S-21-Umfrage Widersprüchliche Aussagen

Von Thomas Durchdenwald 

Die aktuelle S-21-Umfrage hat überraschende, aber auch widersprüchliche Ergebnisse. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die aktuelle S-21-Umfrage hat überraschende, aber auch widersprüchliche Ergebnisse. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die S-21-Umfrage zeigt, dass die Zerrissenheit in der Bevölkerung bleibt – ebenso wie der Wunsch nach einer besseren Lösung, meint unser Redakteur Thomas Durchdenwald.

Stuttgart - Ist das Glas nun halb leer oder halb voll? Ist es ein überraschend hoher Wert, wenn trotz vieler Baustellen und rasant gestiegener Kosten fast die Hälfte der Befragten für S tuttgart 21 ist? Oder müssten sich angesichts des Baufortschritts und der Erfolgsmeldungen der Bahn nicht deutlich mehr Menschen hinter das Jahrhundertprojekt stellen? Und wie passt es zusammen, dass einerseits fast zwei Drittel eine ernsthafte Prüfung von ­S-21-Alternativen unter Erhalt des Kopfbahnhofs fordern, sich andererseits aber eine klare Mehrheit dafür ausspricht, dass das Ergebnis der Volksabstimmung akzeptiert und S 21 wie geplant – also als Durchgangsbahnhof in Tieflage – gebaut wird?

Erklärungsversuche

Diese Ergebnisse sind widersprüchlich, und es spricht für die S-21-Kritiker wie Professor Grottian und das Aktionsbündnis, dass sie darum nicht herumreden und offen bekennen, wie schwer sie sich tun mit ­Erklärungsversuchen. Offensichtlich indes ist, dass es die von den Obergrünen in der Landesregierung und dem Stuttgarter Rathausim Chor mit der Bahn ausgerufene weit verbreitete Akzeptanz von Stuttgart 21 in der Bevölkerung nicht gibt. Wenn denn die Umfrage eines belegt, dann das: die Zerrissenheit besteht weiter – im Land, in den Parteien, in den Bevölkerungsgruppen. Und die Zahl der Projektgegner ist eben nicht kleiner geworden, sondern sogar angewachsen, auch wenn der öffentliche Widerstand mittlerweile leiser geworden ist.

Politik ist gefordert

Die Umfrage wird je nach Standpunkt interpretiert werden, da nach den Motiven nicht gefragt wurde. Insofern sollten die Antworten auch nicht überbewertet werden. Wer will schon, dass eine Volksabstimmung nicht beachtet wird? Wer ist gegen eine ernsthafte Prüfung von Alternativen? Das entlässt die Politik aber nicht aus der Pflicht, sich mit den mittlerweile bekannt gewordenen Schwächen und Risiken des Projekts ernsthaft auseinanderzusetzen. Das wäre auch der Wunsch einer Mehrheit.

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