Rudersberg im Rems-Murr-Kreis Aktivist im Visier von Neonazis?

Von Phillip Weingand 

Denzingers Online-Portal berichtet über den Vorfall. Foto: Screenshot Beobachter News
Denzingers Online-Portal berichtet über den Vorfall. Foto: Screenshot Beobachter News

Der Herausgeber des linksgerichteten Onlinemediums „Beobachter News“ ist das Ziel einer Attacke geworden. Er verdächtigt Rechtsradikale, seine Reifen zerstochen und sein Haus beschmiert zu haben.

Rudersberg - Zwei zerstochene Reifen, zerplatzte Farbbomben am Fenster und an der Hauswand: damit sah sich vergangene Woche ein Rudersberger konfrontiert. Der 59-jährige Alfred Denzinger ist Herausgeber des linksgerichteten Onlineportals „Beobachter News“, bei der Initiative „Rems-Murr Nazifrei“ aktiv und er ist sich sicher: Hinter der Tat stecken Neonazis. „Ich wurde schon bedroht und beleidigt, aber das ist mir noch nie passiert“, sagt er.

Die „Beobachter News“ gibt es seit rund sechs Jahren. Das Portal beschäftigt sich mit der rechten Szene, deren Demonstrationen sowie der Polizeiarbeit auf eben diesen. Kritiker sehen in den „Beobachter News“ ein parteiisches Sprachrohr der Antifa. Denzinger betont, sich keiner Partei zugehörig zu fühlen – „aber natürlich bin ich links orientiert und Antifaschist.“

Sein Verhältnis zur Polizei ist gespalten

Er und seine Mitarbeiter dokumentieren etwa die in letzter Zeit oft im Rems-Murr-Kreis auftauchenden NS-Symbole. „Erst habe ich gedacht, dahinter könnten irgendwelche Rotzlöffel stecken“, so Denzinger. „Aber wer diese Zeichen verwendet, muss sich richtig damit beschäftigt haben.“

Das jüngst aufgetauchte Kürzel „ANRM“ etwa sei wohl auf den Begriff „Autonome Nationalisten Rems-Murr“ zurückzuführen – möglicherweise eine neue Gruppe. „Bereits bekannt waren Autonome Nationalisten in Göppingen und in Backnang“, sagt Denzinger. Die erste Gruppe ist verboten, die zweite hatte vor einigen Jahren Straftaten im Rems-Murr-Kreis verübt.

Die zerstochenen Reifen hat Denzinger angezeigt. Ein Polizeisprecher bestätigt, dass die Ermittlungen laufen, Hinweise würden unter der Nummer 0 71 51 / 95 00 entgegengenommen. „Einen konkreten Verdächtigen gibt es noch nicht.“ Denzinger selbst verspricht sich von den Ermittlungen nicht viel. „Ich habe kein Vertrauen in die Arbeit der Behörden. Sie werden nichts finden, weil sie nicht suchen werden“, glaubt er.

Denzinger hat einen Verdacht, wer hinter dem Angriff steckt

Das Verhältnis zwischen ihm und der Behörde ist ohnehin nicht einfach: Er ist als Fotograf schon öfter auf Demonstrationen mit der Polizei aneinandergeraten. Ein Gericht verurteilte ihn auch wegen einer Beleidigung eines Polizisten, die Denzinger stets bestritten hatte.

Er selbst verdächtigt einen Mann aus dem Rems-Murr-Kreis: „Er hat Namen und Adressen unserer Redaktionsmitglieder im Internet preisgegeben – dort steht auch, was für ein Auto ich fahre.“ Das komme einem Aufruf zu einer solchen Tat gleich. Seinen Kampf gegen Rechts werde dies nicht stoppen: „Wenn jemand dachte, ich würde mich einschüchtern lassen, hat er sich geschnitten. Ich werde mein Engagement verstärken“, so der 59-Jährige.

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