Russland FIFA: Kein Council-Posten mehr für Mutko

Von dpa 

Witali Mutko ist der stellvertretende russische Ministerpräsident. Foto: Maxim Shipenkov Foto: dpa
Witali Mutko ist der stellvertretende russische Ministerpräsident. Foto: Maxim Shipenkov

Zürich - Die FIFA hat WM-Cheforganisator Witali Mutko den erneuten Einzug in ihr mächtiges Council untersagt. Eine komplette Verbannung des umstrittenen Moskauer Multifunktionärs aus der Fußball-Welt wird es aber wohl nicht geben.

Das für die Wahltauglichkeitsprüfung zuständige Governance und Review Committee des Fußball-Weltverbandes, dem auch DFB-Präsident Reinhard Grindel angehört, verweigerte dem stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten und Vertrauten von Präsident Wladimir Putin die erneute Kandidatur für einen Sitz im FIFA-Rat.

"Ich wollte wiedergewählt werden", sagte Mutko. Doch die FIFA habe politische Neutralität als neues Kriterium eingeführt. "Sie wollen, dass die Organisation politisch neutral ist, damit Staatsdiener und Vertreter der Behörden verschiedener Länder nicht in die Organe gewählt werden", sagte Mutko, der die Entscheidung des Kontrollgremiums nicht anfechten will.

Grund für die Sanktion sind somit nicht die möglichen Verwicklungen Mutkos in den russischen Doping-Skandal aus seiner Zeit als Sportminister seines Landes, sondern seine weiter herausgehobene Position in der Moskauer Führung generell. Die FIFA-Statuten verbieten allerdings schon lange eine Einmischung nationaler Regierungsbelange in die Angelegenheiten des Weltverbandes. Warum Mutko erst und ausgerechnet jetzt sanktioniert wurde, bleibt unklar.

Auswirkungen auf weitere FIFA-Ämter hat die Entscheidung zudem nicht. Mutko kann somit seinen Posten als lokaler Cheforganisator der WM 2018 und des Confed Cups in diesem Sommer behalten - sofern dies auch von der FIFA-Administration um Präsident Gianni Infantino gewünscht ist, denn die Tauglichkeitsprüfung bezieht sich nur auf neu zu vergebene Posten. Der 58 Jahre alte Mutko geht davon aus, dass er die Vorbereitungen weiter leitet. Die FIFA hat sich zu der delikaten Personalie noch nicht geäußert, doch Infantino dürfte kaum einen Affront mit Putin - dem Gastgeber des ersten WM-Turnieres seiner FIFA-Präsidentschaft - wagen.

Mutko, der auch Präsident des russischen Fußball-Verbandes ist, sitzt seit 2009 im FIFA-Exekutivkomitee, das im Vorjahr in das Council umgewandelt wurde. Für den UEFA-Kongress am 5. April in Helsinki war er einer von fünf Kandidaten für vier europäische Posten im Council. Die Kontinentalverbände entsenden dann ihre Vertreter in das Weltverbandsgremium. Da weiterhin vier Kandidaten zur Verfügung stehen, hat die UEFA keinen Handlungsbedarf nach dem Mutko-Aus.

Die Wahltauglichkeitsprüfung ist Teil der FIFA-Reformen nach den Skandal-Jahren unter Ex-Chef Joseph Blatter. Mutko ist der bislang prominenteste Funktionär, den die Kontrolleure unter Führung des früheren Generalanwalts am Europäischen Gerichtshof, dem Portugiesen Miguel Poiares Maduro, ausschlossen.

Mutko ist ein langjähriger Wegbegleiter Putins aus dessen politischen Zeiten in St. Petersburg. In der ehemaligen Zarenstadt stieg er bis zum Amt des stellvertretenden Bürgermeisters auf. Im Schlepptau Putins machte der studierte Schifffahrtechniker und Jurist große Karriere an den Schnittstellen von Politik und Sport.

Maßgeblich war er als damaliger Sportminister an der Organisation der Winterspiele 2014 in Sotschi beteiligt. Jede Verwicklung in die staatlich gelenkte Dopingpraxis weist er aber zurück. Umstritten sind weiter seine relativierenden Äußerungen zur Fangewalt im russischen Fußball. Eher als Petitesse wirkt mittlerweile die Frühstücks-Affäre nach den Winterspielen in Vancouver 2010. 97 Frühstücke soll er damals laut russischem Rechnungshof auf dem Spesenzettel notiert haben, obwohl er nur 20 Tage in Kanada war.

Lesen Sie jetzt