Wieder einmal ein Publikumsmagnet war das 52. Springturnier des Münchinger Reit- und Fahrvereins auf der Anlage im Schwieberdinger Tal. Begünstigt vom guten Wetter am Samstag und noch Sonntagmorgen lockte die idyllische Anlage viele Reitsportbegeisterte an den sehr gut präparierten Rasenspringplatz. Auch bei Reitern ist das Turnier immer sehr beliebt, sie kommen aus der ganzen Region. Auch das breite Spektrum von zwölf Prüfungen ist ein Anreiz, angefangen bei der Führzügelklasse für die Jüngsten über den Reiterwettbewerb, Stilspringprüfungen in verschiedenen Klassen, Reitpferdeprüfung, bis hin zu A-, L- und dem M-Springen am Sonntagnachmittag. Hier hatte das Wetter ein Einsehen, und Veranstalter wie Reiter Glück beim 38. Graf-Leutrum-Gedächtnisspringen: Kurz vor Beginn um 16.30 Uhr hatte sich das Gewitter verzogen, ein paar kurze Schauer zwischendrin machten Zuschauern, Reitern und Pferden offenbar wenig aus. Allerdings, wegen der vorab bekannten ungünstigen Wetterprognose für gestern Nachmittag, starteten zum ersten Umlauf des traditionellen Springens der Klasse M mit Siegerrunde 14 Reiter weniger als die 39 gemeldeten. Was aber der Spannung keinen Abbruch tat. So hatte der bewährte Parcourschef Ewald Fink einen anspruchsvollen Kurs mit Steilsprüngen, Oxern und zwei Kombinationen gebaut. Er schöpfte dabei die Größe des Platzes fast ganz aus, so dass auch auf Tempo geritten werden musste. Ein gutes Auge brauchten die Reiter aber vor allem für die Distanzen, so dass es vor allem an Steilsprüngen gelegentlich zu Verweigerungen kam.
Null Fehler bei einer Zeit von 79,2 Sekunden legte Katrin Nikola Waas vom Böblinger Reitverein auf Charisma Jolie vor. Ebenfalls mit null Fehlern bei sehr konzentrierten und schnellen Ritten gingen Sabrina Lender vom Leonberger Reitclub Riedhöhe auf Paloma-Bianca in 66,97 Sekunden und Sabrina Wiest auf Vicarello vom Reitverein Rotensol mit 65,84 Sekunden vom Platz. Vier weitere Paare mit wenig Fehlern und guten Zeiten qualifizierten sich für die Siegerrunde. Hier galt es, acht Hindernisse bei einer Strecke von 300 Metern in 52 Sekunden zu bewältigen. Spring- oder Zeitfehler aus dem ersten Umlauf flossen in die Wertung der Siegerrunde mit ein. Fehlerfrei und in der Zeit von 42,03 Sekunden gewann Sabrina Wiest auf Vicarello das Graf-Leutrum-Gedächtnisspringen vor der ebenfalls fehlerfrei gebliebenen Katrin Nikola Waas auf Charisma Jolie. Dritter wurde Patrick Krämer vom Reitclub Schwieberdingen Banmähder auf Fire Cent, der in der extrem schnellen Zeit von 41,40 Sekunden jedoch vier Fehlerpunkte aus dem ersten Umlauf mit brachte.
Wer schon oft beim Turnier mitgeritten ist, wird sie kennen, Gudrun Kast, die seit 40 Jahren die Meldestelle betreut. Das ist selten in einem Vereinsleben. Die 66-Jährige hat früher ihren Mann auf Turniere begleitet, war dort "Mädchen für alles", ihre Kinder reiten auch turniermäßig. Ihr macht der Trubel in einer Meldestelle nichts aus, und ihr stehen zwei Helferinnen zur Seite, die ihr auch Arbeit mit den Computern abnehmen. "Unser Verein ist einer der wenigen, der seine Turniere noch in Eigenregie organisiert", sagt sie mit etwas Stolz in der Stimme. Arbeiten, die auch sie im Vorfeld mit erledigt, und das "so lange ich das kann".