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Sanierung der Oper Stuttgart Bis zu 300 Millionen Euro im Gespräch

Von Nikolai B. Forstbauer 

Muss saniert werden: Opernhaus Stuttgart Foto: Leif Piechowski
Muss saniert werden: Opernhaus StuttgartFoto: Leif Piechowski

Sanierung auf Sparflamme oder großer Wurf? Bei der Verwaltungsratssitzung des Staatstheaters Stuttgart am Montag präsentierten die beauftragten Gutachter eine Studie mit Sprengkraft. Bis zu 300 Millionen Euro soll eine bauliche Neuordnung des Staatstheater- Komplexes kosten.

Stuttgart - Sanierung auf Sparflamme oder großer Wurf? Bei der Verwaltungsratssitzung des Staatstheaters Stuttgart am Montag präsentierten die beauftragten Gutachter eine Studie mit Sprengkraft. Bis zu 300 Millionen Euro soll eine bauliche Neuordnung des Staatstheater- Komplexes kosten.

Hier können Sie sich die komplette Seite aus den StN vom 15. Juli herunterladen.

Die Ausgangslage

Seit Jahren wird über die dringend notwendige Sanierung des Stuttgarter Opernhauses diskutiert. Im April 2013 hat der Verwaltungsrat des Staatstheaters Stuttgart – politische Vertreter aus Stadt und Land bilden das Aufsichtsgremium des Dreispartenhauses – grünes Licht für eine umfassende Studie gegeben. Das Büro Kunkel Consulting in Bürstadt (bei Darmstadt), bei der Generalsanierung des Bolschoi-Theaters in Moskau ebenso beteiligt wie beim Bau des neuen ­Mariinsky-Theaters in St. Petersburg, wurde beauftragt, den Sanierungsbedarf zu ermitteln. Im Schulterschluss mit dem britischen Architekturbüro Chipperfield sollte zudem untersucht werden, welche baulichen Möglichkeiten im direkten Umfeld von Opernhaus und Schauspielhaus bestehen, um technische Nutzungen zu konzentrieren und neue Qualitäten für den Besucherservice zu entwickeln.

Die Zahlen

18 Millionen Euro hat das Land Baden-Württemberg offiziell für die Sanierung ­des Opernhauses bewilligt. Dies jedoch ist eine Zahl, die sich auf mehrere Jahre alte Angaben der Landesbauverwaltung stützt. Das Gutachten summiert: „Mit dem vorgegebenen Kostenrahmen (18 Millionen Euro) ist keine umfassende Sanierung möglich. Eine solch beschränkte Summe kann lediglich dafür eingesetzt werden, eine kurz- bis mittelfristige Sicherung des Betriebs des Opernhauses wie bisher zu gewährleisten.“ Die Antwort auf den Auftrag zur Analyse von Bedarf und Möglichkeiten lautet: Wird die Sanierung des Opernhauses Stuttgart wie vorgeschlagen zu einem Städtebau­projekt, muss mit Kosten zwischen 290 ­Millionen und 310 Millionen Euro gerechnet werden.

Die Untersuchung

Kunkel Consulting hat in einer Bestandsanalyse diese Bereiche untersucht: 1. Baulicher Zustand des Opernhauses, 2. Bühnenmaschinerie und bühnentechnischer Stahlbau, 3. Funktionalität der Bühne, 4. Bühnenbeleuchtung und Technik der Opernbühne, 5. Haustechnische Einrichtungen, 6. Akustik, 7. Räumliche Situation der Abteilungen.

Die Mängel

Es wurden zahlreiche Mängel ermittelt. ­Beginnend im 4. Obergeschoss: Garderoben deutlich zu klein, Chorsaal zu klein, Orchesterprobenraum zu klein, Werkstattbereiche eingeschränkt, Ballettsaal nur eingeschränkt nutzbar. Weitere Einschränkungen durch unzureichende Zugänge

1. bis 3. Obergeschoss: Foyergastronomie ungenügend, kaum Besucherservice, keine Möglichkeit getrennter Veranstaltungen, Kostümwerkstätten nicht konzentriert, Raumbedarf in den Arbeitsbereichen Maske, Garderoben, Einsingräume Chor.

