Rüdiger Grube "Es kann kein weiteres Entgegenkommen geben"

Von Michael Isenberg 

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Rüdiger Grube im Interview: Der Bahnchef setzt jetzt auf den guten Willen aller Beteiligten.

Stuttgart - Bahn-Chef Rüdiger Grube schlägt einen Kompromiss vor: Die Bauarbeiten und Vergaben für Stuttgart 21 könnten bis zum 15. Juli und dem Stresstest ruhen. Dafür müsste die Stadt auf 33 Millionen Euro verzichten. Außerdem würde S21 ein Jahr später fertig. Grube setzt jetzt auf den guten Willen aller Beteiligten.

Herr Grube, am Montag läuft die Frist der Deutschen Bahn bei Stuttgart21 ab. Heißt das, am Montag wird wieder gebaut?

Ja. Es sei denn . . .

. . . es sei denn . . .

. . . die Projektpartner folgen meiner Initiative und kommen an diesem Montag in Stuttgart zu einer außerordentlichen Sitzung des Lenkungskreises zusammen.

Wo sehen Sie noch Verhandlungsspielraum in dieser verfahrenen Situation?

Der Vorstand der Deutschen Bahn AG hat in der Tat nur noch einen relativ kleinen Handlungsspielraum, da wir dem Aktiengesetz unterliegen und verpflichtet sind, Schaden vom Unternehmen fernzuhalten.

Und solche Schäden gibt es bereits?

Wir haben seit dem vorigen Herbst dreimal unseren guten Willen gezeigt, den Konflikt um Stuttgart21 zu versachlichen und die angespannte Lage zu deeskalieren: Das war bei der Schlichtung Ende vorigen Jahres der Fall, das war bei der Akzeptanz der Schlichtungsergebnisse der Fall und bei der Zusage nach der Landtagswahl am 27.März, bis zum Amtsantritt von Ministerpräsident Winfried Kretschmann am 12.Mai keine weiteren Fakten zu schaffen. Der intensive Diskussionsprozess und die mehrmaligen Verzögerungen haben hohe Kosten verursacht, die wir bisher einseitig übernommen haben. Man kann uns wirklich nicht nachsagen, dass wir uns nicht nach Kräften bemüht hätten, den Konflikt zu entschärfen.

Und jetzt soll damit Schluss sein?

Wir werden weiterhin Lösungen suchen und gewiss kein Öl ins Feuer gießen. Allerdings ist jetzt der Punkt gekommen, an dem wir keinen Spielraum mehr haben: Spätestens am 15.Juli müssen die Bauarbeiten für den Fildertunnel und den Tunnel nach Ober- und Untertürkheim vergeben werden; das sind Bauleistungen im Gesamtvolumen von 750 Millionen Euro. Wenn wir diesen Termin nicht erreichen, müssten wir die europäische Ausschreibung komplett wiederholen, allein das kostet rund 18 Monate.

Die grün-rote Landesregierung plant im Oktober eine Volksabstimmung über die finanzielle Beteiligung des Landes an S21. Was heißt das für Ihren Zeitplan?

Das würde ein halbes Jahr kosten. Durch die gesetzlichen Vorgaben für Baumaßnahmen im Bahnbetrieb verschärft sich das Problem aber noch. Alles in allem reden wir von einer Verzögerung von drei Jahren und Mehrkosten von 410 Millionen Euro.

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Stuttgart 21 Rechnungshof weist Kritik der Bahn zurück

Von 26. August 2016 - 6:00 Uhr

Der Bundesrechnungshof weist die Kritik der Bahn wegen angeblicher Intransparenz beim Erstellen seines Prüfberichts zu Stuttgart 21 zurück. Der Konzern sei über alle Zwischenergebnisse informiert worden, heißt es.