Mercedes Benz

S-Bahn in Stuttgart Internet per Mobilfunk wird getestet

Von Alexander Ikrat 

Drahtloses Internet in der S-Bahn mittels Gratis-WLAN: Das gibt es bisher nur in zwei Testzügen, die auf der S 4, S 5 oder S 6 im Einsatz sind Foto: DB
Drahtloses Internet in der S-Bahn mittels Gratis-WLAN: Das gibt es bisher nur in zwei Testzügen, die auf der S 4, S 5 oder S 6 im Einsatz sindFoto: DB

Diskutieren Sie mit! Dass der Bahnkonzern seine S-Bahn-Züge immer noch nicht so pünktlich wie vereinbart auf die Schiene bringt, heißt nicht, dass alle anderen Zukunftsthemen liegen bleiben. Im Auftrag des Verbands Region Stuttgart gibt es einen Test mit drahtlosem Internet.

Stuttgart - Der Zufall verhalf Jürgen Wurmthaler dieser Tage zu einer Premiere. Der Direktor für Wirtschaft und Infrastruktur beim Verband Region Stuttgart, der die S-Bahn politisch verantwortet, stieg nach Feierabend auf dem Weg nach Hause tatsächlich in einen der beiden Züge ein, die seit dem 11. Januar testweise mit jeweils zwei WLAN-Routern auf den Linien S 4, S 5 oder S 6 unterwegs sind. Diese Router empfangen Mobilfunksignale und verstärken sie, was den – vorerst kostenlosen – Einsatz von internetfähigen Handys erleichtern soll.

Wurmthalers Begeisterung hielt sich allerdings in Grenzen. „Es ist gut, dass wir jetzt diesen Test machen“, sagt der 53-Jährige unserer Zeitung, „das WLAN hat zwar funktioniert, aber eben nicht immer.“ Im tief eingeschnittenen Glemstal bei Leonberg-Höfingen ging sogar gar nichts mehr. „WLAN im rollenden Fahrzeug ist halt kein Glasfaserkabel“, lautet seine Erkenntnis.

Nichtsdestotrotz hält die Mehrheit der Regionalversammlung und voran die größte Fraktion der CDU den drahtlosen Internetzugang in der S-Bahn für den Zug der Zeit. Immer wieder sagen die Christdemokraten, wie wichtig es sei, dass die Technologie­region Stuttgart bei diesem Thema vorne ­dabei sei. „Dass das Pilotprojekt jetzt gestartet ist, freut uns“, befand CDU-Nachwuchsmann Jan Tielesch in der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses. Der Göppinger sagte das aber nur, weil das Projekt die Regionalräte zunächst nichts kostet. Dass der Test nur mit zwei Fahrzeugen und nicht auf der Flughafenlinie S 1 stattfindet, störte ihn ebenso wie die Tatsache, dass Nutzer mit einer analogen Postkarte ihre Meinung kundtun sollen, und die lapidare Art, wie diese abgefragt wird („Hätten Sie in Zukunft gerne immer WLAN in der S-Bahn?“).

Bundesweit vorn mit dabei

Dass Stuttgart in Deutschland mit diesem kleinen Ansatz trotzdem vorne dabei ist, findet Wirtschaftsdirektor Wurmthaler: „Mir ist bundesweit bisher keine andere S-Bahn bekannt, die WLAN einsetzt.“ Dies bestätigt das Beratungsunternehmen A. T. Kearney, das in einer Studie zum Thema jüngst feststellte, dass WLAN zwar im Fernverkehr zunehmend an Bedeutung gewinne, der Nahverkehr aber meist außen vor bleibe: „Auf flächendeckend drahtlose Internetzugänge in Regional- und S-Bahn-Zügen müssen Fahrgäste vermutlich noch jahrelang warten“, schlussfolgerten die Autoren. Sie hatten bei ihren Recherchen lediglich drei Ausschreibungen für Netze in West- und Norddeutschland gefunden, die auf WLAN setzen – und den Raum Stuttgart.