Bühnengeschoss: Bühnentechnik muss erneuert werden, Vormontagebereich fehlt, es bestehen diverse Logistik-Engstellen, und die Hinterbühne ist nur eingeschränkt nutzbar.

Untergeschoss: Kantine unzureichend, Raumbedarf für Orchester nicht gedeckt, Die Lage der Werkstätten im Untergeschoss erschwert Anlieferung, Logistik und Nutzung. Mangelnde Umkleiden und Notwendigkeit von Belüftung.

Zwischenstand

Kunkel Consulting kommt zu dem Schluss: „In den Arbeitsbereichen nahezu aller Abteilungen besteht (teilweise umfangreicher) Raumbedarf“. Raumbedarf ergebe sich zudem aus den Bereichen Gastronomie und Service sowie der angestrebten Minimierung der Außenstellen. „Umfangreiche bauliche Veränderungen im Bereiche der Bühne der Oper“ schließlich lassen für die Gutachter nur einen Schluss zu: „Erweiterung der Gebäude der Württembergischen Staatstheater Stuttgart notwendig“.

Die große Lösung

Das am Montag im Verwaltungsrat vorgelegte Gutachten schlägt für die „Erweiterung“ unter anderem diese Flächen vor: „Anbau vor dem Kulissengebäude an der Konrad-Adenauer-Straße“, „Parkplatz und Turnhalle Königin-Katharinen-Stift“, „Bereich zwischen Württembergischen Staatstheatern Stuttgart (Opernhaus) und Landtag“. Damit würde die Sanierung des Opernhauses zum Städtebauprojekt, das an ­Diskussionen der späten 1970er Jahre zur Wiedergewinnung der historischen Nord-Süd-Achse gerade an dieser Stelle anschließt.

Dauer

Kunkel Consulting setzt für ein mögliches Gesamtprojekt zwei Jahre Planungszeit und sieben bis acht Jahre Bauzeit an. Über die Aufteilung in zwei Bauabschnitte soll eine Minimierung der Schließzeit des Opernhauses erreicht werden. Die Gutachter nennen eine Zeit von drei Jahren. Für alle zeit­lichen Angaben gilt der Hinweis der ­Voraussetzung optimaler Abläufe, vor allem bezogen auf Beschlüsse und deren Umsetzung.

Ausweichquartier

Um die Aufführungen von Staatsoper und Stuttgarter Ballett sowie die Konzerte des Staatsorchesters zu sichern, schlägt Kunkel Consulting den Bau einer (wohl in jedem Fall notwendigen) „Interimsspielstätte im Schlosspark im Bereich des Eckensees“ vor. Ziel ist es offenbar, jeweils möglichst viele Räumlichkeiten des Staatstheaterkomplexes auch für die Interimsspielstätte nutzen zu können. Unterstellen darf man, dass auch der Ausweichspielort bis zu 1400 Besucher-plätze bieten muss, um die Vorstellungen betriebswirtschaftlich zu halten.

Wie geht es weiter?

Die Studie von Kunkel Consulting im Schulterschluss mit Chipperfield Architekten stellt viele wichtige Fragen und provoziert viele Fragen. So wird – wohl bis Jahresende – von den Gutachtern zunächst die ­Präzisierung insbesondere der „großen ­Lösung“ erwartet. Zudem dürfte der Auftrag ergehen, die ursprünglich angesetzte Summe von 18 Millionen Euro für die „technische Ertüchtigung“ des Opernhauses auf eine realistische Basis zu bringen. Parallel dürfte die öffentliche Diskussion auch für eine Positionierung der Kommunal- und Landespolitik sorgen.

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