitere Menschen wurden verletzt. Wenige Monate nach dem Brand übergab der Eigentümer des Gebäudes, Hofbräu, das Haus der neu gegründeten Stiftung Geißstraße 7. „Mit dem Geld von der Brandschutzversicherung haben wir alles wieder aufgebaut“, sagt Michael Kienzle, Grünen-Stadtrat und Stiftungsvorstand. Ziel der Stiftung ist es, den religiösen und kulturellen Austausch zwischen den Nationen zu fördern.

Fünf Wohnungen für Familien und Wohngemeinschaften, die schwer eine Wohnung finden

An den interkulturellen Veranstaltungen im Vortragssaal in dem Gebäude kann jeder kostenlos teilnehmen. Der Unterhalt und die kulturelle Arbeit finanzieren sich vor allem über die Pacht des Cafés Deli im Erdgeschoss. In den oberen Stockwerken gibt es fünf Wohnungen für Familien und Wohngemeinschaften, die es schwerhaben, auf dem Wohnungsmarkt eine Wohnung zu finden. Für 7,90 Euro Miete pro Quadratmeter ­inklusive sämtlicher Nebenkosten können sie etwa zwei Jahre in den möblierten Räumen wohnen. „In dieser Zeit sollten sie eine Wohnung auf dem regulären Markt gefunden haben und anderen Platz machen“, sagt Claudia Barth, Leiterin des Stiftungsbüros.

Jetzt, 18 Jahre nach dem Wiederaufbau des Gebäudes, bröckelt es an allen Ecken und Enden: An der Fassade blättert der Putz ab, so dass Wasser ins Gemäuer dringen kann. An den 72 grünen Klappläden springt die Farbe ab, und das Holz darunter fault. Die beiden Geißen am Dach sind nicht mehr standfest und müssen stabilisiert werden, die Heizung muss erneuert werden, und der Keller ist feucht. „Die Sanierung kostet rund 400.000 Euro“, stellt Kienzle fest und ist derzeit mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau über ein Darlehen von 225.000 Euro mit 15-jähriger Laufzeit in Verhandlung.

Stiftung setzt auf die Unterstützung der Bürger

Mehr Geld braucht die Stiftung nicht, da die Stadt rund 111.000 Euro zuschießt und außerdem mit einer Zuwendung von rund 60.000 Euro vom Landesdenkmalamt zu rechnen ist. „Wir hoffen, dass wir im kommenden Frühjahr mit der Sanierung beginnen können und im Herbst fertig sind“, sagt Kienzle. Obwohl die Sanierung beschlossene Sache ist, setzt die Stiftung auf die Unterstützung der Bürger, die zum Beispiel die ­Patenschaft für die denkmalgerechte ­Renovierung von einem der 72 Klappläden übernehmen können. Die kostet pro Stück 358 Euro. Aber auch Spenden in jeder anderen Höhe sind willkommen. „Immerhin kommt durch das Darlehen 15 Jahre lang eine Belastung von rund 1000 Euro pro Monat für Zins und Tilgung auf uns zu“, sagt Kienzle. Sollte die Stiftung eines Tages aufgelöst werden, fällt das Stiftungsvermögen, das vor allem aus dem Gebäude besteht, der Stadt zu.

Bankverbindung der Stiftung Geißstraße 7: Baden-Württembergische Bank, Konto 230 40 03, Bankleitzahl 600 501 01.

 
 
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Kommentare (1)
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Wilfried Ist schon länger als 1 Jahr her
Wenn ich bedenke, dass eine normale immobilienfinanzierung über knapp 30 Jahre läuft (bei anfänglicher 1%-Tilgung), sind 18 Jahre bis zum maroden Bauzustand unzumutbar kurz. Mag sein, dass die Heizung vom technischen Fortschrtt überrannt wurde, aber ein feuchter Keller, blätternder Putz und die nicht mehr standfesten Geißen sind wohl unter Pfusch am Bau einzuordnen. Wer an den verfaulten Fensterläden schuld ist, sollte man auch klären. Die geplante Finanierung soll über 15 Jahre laufen, geraderecht, bis das Haus wieder 'marode' ist, sofern nicht vorher energetisch saniert oder die Styropor-Sanierung ihrerseit aus Feuerschutzgründen oder wegen Schimmelbildung saniert werden muss..
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