Salafist Gesuchter deutscher Islamist im ägyptischen Terror-Lager

Franz Feyder, Christoph Reisinger, Simon Rilling, 07.02.2013 05:00 Uhr
In der Stadt Marsa Matrouh wurde offenbar auch ein Pforzheimer Salafist ausgebildet.  

Stuttgart - Seit Sommer 2012 fahnden deutsche Sicherheitsbehörden nach dem ehemaligen Rapper Denis Cuspert. Die Stuttgarter Nachrichten fanden ihn im ägyptisch-libyschen Grenzgebiet.

Der deutsche Islamist Denis Cuspert, nach dem die deutschen Sicherheitsbehörden seit vergangenem Sommer fahnden, lebt im ägyptischen Marsa Matrouh. Bei Recherchen unserer Zeitung im ägyptisch-libyschen Grenzgebiet wurde der ehemalige Rapper in der 120.000 Einwohner zählenden Stadt entdeckt. Cuspert ist für Drohvideos verantwortlich, in denen im Dezember 2012 und im Januar angedroht wurde, Deutsche als Geiseln zu nehmen und Anschläge mit Autobomben zu verüben.

Ägypten zunehmend Drehscheibe für Dschihad-Kämpfer

Diese Propaganda-Aktivitäten bergen für das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz die Gefahr, dass sich „Personen, die sich auf dem Weg der Radikalisierung befinden, animiert fühlen könnten, Selbstmordanschläge oder Attentate nach dem Muster“ des Frankfurter Flughafenattentäters Arid U. zu verüben. „Es ist zu befürchten, dass sich Ägypten zunehmend zu einer Drehscheibe für Dschihad-Kämpfer entwickelt“, sagte die Sprecherin des Verfassungsschutzes. Der Salafismus-Experte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik warnt vor einer „neuen, bedrohlichen Phase des Dschihadismus“ in Deutschland. Diese werde zu „einer ganz neuen Herausforderung für unsere Sicherheitsbehörden werden“.

Frühere Staatsschützer der ägyptischen Polizei und Einwohner Matrouhs identifizierten auch einen Pforzheimer sowie zwei nordrhein-westfälische Salafisten, die sich im Sommer vergangenen Jahres für mehrere Wochen in der Stadt aufgehalten haben. In der Region betreibt die Terrorgruppe Ansar-Ash-Sharia augenscheinlich ein Ausbildungslager, in dem zurzeit acht deutsche Dschihadisten trainiert werden. Sie werden dabei offenbar aus Libyen unterstützt.

 
 
Kommentare (3)
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Dieter Machmüller Ist schon länger als 1 Jahr her
Was ist den ein Salafist? Wird der als solcher geboren? Ich glaube nicht! Salafisten sind Muslime (08/15 Mohammedaner) die die Glaubensgrundlagen des Islam, niedergeschrieben in Quran, Sunah und den Hadithen, wortwörtlich umsetzen wollen als zu lebende Ideologie. Verbindlich für alle und jeden auf diesem Planeten. Salafisten stellen Ihre Religions-Ideologie über jedwede irdische Rechtsordnung und gesellschaftliche Norm. Dafür kämpfen Sie auch mit dem Einsatz Ihres Lebens. Ohne die Möglichkeit eines Kompromisses! Pluralität im Glauben, Mitbestimmung, Demokratie, das führen eines selbsbstimmten Lebens, rechtliche Gleichstellung von Männlein und Weiblein: zu bekämpfendes Teufelszeug von dekadenten Ungläubigen. Von dieserart 'Rechtgläubigen' (alle die nicht so denken sind Ungläubige...) haben wir nach Erkenntnissen unserer Staatsschutzorgane ca. 4.000 bis 5.000 Stück innerhalb des Geltungsbereichs unserer Verfassung. Viele von Ihnen geniessen hier Asyl als religiös verfolgte. Sie dürfen halt Ihre Auffassung von Religion in Ihren Heimatländern nicht ausleben. Hier stehen Sie unter dem Schutz des Grundgesetzes gemäß Art. 4. Soviel zu den Hardcore Islamisten. Wir haben in unseren Grenzen nach offiziellen Schätzungen (nichts genaues weiß man nicht, bzw. will man nicht wissen...) so ca. 4 Mio. Muslime. Rechtfertigt die Existenz von diesen Hardcore-Islamisten einen Generalverdacht gegen alle Muslime hier wie weltweit? Nein, mit Sicherheit nicht! Aber eine gehörige Portion Anfangsverdacht, die ist angebracht! Weil die Glaubensgrundlagen (wie oben beschrieben...) bei allen Muslimen gleich und unveränderlich (nach Ansicht der Muslime) sind. Egal ob Sunnit, Alevit, Schiit oder Sufi usw.: das Schrifttum auf dem sich Ihr Glaube gründet (s.o.) ist dasselbe! Nach statistischen Erkenntnissen sind 3/4 aller hier lebenden Muslime mehr oder weniger bereit mit Gewalt Ihren Glauben zu verteidigen. Mehr als 1/3 von Ihnen gilt als besonders Gewaltaffin, also noch unterhalb der Gruppe der Salafisten. Die Übergänge sind schleichend. Salafismus ist Ansichtssache, eine Überzeugung, nicht etwas dem man Beitritt wie einem Skatverein und dann ist man Salafist, nein, Salafist wird man. Aus freiem Willen und Überzeugung wie im Schrifttum des Islam angelegt. Von daher auch der Anfangsverdacht gegen a l l e Muslime. Salafist oder nicht ist nur ein kleiner Gedankensprung.
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tomtomtoy Ist schon länger als 1 Jahr her
Wurden Unbemannte Fluggeräte entwickelt , man müsste sie halt einsetzen .
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Detlef von Seggern Ist schon länger als 1 Jahr her
'Müssten nach diesem Erkenntnisstand diesbezüglich doch auch die ägyptischen Sicherheitsbehörden aktiv werden, um diesen oder jenen - deutschen Islamisten - welche in einem Terrorlager ausgebildet wurden, dingfest machen, sowie den deutschen Sicherheitsbehörden zu übergeben'. Kann doch niemand garantieren, wo und wann diese Gotteskrieger aktiviert werden, um ihr schändliches Handwerk in die Tat umzusetzen.
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