Tatsächlich setzt das baden-württembergische Verkehrsministerium bei den aktuellen Ausschreibungen auf Mobilfunkempfang – zumindest überall dort, wo es Neufahrzeuge verlangen kann. Und das ist in der Region fast überall der Fall – ab Dezember 2017 auf der Gäu- und der Murrbahn, ab 2019 auf weiteren Strecken (siehe Kasten).

Kosten könnten bis zu 16 Millionen Euro betragen

Bei der S-Bahn Stuttgart gibt es noch viele Fragezeichen. Bei 552 Sitzplätzen und bis zu 1000 Fahrgästen in einem Langzug, der 140 Kilometer pro Stunde fahren kann, müssen die Router mehr können als ihre Pendants im Café, erläuterte Regionaldirektorin Nicola Schelling im Ausschuss. „Da sprechen wir von Investitionen von 10 000 bis 100 000 Euro pro Fahrzeug.“ Macht bei 157 S-Bahnen bis zu knapp 16 Millionen Euro – schließlich hat der Verband gerade erst 87 neue Züge bekommen, bei deren Bestellung 2009 das Thema in seiner heutigen Dimension unbekannt war. Der Vertrag mit DB Regio endet erst 2028. Und dann kommen auch noch die Mobilfunkbetreiber und ihre Kosten dazu, die zumindest die CDU nicht den Fahrgästen aufbrummen will.

„Auf gar keinen Fall soll es bis 2028 dauern, bis wir unser Ziel, die Flotte mit WLAN auszustatten, erreichen wollen“, sagt Jürgen Wurmthaler. Wann das der Fall sein soll, dafür wagt er keine Prognose. „Wir müssen erst wissen, wie sich diese Masse der Nutzer auswirkt und welche Engstellen im Funknetz sich ergeben“, sagt er. Erst dann werde man Klarheit über die Kosten bekommen. Schon jetzt klar ist, dass es mit der Mobilfunkabdeckung im Innenstadttunnel nicht weit her ist. Die anderen großen Fraktionen, Grüne, SPD und Freie Wähler, äußern sich auch angesichts der aufgerufenen Summen vorsichtig und wollen die Ergebnisse des halbjährigen Tests abwarten. Bis dahin lenkt Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) den Blick auf den analogen Teil der Wirklichkeit: „In erster Linie ist es wichtig, dass die S-Bahn-Fahrzeuge fahren und erst in zweiter Linie, dass wir ein Internetcafé draus machen.“

 

1 Kommentar

ARTIKEL KOMMENTIEREN

  1. Kommentarregeln Registrieren Login

Mir wäre es deutlich lieber,die DB würden die 160 Millionen,-wenn es dabei bleibt,- in die Infrastruktur wie zum Beispiel funktionierende Weichen und Signale investieren,als in W-Lan Zugang in den Zügen. Wenn Herr Tielesch mehr S-Bahn fahren würde,wüsste er,das die S1 nicht zum Flughafen fährt,sondern hinter Rohr nach Herrenberg abbiegt! "Die CDU will die Kosten nicht den Fahrgästen aufbürden" Das bedeutet,daß die DB die Kosten übernehmen soll.Ja glaubt die CDU denn,daß die DB die Kosten nicht auf die Fahrpreise aufschlägt? Somit wird der Bahnfahrer wieder zum Umsteiger auf das Auto gemacht!

Bewerten
Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Vielen Dank für Ihre Bewertung!
1 Stern 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne 2.25
Wohngebiet Kernerviertel in Stuttgart S-21-Tunnel wirbelt viel Staub auf

Von 1. September 2016 - 6:00 Uhr

In der Rettungszufahrt zum Fildertunnel wird Gestein gesprengt. Die Folge: Staubwolken im Wohngebiet Kernerviertel. Die Bahn verstärkt die Schutzmaßnahmen, laut Anwohnern gibt es aber keine Besserung.